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Wam Kats 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung

Die Nacht war wirr und kurz, gegenüber flimmert die Fassade des Museums bereits in der Hitze und ich genieße den letzten Schatten auf dem Südbalkon, den Dinkelkaffee und die aufgestauten und gesammelten Artikel, die ich mir zum Lesen aufbewahrt habe. Das wunderschöne Mädchen ist zu einem See geradelt, das Haus liegt wieder still und ich bin müde von der Stunde auf dem alten Nordfriedhof, die wir mit den Füßen im nassen Gras verbrachten.

Museumsfassade

Genau so, denke ich mir, kann es jeden Tag sein. Sogar das frühe Aufstehen macht mir von Tag zu Tag weniger aus; die Stadt gefällt mir besser, wenn sie noch schläft. Allein im Grünen, das war auch jener Traum, den ich hatte, als ich das erste Mal nach Helgoland fuhr. Damals schon hatte ich das Kochbuch. Ich wollte jeden Tag kochen und im Oberland zwischen den Bombenkratern essen. Mein Appartement lag direkt am Kai und hinten bei der Jugendherberge führte eine Treppe die Felsen hinauf aufs Plateau. Ich hatte jedoch vergessen, wie Helgoland mit Lebensmitteln versorgt wird: Angebaut wird nichts, die wenigen Beete in der Schrebergartenkolonie dienen der Selbstversorgung. Das Regal der Bio-Waren im Insel-Edeka ist 60 cm breit und nur unwesentlich höher.

24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung

So fuhr das Buch unbenutzt wieder nach Haus. Bis gestern habe ich kein Gericht aus diesem Buch gekocht, es nur zweimal gelesen. Weil es neben den Rezepten autobiographische Geschichten enthält, die das jeweilige Essen in Bezug setzen zu der Situation, in der es entstand. Gestern gab es ,,Woodstock’’ – Chili sin Carne. Und falls ich heute Lust bekomme, Küche und Hände rot zu färben, bereite ich den ,,Rainbow“-Salat.
Die Zutaten habe ich hier.

Woodstock

Während ich mich langsam daran gewöhne, häufig zu kochen, weht ein bisschen Liebe durch die verwinkelten Gassen von Blockwartsdorf. Wir könnten mehr davon gebrauchen.

Blockwart

Du hext mir die Haare grau

Ich hatte neulich (es ist bereits Monate her) einen Disput mit einem Freund, welchen Sinn es hat, die Tagesnachrichten zu lesen. Einer sagt (vielleicht war das ich), man kann das alles nur sehr schwer ertragen; der andere wendet ein, es sei dennoch notwendig um die Welt zu verstehen. Beide wissen sie nicht, wen ein Fußball-Relegationsspiel nerven kann, wenn im Mittelmeer Menschen ersaufen.

Klassentreffen

Letztens im Wald, ich war etwas zu früh und traf auf die ältere Frau, die später eine Beerdigungsrede hielt. Wir sprachen nach zwei Minuten über Politik und sie sagte, sie ärgere sich, dass wir (sie sagte tatsächlich wir!) Leuten hälfen, die von anderswo kämen. Ein dummer Mensch aus einem kleinen Dorf jenseits des Waldes, eine ihren kranken Sohn liebende Mutter, den sie als Rechtfertigung braucht. Der Egoismus spritzt aus jedem Satz; während der Rede am Grab hat sie Tatsachen und Namen vertauscht.

Der mißlungen Lebenslauf

Wenn ich die Augen schließe, sehe ich drei Häuser im Wald, die vielleicht zu einem alten Hof gehören. (Ist das eine Flucht? Vielleicht ist das der Traum einer Flucht, vielleicht gebe ich irgendwann auf.) Ein halb abgeschliffener Küchenschrank steht unter dem Vordach einer fast verfallenen Scheune und das Telefonnetz reicht bis an ein Fenster der Küche, in dem Handys auf ihren Anruf warten. Die Bewohner haben kein Auge für sie, sie sitzen um einen alten, abgewetzten Eichentisch und essen irgendein Gericht mit Kartoffeln. Trotz Waldwegen gibt es hier keinen SUV, vielleicht nur einen alten Bus, mit dem sie sich zum Bahnhof in der Nachbarstadt fahren. Es regnet und in der Stube kauert eine Katze auf der Sitzbank am warmen Kamin.

Wo bleibt bitte das Gute?

Wir haben seit einem Tag keinen Zugang zum Internet mehr zu Haus’. Ich weiß eigentlich gar nicht, warum es mich nervt.

Die Texte auf den Bildern sind alle von Kästner.

Intervalle (Voran voran)

Wir werden in den nächsten Minuten versuchen, die Schwelle deiner individuellen Leistungsfähigkeit herauszufinden.

Der Bahnsteig ist überfüllt. Ich wollte den früheren Zug nehmen, der ausgefallen ist. Wie immer, wenn ich allein reise, habe ich keinen Sitzplatz reserviert, bin so einer der Wenigen, die von der kurzfristigen Änderung der Wagenreihung nicht betroffen sind. Doch die Nachwirkungen erwischen auch mich: Deutsche Planungsfanatiker treffen auf Unvorhergesehenes;
die Germanen toben und schimpfen.

Ein Mädchen

Zeit, die Anstrengung zu erhöhen.
Verausgabe dich noch nicht zu sehr.

Ich bin unterwegs in den Norden, kaum jemand weiß etwas davon. Zu groß wären die Erwartungen und die Enttäuschung. Ich bin nur kurz dort, kaum jemand wird Notiz von mir nehmen. Haben Tomte nicht einmal gesungen »Und das Ding, auf dem ich fahre, fährt glaube ich zu schnell«? Ich bleibe nicht, ich steige nur um, bin ein Blitzlicht im Wald meiner Heimat. Nach dreißig Minuten bin ich schon wieder fort, ich habe ein Loch hinterlassen, das Liebste vergraben. Andere schütten die Wunde im Wald für mich zu.

Ein Mädchen

Die nächsten fünf Minuten werden dir sehr lang vorkommen.
Sehr lange.

»Es war ein langer Weg nach Hause, doch jetzt bin ich da.«
Mein Großvater lächelt das erste Mal seit Wochen.

Ein schönes Leben

Als ich an ihrem Bett saß, sie gelb und schwach vor mir lag und zwischen einzelnen Sätzen hingedämmerte, mich manchmal um etwas zu Trinken bittend, habe ich sehr viel verstanden. Ich hatte lange schon eine Ahnung, ein Gefühl, aus dem in den Tagen an diesem Bett Gewissheit geworden ist.

Erinnerungen

Ich kenne sehr viele Menschen, die den Monsieur Ibrahim gern gelesen und so wenige, die sich was er sagte zu Herzen genommen haben. Ich sprach mit Kollegen – wir sind alle am Zweifeln und doch machen wir immer weiter. Auch wenn wir tausend Euro Miete zahlen müssen, einen Wohnungskredit bedienen oder die Leasingrate für den SUV in der Vorstadt, die anderen sind nicht Schuld daran, wenn wir verharren. Wir selbst haben zu wenig Mut.

Erinnerungen

Ich habe ihr nichts versprochen, als wir uns zum letzten Mal sahen; sie hat mich nichts gebeten oder gefragt, vielleicht, weil sie mich kennt. Ich habe sie damit geneckt, dass ich das pinkfarbene T-Shirt trug. Darauf kam sie früher immer zu sprechen. Vorletzte Woche hat sie gelacht.

Erinnerungen

Ich habe sehr viel verstanden. Es ist beruhigend, sich Dinge erklären zu können: Das Seufzen im Bett bei geschlossenen Augen, die Farbe ihrer Haut. Es ist beruhigend, nicht glauben zu müssen. Religion war nie das Ding unserer Familie; meines nicht, nicht das meiner Eltern und ihres ist es auch nie gewiesen. Es war schön, sie angstlos und zufrieden zu sehen, nicht voller Panik vor der Bilanz. Aufklärung ist ein sehr hohes Gut.

Medikamente

»Ich hatte ein schönes Leben« hat sie vor zwei Wochen gesagt.
Vor zehn Tagen ist Großmutter gestorben. 

Eine Geschichte über die Liebe und eine über Musik

Diese Geschichte reicht etliche Jahre zurück. Ich kann mich erinnern, wie ich ihn kennengelernt habe in Köln. Wir standen am E-Werk und warteten dort, sie führte ein Telefonat und dann hieß es, er käme in zwanzig Minuten. Es war warm und ich weiß nicht mehr, welche Band abends dort auftrat; vielleicht The Notwist, das würde passen. Irgendwann kam ein Taxi und ich erinnere mich, wie seltsam ich fand, dass er ein Taxi benutzte.

Seine Wohnung sah ich erst Monate später. Irgendwann saßen wir in einer Bar und sprachen über Diedrich Diederichsen. Siebzigerjahre Deckenanhänger schmückten die Wände und was mir außerdem im Gedächtnis blieb waren meine Magenprobleme aufgrund der Menge an Bionade, die ich an jenem Abend trank. Das alles liegt mindestens fünfzehn Jahre zurück.

Mixer

Er war es auch, der mich fragte, ob ich an seinem Geburtstag auflegen möchte und der mich unvorbereitet hinter ein DJ-Pult stellte. Ich hatte einige Platten dabei, ich war zwar nicht überfordert – zumindest kam mir selbst das anders vor – doch die Leute tranken ihr Bier lieber auf dem Balkon. Ich glaube, bei einem Tocotronic-Song kamen einige zurück in das Zimmer.

Jahre später, an unserem ersten gemeinsamen Abend im Zimmer meiner alten WG, stand ich mit dem Rücken zum wunderschönen Mädchen. Ich weiß nicht mehr, was ich aufgelegt hatte (ich wette, sie weiß es noch ganz genau!), doch als wir uns zum ersten Mal unter dem Mistelzweig küssten, der über meiner Zimmertür hing, bin ich mir sicher gewesen, dass der CD-Player und das Mischpult jeden Cent wert waren – auch wenn aus mir nie ein wirklich guter DJ werden sollte.

Plattenspieler

Es ist sechs Jahre her, dass ich das alte Mischpult und den CD-Spieler bei eBay verkaufte. Seit vorgestern trauere ich um den Player, nie hat mich ein Verkauf im Nachhinein ähnlich geärgert. Zum Glück habe ich den Plattenspieler behalten und all die Schallplatten und CDs, die ich im Zuge der Überzeugung, MP3s würden reichen, in Kartons verpackt habe.

Einen Scheiß reichen sie!
Und die Hardware kaufe ich mir gerade wieder zusammen.

Das Rennen

Ich schrieb es schon einmal. Aber der Ärger muss raus! Und doch gibt es eine Versöhnung.

Ein Blick in das Bücherregal

Fast scheint es, man könne entweder gut Fahrrad fahren oder gut schreiben. Ich besitze einige Bücher, die diese These nahelegen. Die Lektüre von Alpenpässe und Anchovis liegt schon so lange zurück, dass ich mich an wenig mehr erinnere als daran, dass es mich einigermaßen langweilte und ich nicht betroffen war von dem beschriebenen Text. Das Buch irgendeines Kolumnisten irgendeiner Radzeitung, in dem er seine Glossen zusammengebunden hat, nervte mich nach zehn Seiten so, dass ich es sofort zurückgegeben habe. Nach Sieg am Himmelsjoch habe ich keinerlei Lust und Ambitionen mehr, jemals am Ötztaler Radmarathon teilzunehmen, wahrscheinlich war die Intention des Autors eine andere. In der Geschichtensammlung Die Liebe zum Fahrrad gefällt mir lediglich eine Erzählung, die mich die anderen lesen ließ in der Hoffnung auf eine zweite gute Geschichte. Gefühlt kenne ich noch einige Bücher mehr, doch dass mir nicht mehr alle Titel in Erinnerung sind, spricht Bände. Aus all diesen Büchern blieben mir nur drei positiv im Gedächtnis.

Die Leere in ihrem Leben schockiert mich!

Die Autobiographie von Laurent Fignon habe ich glücklicherweise sehr früh gelesen, sonst hätte ich vielleicht nicht die Hoffnung behalten, je auf ein gutes Buch zu stoßen. Wir waren jung und unbekümmert ist kein Vertreter der Hochliteratur, nicht Goethes Faust auf zwei Rädern. Aber es ist authentisch. Fignon muss mit diesem Buch keinem mehr beweisen, was er kann und dass sich auskennt; technische Wichtigkeiten, die nichts als nerven, fehlen hier völlig. Dass ich ein klein wenig auch wegen ihm nach Paris fuhr, müssen andere erst einmal schaffen. Auch eine zweite Biographie, Put me back on my bike über Tom Simpson, habe ich gern gelesen, obwohl sie aus tragischen Gründen keine Autobiographie sein kann: Tom Simpson starb 1967 am Berg Mont Ventoux. Wenn Radbuch, dann Biographie? Nichts neues seit April 2014?

Rennlenker

Fast. Ein alter Freund fragte, ob ich das Buch dieses Niederländers kenne, das fast dreißig Jahre lang nicht ins Deutsche übersetzt worden ist. Zuerst veröffentlicht 1978, trägt die deutsche Erstauflage das Datum 2006. Das gebundene Buch hat 162 Seiten, das beschriebene Rennen 137 Kilometer. Und so liest man Kilometer für Kilometer, Seite für Seite, kommt außer Atem an den Anstiegen zu den vier Pässen, ärgert sich über die Zögerlichkeit bei den Abfahrten und über diesen einen Hinterradlutscher, der sich im Windschatten der anderen ziehen lässt. Hier schließt sich der Kreis zu Fignon, der die Tour de France 1989 um acht Sekunden an einen (in seinen Augen) ebensolchen verlor:

LeMond war mit hauchdünnem Vorsprung auf mich ins Gelbe Trikot gefahren, aber man konnte von ihm keine offensive Fahrweise erwarten – das war nicht sein Stil. Er scheute jegliches Risiko. Gleich die erste Pyrenäenetappe von Pau nach Cauterets machte das deutlich. Sein Stammplatz war das Hinterrad der Gegner, wo er sich mit der Rolle des stillen Beobachters beschied.

Morgen dann wieder ein versöhnliches Buch.

Eine vermutlich ganz gute Sache

Ich wusste, sie würden kommen; weil ich es übertrieben habe, zu diesen Zeitpunkt übertrieben habe, vor allem wegen der fehlenden sechshundert Kilometer in den vorausgegangenen Wochen. Sie kamen, jedoch nicht bereits auf dem Weg hinaus aus der Stadt, nicht unten in den Auen beim Isarkanal, an dessen Ufer ich das letzte Gel mit dem Koffein zu mir nahm. Nicht einmal nach den Serpentinen hinter dem Kloster hinauf im Wald, vor denen ich mich (wie immer!) zur Besonnenheit mahnte, die ich (wie immer!) nach der zweiten Kehre vergaß. Am Ende werde ich fast eine Minute langsamer sein auf diesem Anstieg als im Mai vor zwei Jahren.

Kapelle irgendwie südlich von München

Lange bin ich nicht mehr am alten Ententeich gewesen mit dem verrotteten Steg. Ein Erpel taucht nach Essbarem, ob es der gleiche ist wie im letzten September? Vor drei Jahren habe ich hier angehalten und mich neben den Steg gesetzt, neben die beiden Enten, die in der Sonne schliefen. Sie blinzelten kurz hinüber und schlossen wieder die Augen, als sie wussten, ich würde den Abstand bewahren. Das ist etwas, das ich mir über die Jahre behielt. So fuhr ich vorbei, nur meine linke Hand verließ kurz den Lenker zum Gruß.

Arbeiter am Waldrand

Seit vier Wochen war ich nicht mehr im Büro, seit vier Wochen habe ich wieder mehr zu erzählen. Das fiel mir auf, als ich letztens bei M. saß und wir uns unterhielten. Vier Wochen, in denen ich mich mit Menschen unterhalte in Situationen, in denen ich vorher nie war. Wenn man sich treiben lässt und das Steuer dem Wind überlässt, erlebt man, was man sonst immer vermeidet. Nicht weil es schlecht ist, nur weil man es nicht kennt. Ich genieße diese Zeit wie den Kaffee in der Sonne wochentags zur besten Stunde in den Cafés dieser Stadt. Jetzt kann ich ihn mir leisten.

Ein guter Autofokus ist einiges Wert

Die Schmerzen kamen schließlich zehn Kilometer vor dem Ende der Fahrt zu einem Zeitpunkt, an dem ich nicht mit ihnen gerechnet habe. Als ich am Ende einer Unterführung aus dem Sattel ging, einen Jungen in meinem Alter zu überholen, fühlte es sich an, als würde jemand die Muskeln drückend quer zu meinem Oberschenkel bewegen. Ein Schmerz, wie damals auf dem Pausenhof der alten Schule, auf dem wir uns vormittags schlugen und quälten, um nachmittags gemeinsam im Baumhaus in der Krone der alten Eiche zu sitzen. Mit einem Blick auf unser Dorf, das vor uns lag und blinzelte, wir mögen den Abstand bitte bewahren.

A sad state

Ich bin in den letzten beiden Jahren den Großteil der Wochentage jeweils vierzig bis fünfzig Kilometer Fahrrad gefahren. In den letzten drei Wochen bin ich zehn Kilometer gefahren – insgesamt. Das ist nicht nicht anstrengend. Das auszuhalten ist Arbeit.

Jaguar E-Type

In diesen Tagen habe ich Freunde getroffen, erfolgreich, unterwegs und gestresst. Sie saßen vor mir, erzählten mir von den Berufen und verschmolzen etwas mit ihrem Hintergrund. Zehn Stunden arbeiten täglich, »mehr Ringe als Augen und die unterlaufen« (Kettcar). Alles bestens, man könne sich etwas leisten und sie meinten es wörtlich. Mit jedem Satz verschmolzen sie noch etwas mehr.

Kutsche

Ich habe die Sorge, mich in Teig zu verwandeln. Ein aufgeschwemmtes Gesicht, weiche Beine und einen Bauch, für den man eine Entschuldigung braucht. Schlimmstenfalls würde mir alles egal. Ich muss dringend einmal raus, »Ich bin wie diese Kügelchen, ich würde gern rollen, muss aber verharren, und bin damit nicht wirklich glücklich.«

Brei

Der ganz alte Mann und sein Hund

Aus dem Nebel winkt mir ein älterer Mann zum Anhalten. Er trägt dunkle Kleidung, sein Körper zeichnet sich vor dem schneebedeckten Hang des Kanals deutlich ab, meine Lampe zeigt an ihm vorbei in Richtung der im Nebel verschwindenden Straße. »Hund?«, ich entschuldige mich gestikulierend, meine Kopfhörer unter dem Fahrradhelm herausnehmend. Den dritten Satz verstehe ich endlich; er sucht seinen Hund, seit einer Stunde vielleicht, bei fünf Grad unter Null hier draußen zwischen dem Fluss und diesem Kanal.

Ladengeschäft

Den Hund sehe ich zehn Minuten später unsicher wartend an der alten Holztreppe hinauf auf die Brücke. Ich erinnere einen Freund, der sich immer wunderte, wie gut ich mit Hunden umgehen könne, die wir unterwegs trafen (dabei war es eher so, dass die Hunde selten wussten, wie ihnen geschah, bevor ich schmusend an ihrem Hals hing). Er hätte mich heute Abend sehen sollen, heute Nacht, dort draußen, dort unten am Fluss. Und später den Mann, seine Tränen und seinen Hund glücklich im Arm.

Ein ganz alter Mann und sein Hund. Ich mag diese Arten von Pärchen.

Good Night, and good luck.

Die Nachbarin zu unserer Linken hat mir davon erzählt. Ich weiß nicht mehr, ob wir uns im Treppenhaus begegnet sind oder sie mir durch die noch von der Türkette verschlossenen Tür entgegengeraunt hat: »Diese Frau ist letztens bei einem Unfall ums Leben gekommen.«

Don't trust people that don't trust anyone

Bestätigt hat das eine aus dem Nachbarhaus, die irgendwann bei uns klingelte, um ihre Wäsche, die noch auf unserem Wäscheständer hing, abzuholen. »Das war kein Unfall«, flüsterte sie, »diese Frau wurde ermordet.«

Jede Nacht.

t: Edward R. Murrow
b: Stuff no one told me