Alle Beiträge von niels

Und um das alles zu begreifen/wird man was man furchtbar hasst, nämlich Cineast

Es ist mir mehrmals passiert, dass ich in ein Gespräch gekommen bin, in dem man sich über Filme unterhielt. Aber: Möchte jemand mit mir über Filme sprechen, werde ich wortkarg. Nicht, weil ich ausschließlich Verachtung übrig hätte für das Mainstreamkino, nicht weil ich die Werke nur eines Regisseurs akzeptiere und alles andere ignoriere, einzig aus dem Grund, weil ich beinahe nie Filme schaue und daher keine kenne. Zwar habe ich vor vielleicht drei Jahren mit dem wunderschönen Mädchen alle Woody-Allen-Filme geschaut, die iTunes vermietet hat, war seitdem allerdings beinahe nie wieder im Kino.

Im Rahmen solcher Gespräche kommt man erstaunlich oft auf Forrest Gump zu sprechen. Es sind seltsame Blicke, die mich treffen, wenn ich Verneine, diesen Film zu kennen.

blutenburg315.jpg

J., ein alter Schulfreund, verbrachte seine 11. Klasse in den USA. Ich weiß den Zusammenhang nicht mehr, aber aus irgendeinem Grund blieb mir sein texanisch geprägtes »Life is like a box of chocolades« im Gedächtnis. Seit zwanzig Jahren denke ich an J., wenn mir dieser Satz in den Kopf kommt. Und das passiert hin und wieder. Öfters höre und lese ich an verschiedenen Stellen diese »Lauf, Forrest, lauf!«-Zitate, die sogar in meinem Kopf widerhallten, als ich eine Party in der kleinen Studentenstadt Hals über Kopf verließ. Einmal sah ich die Szene irgendwo, in der die Beinschienen des Jungen beim Laufen zersprangen. Ansonsten kenne ich nur das eine Bild mit dem Briefkopf von Apple.

blutenburg215.jpg

Gestern Abend habe ich Forrest Gump zum ersten Mal gesehen. Ich ging davon aus, dass dieser Film eine Komödie sei. Ich weiß nicht, weshalb. Vielleicht, weil ich Komödien mag. Ich hatte mich also gefreut, als das wunderschöne Mädchen vorschlug, den Film doch endlich einmal zu schauen.

Eine Komödie war das nicht.
Doch immerhin: Es war ein sehr schöner Abend.

t: Tocotronic

Braunland

Heute Nacht wurden in Paris sehr viele Menschen ermordet. Noch gibt es niemanden, der sich zu den Anschlägen bekennt, doch wie es nun einmal die Sache der Sozialen Netzwerke ist, wird aber schon über die Konsequenzen diskutiert.

Was mich am meisten erschüttert: Jetzt ist der Terror da, der Terror, wegen dem unsere Ersteinrichtungen für Flüchtlinge aus allen Nähten platzen. In konservativen Kreisen ist man sich jedoch sicher, dass die Flüchtlinge nur deshalb ins Land kommen, weil sie mit ihren Smartphones schöne Alpenpanoramen fotografieren, vorzugsweise mit dem eigenen Haussee im Vordergrund und diese Bilder nach Hause schicken um zu sagen: »Kommt her, ich habe das Paradies gefunden.« Stattdessen wird spekuliert, wie diese Attentäter wohl ins Land gekommen sind.

Die Bauernschläue dahinter ist folgende: Die vollständige Netzüberwachung in Frankreich hat im Vorfeld nicht dazu geführt, diese Attentate zu verhindern. Da eine vollständige Überwachung Attentate jedoch verhindern würde, ist es wohl so, dass die Attentäter gar nicht vorher im Land gewesen sein können, sondern eingereist sind. Wahrscheinlich über die Routen, über die auch Flüchtlinge ins Land kommen. Wir müssen also alle Grenzen schließen! Das Perfide daran: Mit diesem Twist werden die Attentäter aus Frankreich mit den Flüchtlingen gleichgesetzt. Dies wird sich in den nächsten Tagen auch in der ein oder anderen öffentlichen Diskussion wiederfinden.

fluchtpass.jpg

Bullshit. Die Flüchtlinge kommen nicht wegen der Berge und den Seen. Würden die gleichen Konservativen einmal mit den Flüchtlingen reden, statt gegen sie zu hetzen oder sich um die Belastbarkeit des eigenen Landes sorgen, würden sie vielleicht auch von den Nachrichten hören, die viele zusätzlich zu den Bergbildern nach Hause schicken: »Kommt nicht, der Weg ist gefährlich und unangenehm. Es ist anders, als alle erzählen!«

Und während sie immer mehr Menschen anzünden
bist du noch immer am Reden, am Differenzieren
man dürfte seine Werte jetzt nicht verlieren!
Dieser Wert im Klartext heisst: das Weiterleben vom großdeutschen Geist

Das ist keine Urlaubsfahrt hierher, schon gar nicht für junge Frauen, die wie die Männer in großer Zahl zu Hause aufbrechen, aber nie ankommen werden, weil sie unterwegs sprichwörtlich auf der Strecke bleiben. Die unschönen Details überlasse ich deiner Phantasie; es ist nicht meine Aufgabe, die Geschichte des wunderschönen  Mädchens zu erzählen, die in der Flüchtlingsbetreuung für Jugendliche arbeitet – vielleicht will sie sie gar nicht erzählen. Und das ist das Drama. Die Menschen, die helfen, haben keine Energie mehr, im Netz über ihre Erfahrung zu sprechen, während die Demagogen ununterbrochen schreiben.

fluchtpass2.jpg

Und jene der CSU machen ihrem Namen alle Ehre, sie verteidigen den deutschen Michel auf dem bayerischen Land. Grenzen schließen, Familiennachzug begrenzen oder besser noch: verhindern, komplett! In den Aufnahmelagern drehen die Jugendlichen durch, wenn über die Telefone die Nachricht kommt, dass ihre Mutter erschossen, der Vater in die Luft gesprengt oder der kleine Bruder zur Armee eingezogen wurde. Aber wo, frage ich sie, sollen die ganzen Flüchtlinge denn hin!? Doch bitte nicht unter die malerischen Zwiebeltürme der bayerischen Dorfkirchen! Das sind ja nicht einmal Christen!

Alle schauen sich hilflos um
und wissen nicht warum
und in welchen Löchern die Ratten lagen
die hier marschieren und losschlagen
doch sie lagen nicht in Löchern rum
oft sahn wir sie auf der Straße gehn
und sie grüßten dich mit gestrecktem Arm
Du hast eínfach weggesehn

So sind wir, der kleine Staat in der Mitte Europas, dem es wirtschaftlich so gut geht, weil er seine Waffen in Krisenregionen exportiert. Wir wundern uns, warum wir das Ziel der Flüchtlingsströme sind und haben Angst um unseren Besitz. So haben wir es eben gelernt: Wir, das sind die besseren.
Der deutsche Michel ist ein Einzelkind.

Wisst ihr noch, wie besonnen der Norwegische Ministerpräsident nach den Anschlägen auf Utøya reagiert hat? Ich habe große Sorge vor der Reaktion Mitteleuropas in den kommenden Tagen.

t: Slime – Schweineherbst

Vielleicht warst du niemals gemeint

Es gibt zahlreiche Gründe zu Bloggen, wie es zahlreiche Gründe gibt, sich vegetarisch oder vegan zu ernähren. Ich weiß nicht einmal, ob ich meine Gründe alle benennen könnte, würdest Du mich fragen.

Ich schreibe um zu vergessen.
Nur manchmal lese ich rückwärts und merke, dass mit ein paar Jahren Abstand viele Beiträge noch funktionieren. Die ganze »kryptische Scheiße« (But Alive) klingt nach langer Zeit wie Poesie.

Wenn ich auf den Knopf zum Veröffentlichen drücke, lade ich meine Gedanken ins Netz, konsequent, Braindump. Manchmal nicht ausformuliert, manchmal nicht zu Ende gedacht und nie mit strategischem Hintergrund. Ich bin nicht hier, um Kriege zu führen. Die Gedanken? Hauptsache weg. Wenn jemand mit mir über einen aktuellen Text reden möchte – vielleicht über meine Gründe, vielleicht über die Intension – dann bin ich in der Hälfte der Fälle genervt. Fire & Forget. Es steht hier, damit ich es los bin. Natürlich ist es verbunden mit meinem Namen, für alle sichtbar, und manchmal glaubt jemand, ich sei Rechenschaft schuldig. Vielleicht ist das nicht immer klug.

Thürigen

Selten trete ich wem auf den Schlips (ich bemühe mich jedenfalls darum). Einmal sagte mir ein Kollege an der Kaffeemaschine, er sei sauer, weil er sich im Blog falsch dargestellt fühle. Er war gar nicht dargestellt, er war nur der Ausgangspunkt der Entwicklung eines überspitzten Charakters. Er hat einen seiner Sätze erkannt, die zwei Tage zuvor fielen. Der Beißreflex war dann schneller als das Ende des Beitrags. Manchmal liest man das, was man will.

Beruhigt euch.

Gehe nicht auf alten Spuren
Beweine nicht was längst beweint
Lecke nicht die alten Wunden
Vielleicht warst du niemals gemeint

Peryton: Geh zu ihr/Überall

Erzengel Rapha

Vor genau zwei Wochen stand ich im Olympiapark mit zwei Freunden am Rande der Strecke und feuerte Cyclocross-Fahrer an. Einige Fotos habe ich bereits in der Galerie auf dieser Webseite veröffentlicht.

Am Rand der Strecke

Heute habe ich drüben im Radblog ein wenig darüber erzählt, wie dieser Samstag gewesen ist.

Die Kurzfassung davon lautet: Der Tag war toll, eBay ist furchtbar und ich bin jetzt pleite. Nächstes Jahr kann ich vielleicht/möglicherweise/umhimmelswillen aus einer anderen Perspektive berichten.

Wir müssen reden. Ich habe jemanden kennengelernt. [Update]

Als ich damals an der Universität gearbeitet und einen Großteil meiner Zeit in Forschungsprojekten verbracht habe, kam ich auch hin und wieder mit Arbeitsgruppen aus unterschiedlichen Instituten meines jetzigen Arbeitgebers in Kontakt. Ich wusste damals nicht, wie Institute der Fraunhofer-Gesellschaft funktionieren, ich habe nur als Resultat gesehen, dass wir als Universität nicht nur den Projektbeteiligten aus Unternehmen stets nachlaufen mussten (öffentlich geförderte Forschungsvorhaben besitzen in Firmen manchmal eine sehr geringe Priorität), sondern zeitweise auch den Fraunhofer-Kollegen. Warum das so war, habe ich damals nicht verstanden. Immerhin werben Fraunhofer-Institute doch auch damit, Forschungseinrichtungen zu sein.

Was ich selbst immer furchtbar fand und noch immer finde, ist die oft erfolglose Suche nach Informationen über eine Unternehmen im Vorfeld einer Bewerbung. Das war damals so, als Ernst & Young meine Gehaltsvorstellung wissen wollte und ich nicht herausgefunden habe, was man als Berufseinsteiger in der Branche verdient (es sind so knapp 50.000 Euro/Jahr). Wenn jemand mit dem Gedanken spielt, sich bei Fraunhofer zu bewerben und nicht genau weiß, was auf ihn zukommt: Ich kann nicht für jedes Institut sprechen, ich kann nur für die Insel der Glückseligkeit reden, auf der ich etwas länger als vier Jahre beschäftigt gewesen sein werde. Etwa ein Jahr nachdem ich bei AISEC angefangen habe, hat mich die Computerwoche gefragt, warum mir der Job, den ich dort mache, Spaß macht. Ich habe damals ein bisschen davon erzählt.
Falls jemand über die Suchbegriffe »Bewerbung« und »Fraunhofer« auf diese Seite kommt, kann ich vielleicht in diesem Text die ein oder andere Frage beantworten. Es würde mich freuen.

Drei Jahre nach dem Interview hat sich meine Sicht darauf nicht grundlegend verändert. Damals war es so, dass ich mir nach meiner Zeit an der Uni nicht vorstellen konnte, weiter in Academia zu arbeiten. Ich war dann kurz bei Ernst & Young, habe aber nach wenigen Wochen gemerkt, dass wir uns auseinander gelebt haben (manchmal geht so etwas schnell). Dann habe ich kurzfristig bei Fraunhofer AISEC hier in München angefangen. Aber ist es nicht so, dass Fraunhofer-Institute nicht Forschungseinrichtungen sind?

Nie wieder Forschung!

Nun.

Als Institut nehmen wir an sehr vielen öffentlich geförderten nationalen und internationalen Forschungsvorhaben teil. Diese Projekte sind wichtig, da bei Fraunhofer einige meiner Kollegen eine Promotion anstreben. Für die Durchführung von Forschungsarbeiten werden (zumindest in unserem Bereich IT-Security) Forschungsprojekte benötigt. Im Gegensatz zur Universität, an der ich etliche Zeit hatte, die ich in Forschungsprojekte investieren konnte, ist diese Zeit bei Fraunhofer knapper.

Viel Zeit verbringt man mit der Durchführung von Industrieprojekten. Diese sind für Fraunhofer insofern interessanter, als dass »Industriegeld« das bessere Geld ist, da Institute gewisse Kennzahlen erfüllen müssen: Etwa 30% der Institutseinnahmen müssen aus Industrieprojekten kommen. Dabei stehen IT(-Security)-Institute vor der Herausforderung, dass niemand für IT-Sicherheit bezahlen möchte, denn der Nutzen ist erst einmal nicht direkt messbar (diese Problematik wurde im aktuellen Choasradio auch kurz angeschnitten). Auf die Akquise und die Durchführung von Industrieprojekten wird also sehr viel Wert gelegt. Den Inhalt dieser Projekte machen jedoch – im Hinblick auf angestrebte Dissertationen – selten spannende Fragen aus, sondern in unserem Bereich Code-Audits, Schwachstellensuche, die Erarbeitung von Konzepten und das Verfassen von Gutachten.

Giving a talk in Berlin

Das alles hat für eine gewisse Zeit seinen Reiz, bringt aber die Dissertation nicht voran. Daher sind sowohl die Vorgesetzten als auch die betroffenen Kollegen interessiert daran, einen Teil der Arbeitszeit explizit für Forschungsprojekte frei zu halten. Manchmal gelingt das, in Phasen, in denen viele Industrieprojekte oder Deadlines anstehen oder in denen ein oder mehrere Kollegen das Institut verlassen, gelingt das eher nicht. In diesen müssen Universitäten dann uns Fraunhofer-Mitarbeitern hinterherrennen, da Forschungsprojekte (nicht persönlich sondern aus Institutssicht) nicht mehr so wichtig sind. Diese Position zwischen den Stühlen hat noch eine weitere perfide Auswirkung: Entwicklungen in den Instituten haben manchmal nicht die Innovationshöhe, die Entwicklungen von Uni-Mitarbeitern haben, die sich Vollzeit einem Thema widmen können. Das sind zwei der Gründe, warum Fraunhofer bei Universitäten einen eher durchwachsenen Ruf genießt (jedenfalls in meiner Wahrnehmung).

Von der anderen Seite gesehen ist Fraunhofer deutlich näher an der Forschung als viele Unternehmen. Gleichzeitig existiert eine gewisse Routine bei der Durchführung von Projekten zu bestimmten Themen. Auch wenn der Großteil der Mitarbeiter, die in Industrieprojekten eingesetzt werden, nur eine gewisse Zeit in Fraunhofer-Instituten arbeitet, gibt es gerade auf Ebene der Gruppen- und Bereichsleiter langjährige Mitarbeiter, die DOs und DONTs kennen sollten. Die Rekrutierung von Fraunhofer-Kollegen durch Unternehmen ist normal. Gleich anderen Unternehmensberatungen (eine Rolle, die Fraunhofer in gewisser Weise spielt) kommt man als Mitarbeiter mit sehr vielen Unternehmen in Kontakt, deren Türen für den persönlichen nächsten Schritt offen stehen, wenn man gut ist. Ich habe sehr oft ehemalige Fraunhofer-Mitarbeiter in großen Unternehmen getroffen, über die schließlich auch Projekte beauftragt werden.

Braun Uhr

Ich selbst habe die mehr als vier Jahre an unserem Institut genossen, allein schon wegen der Kollegen und unserer Institutsleitung. Ich bin froh, das ausprobiert zu haben; viele Projekte fand ich sehr positiv, weil die Auftraggeber offen waren und unterstützend: Das war selten ein Gegeneinander, viel häufiger zog man gemeinsam an einem Strang. Doch während der vier Jahre wurde mir auch klar, dass ein Job in dieser Branche paranoid machen kann oder wahnsinnig. Wahnsinnig in der Form, dass man immer wieder Details findet, die einen fragen lassen, warum sich die Welt überhaupt bitte noch dreht.  Paranoid, weil es im Kollegenkreis den ein oder anderen gibt, der alles Neue ablehnt und Angst hat vor allem. So möchte ich niemals werden.

Im oben erwähnten Chaosradio sagte Frank, dass das Bedürfnis, irgendetwas mit Orchideen oder Holz zu machen, nirgends so verbreitet ist, wie im Bereich der IT-Security. Diesen Schluss und daraus die Konsequenzen habe ich nun gezogen.

Auf einer Konferenz in Berlin

Nichts mit Orchideen werde ich machen und nichts mit Holz, aber auch nichts mehr mit IT-Sicherheit.
In Academia werde ich bleiben.

Nachtrag am Sonntag: Dieser Beitrag spiegelt hoffentlich meine generelle Tendenz bezüglich Fraunhofer als Arbeitgeber wider: Den Arbeitsvertrag würde ich genau wie vor vier Jahren wieder unterschreiben. Neben den oben erwähnten Spannungsfeldern bietet Fraunhofer das, was man gemeinhin anderen Unternehmensberatungen nachsagt: Einblick in viele unterschiedliche Firmen und eine Vielzahl unterschiedlicher Projekte. Natürlich setzt man irgendwann selbst seinen Schwerpunkt auf etwas, das einen interessiert. Manche Kollegen kümmern sich seit Jahren um die Sicherheit von Smartphones, andere schreiben Betriebssysteme oder bauen Hardware. So lange Industrieprojekte in diesen Bereichen anstehen, kann man sich selbst die Nische suchen, in der man sich austoben möchte. Wenn es jedoch keine Projekte im eigenen Schwerpunkt gibt, muss man natürlich in anderen Projekten und Bereichen aushelfen: das erweitert das eigene Wissen sehr, weil man auch mit Fragestellungen in Kontakt kommt, um die man sich sonst aus freien Stücken wahrscheinlich nie kümmern würde. In genau dieser Situation befand ich mich in den letzten Jahren. Nun möchte ich wieder zurück zum Cloud Computing und zu verteilten Systemen. Allein das ist der Grund, warum meine Zeit bei Fraunhofer endet.

Alle Deine Worte

Wenn Du neben mir liegst
und im Schlaf murmelst
»Ba Ba Di«
manchmal schreist, weinst
und mich aus aufgerissenen Augen anstarrst
die zufallen, sobald Du mich siehst
hätte ich Zeit
hier zu schreiben.

Aber diese Zeitfenster sind selten, und sie sind sehr begehrt; alles konkurriert um diese Zeit: Meine Liste an Briefen, die ich schreiben möchte, ist lang, zwischendurch muss ich eMails beantworten, ein Fahrrad putzen und generell aufräumen – jeden der Räume, den Du betrittst.

Hier ist es zur Zeit etwas ruhig, doch sicherlich ändert sich das irgendwann.

Bleibt bitte.
Ich habe noch etwas zu erzählen.
Ich habe am Freitag gekündigt.

Chiemsee

g*

Ein Lebenszeichen, weißt Du, das wäre schön.

Seifenblasen

Ich denke oft zurück und ich vermisse die Stadt bestimmt auch wegen Dir.
Ich weiß wohl: Alles ist näher als hier. 

Flora Mate

»G« möchte ich sagen und Dich umarmen.
Letztes Jahr in Hamburg war’s schön.

Der Schatten des Kindes

Ein Lebenszeichen, weißt Du, das wäre schön.
Zu viel verlangt, sagst Du? Mag sein.
Aber morgen oder so rufe ich an.

D-Zug

Wie lange ist das her, dass ich durch die Felder gefahren bin dort unten am See, dass wir uns in der alten Klosterschänke bei Käseknödeln den Magen vollgeschlagen haben und dass wir bis zu den Knien im alten Moorsee standen, die Räder im Rücken und die Sonne im Gesicht?
Ich habe das Foto noch im Kopf, wenn ich an diese Zeit denke.

Regenbogen

Am letzten Wochenende waren wir wieder dort unten, das erste Mal seit langen und mit mehr als dreißig Kilogramm Gepäck. Die Durchschnittsgeschwindigkeit hat nichts mit der Geschwindigkeit von damals zu tun, aber die Sonne ist wieder da, das warme Wetter, und die Käseknödel schmecken wieder phantastisch. Im Fernsehen fahren sie über die Alpen, das hole ich im nächsten Jahr nach. Doch auch dort unten riechen die Felder nach Freiheit, wenn man lange nicht in der Region gewesen ist.

D-Zug

Eine schöne Abwechslung war das und ein lohnenswerter Blick jenseits der Grenzen meiner Oberschenkel. Aber das Wimmern lässt nach und ich höre die Stimmen schon rufen; »nochmal« erkenne ich deutlich.

Bulli

Wam Kats 24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung

Die Nacht war wirr und kurz, gegenüber flimmert die Fassade des Museums bereits in der Hitze und ich genieße den letzten Schatten auf dem Südbalkon, den Dinkelkaffee und die aufgestauten und gesammelten Artikel, die ich mir zum Lesen aufbewahrt habe. Das wunderschöne Mädchen ist zu einem See geradelt, das Haus liegt wieder still und ich bin müde von der Stunde auf dem alten Nordfriedhof, die wir mit den Füßen im nassen Gras verbrachten.

Museumsfassade

Genau so, denke ich mir, kann es jeden Tag sein. Sogar das frühe Aufstehen macht mir von Tag zu Tag weniger aus; die Stadt gefällt mir besser, wenn sie noch schläft. Allein im Grünen, das war auch jener Traum, den ich hatte, als ich das erste Mal nach Helgoland fuhr. Damals schon hatte ich das Kochbuch. Ich wollte jeden Tag kochen und im Oberland zwischen den Bombenkratern essen. Mein Appartement lag direkt am Kai und hinten bei der Jugendherberge führte eine Treppe die Felsen hinauf aufs Plateau. Ich hatte jedoch vergessen, wie Helgoland mit Lebensmitteln versorgt wird: Angebaut wird nichts, die wenigen Beete in der Schrebergartenkolonie dienen der Selbstversorgung. Das Regal der Bio-Waren im Insel-Edeka ist 60 cm breit und nur unwesentlich höher.

24 Rezepte zur kulinarischen Weltverbesserung

So fuhr das Buch unbenutzt wieder nach Haus. Bis gestern habe ich kein Gericht aus diesem Buch gekocht, es nur zweimal gelesen. Weil es neben den Rezepten autobiographische Geschichten enthält, die das jeweilige Essen in Bezug setzen zu der Situation, in der es entstand. Gestern gab es ,,Woodstock’’ – Chili sin Carne. Und falls ich heute Lust bekomme, Küche und Hände rot zu färben, bereite ich den ,,Rainbow“-Salat.
Die Zutaten habe ich hier.

Woodstock

Während ich mich langsam daran gewöhne, häufig zu kochen, weht ein bisschen Liebe durch die verwinkelten Gassen von Blockwartsdorf. Wir könnten mehr davon gebrauchen.

Blockwart