Freundschaft


Machmal frage ich mich, wie das wäre
wäre es anders (?)

Career

  • Du sagst, du willst tanzen und ich »Entschuldigung, ich habe nur diese Musik«.
    Dann lachst du.
  • Während wir liegen und durch das Dachfenster in den schreienden Himmel blicken, erzählst du, das finge jetzt an und wie man so anders sein kann.
    Dann lachst du.
  • Obwohl ich Busfahren hasse, liebe ich es im Regen. »Es gibt diese Musik, die mich melancholisch sein lässt«; »Es hat angefangen irgendwann im September«. Ich habe eine Ahnung von dem, was du erzählst, was ihr mir erzählt, die mir wichtig sind.
    Und ihr schweigt.
    Dann lachst du.

f: FOUND Magazine

Nihilismus

Wir treten mit den Füßen einen alten Rhythmus in den Sand.
Es regnet, es ist kalt.

Irgendwer singt irgendwas in laut und deutsch von lieben und verliern.
Es ist kalt, es regnet in Berlin.

Wir schauen uns einander an und blicken leer.
Wir sehen in den Fluss und denken ans Meer.

Und an dich.

– f: FOUND magazine

Mit dem Rücken zu mir: ihr.
Gehend aufs Eis dieses Sees, auf den ich blicke, euch nach, das Felsmassiv am anderen Ufer an,
doch vor allem: Euch nach.

Als du dich umdrehst - ich weiß nicht warum - lächle ich bereits, glücklich allein, euch nach,
doch vor allem: Dir nach.

Am Fuße der Felsen, die ich lange nicht sah,
auf der zugefrorenen Bucht schwarze Punkte, vielleicht ihr, ganz sicher egal.
Vom Kaffeehaus (lesend) schau ich euch an
umringt von Menschen (essend und trinkend), die ich kaum verstehen kann.

Ein Hund nüstert draußen in den staubigen Schnee,
ich sitze drin bei Kaffee und Tee
und habe, wenn man mich fragt, was ich macht’ sagend
»Glücklich den Urlaub verbracht«.

Zwischen uns etliche Jahre und genau so wie’s ist, so ist es gut.
Ein langer Weg war es bis zu diesem Satz,
der Monate in Anspruch genommen hat.

Wir wissen die Komplimente zu deuten, die man sich morgens zu Tagesbeginn macht,
wir wissen (uns manchmal umarmend sagend), dass man sich noch eine Ewigkeit hat.

Wie Raupen die Straßen planieren Hamburger Lieder die Welt:

»Endlich einmal etwas, das länger als vier Jahre hält.«

Ich wollte mir heut etwas wünschen,
doch die Wimper flog einfach nicht weg.
Jetzt frage ich mich an dich denkend
war das nun Glück oder Pech?

Ich hatte nie in meinem Leben
eine größere Muse als dich.
Jetzt frage ich mich an dich denkend
war das nun Glück oder Pech?

Wir haben tatsächlich geschrien. Doch nein, wir hätten schreien sollen, uns die Seele aus dem Leib und gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Jeder andere hätte wohl gefragt »Warum?«, dass ich diese Frage nicht auf den Lippen und über die Lippen gebracht hatte, überrascht mich selbst. Ich sage stattdessen »Viel Glück« und meine es zum ersten Mal in meinem Leben ernst.

television

Weißt du noch als ich dir erzählte, wie sich das anfühlt, wenn man sein Auto verkauft, wenn man sich von seinem Mitbewohner trennt, wenn man die alte Wohnung und einen großen Teil des alten Lebens hinter sich lässt?
Es ist wieder dieses Gefühl. Eine Niederlage befreit. Doch: Ist es eine Niederlage oder tatsächlich ein Sieg?
Denn es ist ein gutes Gefühl zu sagen, wir kennen uns noch in zehn Jahren.

Als mir die alte Freundin gestern sagte, man würde immer hoffen, dass man der einzige für jemanden sei, habe ich ihr noch beigepflichtet als sie schloss mit den Worten »Eine dämliche, grundfalsche Annahme«.

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr

– Georg Danzer - Die Freiheit

Die Mitbewohnerin schenkt mir eine Hose jener Art, die ich seit Monaten liebe. Die anderen lachen, freuen sich gemeinsam über den vorangegangenen Abend, jetzt, wo man Zeit findet, sich darüber auszutauschen. Der Wert dieser Wohnung ist unermesslich, wir sind glücklich, ich lege die Platte auf während sie fragen

»Ist er es?«.

Er war da.

Ob sie das auch kennen, einen Menschen, der den Tag herumreißt, herausreißt? Der anruft und sagt »Ich brauche dringend Kaffee« und »Wisch’ dir gefälligst die Nacht aus dem Gesicht, in fünf Minuten werde ich da sein!« Als er geht, läuft eine CD, bei der ich den regnenden Wolken ins Gesicht lache und frage, was sie denn wollen.

Träume von Freiheit, ich beneide und habe eine Ahnung, wie sich das anfühlt, hatte die Ahnung schon am Morgen um neun, als der Regen auf den Dachpfannen platzt und gegen die Dachfenster schlägt. Ohne zu wissen wo er schläft, schließe ich die Augen mit dem Geräusch im Ohr, das er jetzt hören muss.

Sie klingelt mich aus dem Schlaf, bestenfalls drei Minuten, die enden mit

»Wir schreien morgen.«

Dass Briefe wieder wichtig werden, merkt man, wenn man sie vor dem Versenden noch einmal Korrektur liest.

Wenn man im Jazz-Keller sitzt, zum erste Mal in den mittlerweile sieben Jahren, neben Einem, dem es so gehen muss wie dem Protagonisten deiner Texte, wenn dich der Jazz gedanklich in Großstädte trägt und dein Nebenan fragt, warum man sich ausgerechnet hier trifft,

wenn später der Nachtregen auf das Dachfenster trommelt über dem Bett,
die Musik das Gefühl von der einsamen Freiheit nicht mitnehmen konnte (wohin auch immer sie ging),
dir beim Lidschlag Personen im Dunkeln erscheinen,

dann sollte man Briefe an diese
noch einmal lesen
zum Schluss.

Deine Gedanken faszinieren mich, deine Ansichten und dein entspannter Umgang mit »dem da draußen«. Dein Optimismus, wenn du sagst, die Welt habe keine andere Wahl als gut zu werden.

spelled backwards

Ich beneide dich manchmal um deine Wochenenden, jetzt auch um deinen Mittwoch. Stuck in Time singen Magdalena aus dem Radiogerät. Sich selbst zu bemitleiden ist einfacher als sich aufzuzwängen
- dieses Gefühl schwingt mit und beschreibt, wie ich mich fühle.
Auch dort, nicht nur hier.

Jeder deiner Satz klingt okay, nur wenn ihn jemand anders sagt, tut es weh.

– Foto: FOUND Magazine

Ich sitze im Bus und lese mit,
nicht weil ich will, sondern weil ich muss.

Morgen steht vor der Tür, vor dem ich einen Monat zuvor noch Angst hatte, für den ich mir übermorgen Zeit nehme. Zu Hause, was kann schon passieren? Und diesen Preis - das weißt du - bin ich bereit zu zahlen: Dann tut’s eben weh, mit dir zu sein.

Mir wird in letzter Zeit immer schlecht
beim Busfahren.

Das erste mal seit über zwei Monaten suche ich mir Bekleidung aus dem Kleiderschrank wieder nach Katzenhaarkompatibilität zusammen. In ziemlich genau vier Stunden stehe ich ihm gegenüber und werde extrem empfangen; totale Abneigung gegen abgöttische Freude.
Wie würde ich an seiner Stelle reagieren? Weggegeben, abgeschoben, umgezogen, wie hat er unsere Trennung im Gedächtnis?

Ich trage vergessenes Spielzeug nach, nehme auf den Arm, drücke, sage »siehst du?«.
Und habe das Gefühl
beim Selbstgespräch erwischt.

Ich denke an dich.

Alex sagte "Messermongo"

Ich fühle mich, als hätte ich den ganzen Tag geweint.

Es ist das körperliche Gefühl der Ausgelaugtheit. Gestern erst habe ich gedacht, dass Weinen befreiend wirkt. Und gemerkt, dass ich es lang nicht mehr kann.

Vielleicht liegt es an fehlenden Gründen oder der Einwattiertheit jener Tage.
Vorher saßen wir zusammen und haben über Leben geredet, andere Worte mit L und Ziele in fünfhundert Tagen. Irgendwann hat er gesagt, man sähe an meinen Augen, dass ich begann zu beenden. Und ich habe gedacht, damit hat es sicher zu tun.

Denn heute war’s schön.
Und ich fühle mich, als hätte ich den ganzen Tag geweint.

Gleiten durch diesige Landschaften, man muss schon raten, dass die Sonne keinen Zug nach Amsterdam genommen und der Welt den Rücken gekehrt hat. An der Scheibe hinterlässt der Regen Tränen, die sofort wieder trocknen. Die Welt weint, während du glücklich bist unterwegs in die Hauptstadt, manchmal glaubst du dich als einzigen mit dem Wissen, dass die Sonne nie untergeht und stets irgendwo scheint. Das mag in Amsterdam sein, denkst du und lauschst jener Hamburger Band, die du lange aus den Augen verloren hattest.

Deshalb komm’ ich Dich besuchen
Ich mach’ es nicht freiwillig
Aber ich komm’ Dich besuchen
Ich komm’ dich besuchen
Ich komm’ dich besuchen
Auf jeden Fall werd’ ich’s versuchen

– Tocotronic - Hauptsache ist

Immer wenn Kante von Berlin singen, bekommst du Fernweh nach Hamburg.
Du hast nie mit dem Gedanken gespielt und du weißt, dass auch Berlin nur für eine Nacht ist. Du weiterreisen wirst, weil die Sonne irgendwo anders aus dem Zug steigt.
So lange fährst du dem Regen hinterher.

Mit dem Zug durch die Landschaft, draußen dreißig Grad und Sonne, drinnen die schwitzende Masse, die mit offenen Mündern schläft.
In einer Woche wird die Stadt leer sein, wie die Stadt vor Jahren leer war, an die du dich kaum erinnern kannst. Vielleicht der Grund, warum du nicht in Verzweiflung versinkst.

Während die Ähren im wohlwollenden Licht wiegen, erinnerst du dich an eine Zeit, in der es dir schlechter ging, als die alte Band sang.

Soll sie doch sagen, dass die Köhlbrandbrücke wenig romantisch ist. Du wirst es ihr schon beweisen, denkst du und siehst euch in einem alten Bus nachts Richtung Stadt.
Vielleicht auf dem Weg vom alten zu Hause zu ihrem neuen. Im Radio die alte Band, die schon sang, als es dir schlechter ging, während sie ausschließlich Dinge sagt, die dir gefallen.

Du wirst es ihr schon beweisen, denkst du
und zeigst mit der Hand auf den Hafen.

Während du den Selbstbezug deiner Mails beklagst
ich weide mich gern in deinen Worten, die von dir erzählen.


Ja, es hat mir bergauf und bergab zu tun.
Das Metronom ist verstummt.

Du erzählst Märchen von Königen und Mauern. Ich schreibe den Satz den ich liebe und meine ,,da draußen” ist immer hinter der anderen Wand.
Du sagst stets traurige Lieder und «sie sind voller Hoffnung.»

Ich glaube
ich werde

betrunken sein
wenn

wir uns das letzte mal sehen.

Ich weigere mich einzuschlafen,
flüchte hinter die Stadtmauer,
beobachte Spatzen, die Turmfalken prügeln.
Geschrei bricht durch den Sonntag,
das Geschrei der Touristen über dem Kopf,
die diesen Platz niemals kennen.

«Erwarte nicht zuviel» flüstern mir beide in meine Ohren, «im Nichterwarten bin ich schlecht» entgegne ich und probiere die Medizin, die sie mir reichen. Auf der halbleeren Flasche steht Zufriedenheit auf einem fettigen Etikett, in der Sonne erkennt man Buchstaben, die dankbar ergeben.
Jeder Schluck rinnt brennend den Gaumen hinab. Sie sagen, der Hals sei das empfindsamste Körperteil; immer wenn ich dich erwische, sanft doch bestimmt und für zwei Sekunden hoffe, ich könne dich halten ohne dich reißen,
denk ich daran.

Was nie funktioniert, allem stets widerspricht.

Nach jedem Schluck aus der Flasche erkenne ich, bevor es wieder verschwimmt.
Schmeckt bitter - ist also wirksam - während das Narbengewebe unter der Haut langsam Gestalt jenes Wortes bekommt.

«Geh nach Hause» sagt er und
«Nimm einen Schluck.»

Ich habe den Fleck deiner Augen wie einen Orden nach Hause getragen.

Das Kissen schnufft noch gut nach dir.
– Boxhamsters

Ich verstehe nicht alles, bin aber bereit, dir alles zu glauben.

Jede Menge Kummer, einen ganzen Güterzug.
– Fink

Ich lese alte Texte.
Ich denke alte Sätze.
Ich denke mir Fragen aus, deren Antwort du kennst.

Jetzt geht wieder alles von vorne los.
– Tocotronic

Doch irgendwann zwinkern wir uns wissend zu.

Als wir wiederum nicht wussten
was zu tun, wohin sich wenden
liefen wir stundenlang umher
auf den Alleen
und am Ende kamen wir zu einem Park
an dessen Tor zwei Sphinxen wachten
So verbrachten wir die Zeit
mit dem Gefühl von leichtem Schwindel

– Tocotronic

Ich schaue in ihre Augen, wenn wir uns treffen. Wir treffen uns selten, sie können mich nicht ertragen. Irgendwo spielt eine Gitarre und die Assoziationen verrückt. Weißt du noch, damals am Lagerfeuer? Das ist das einzige, was ich in positiver Erinnerung habe. Es hat nicht gereicht, um zu halten.
So liegen wir auf den alten Dielen.

Ich glaube, ich habe
deinen Satz endlich verstanden
den du sagtest
in einem der schönsten Momente der Welt.

«Nächte sind zum Schlafen da» sagen sie. Du lachst wissend, keine Nacht durchgeschlafen in den letzten Tagen, aber du hattest schlechteren Schlaf. Auch wenn das Zimmer - wieder - verwühlt ist, hier hältst du es aus. Und sitzt auf den Kisten, den großen Kopfhörer auf den Ohren. Wegen des Anrufs aus Köln «Legst du auf?».

Der Kopfmensch sagt: «Sei streng zu dir.»
Der Gefühlsmensch bleibt einfach liegen. Und denkt sich, dass alles irgendwie wird.
Sätze wie dieser stammen von Menschen wie dir.

Alles wird immer
irgendwie gut.

Er sagt, dass Schwäne sich nur einmal im Leben verlieben.

Ich denke: Interessant. Unsinn. Sagen Wissenschaftler, wie? Den Schwänen Liebe unterstellen, oder wie haben sie das herausgefunden? Bekommen den Begriff für sich selbst nicht definiert, bei Schwänen aber kein Problem und natürlich sofort erkennbar: Einmal im Leben.
Gehen nach Hause, laufen ihren Partnern nach und wenn sie keine Lust haben, sagen diese «Wir haben uns kaum vor lauter Arbeit» und dann laufen sie doch. Wie Schwäne, die sich in einen Plastikschwan verlieben und Jahre kuscheln. Weil sie sich nur einmal verlieben. Dann nie wieder.
Ich denke: Dann geht des den Schwänen also besser als mir, der sich vielleicht niemals verliebt. Oder gleich mehrmals. Aber wahrscheinlich tun Schwäne das auch und eigentlich ist das egal, denn dass du da bist, ist alles was zählt. Ich weiß, wir werden uns nicht ewig haben. Das hat noch nie funktioniert. Vielleicht verstehen Schwäne mit den Momenten des Glücks besser umzugehen.

Ich sage: Ein bisschen neidisch bin ich schon.

Ein Vormittag nach deinem Geschmack, mit den Noch-Nachbarn und einem Freund im Café, irgendwie den letzten Abend ausklingen lassen. Jetzt knistert das Vinyl im Hintergrund, du richtest in Gedanken deine neue Wohnung ein und kannst dieses dich beschleichende Gefühl der letzten Tage nicht ignorieren, dass sich etwas geändert hat.

Leute, von denen du dachtest, das passt uneingeschränkt, zeigen dich störende Seiten. Dich freute, euch zu sehen. Aber eigentlich hättet ihr euch gestern Abend alleine gereicht. Und dieses eine Mädchen. Die anderen siehst du später, im dreckigen Staub des alten Platzes auf diesem Konzert, das für dich so wichtig ist, doch du kannst dieses dich beschleichende Gefühl der letzten Tage nicht ignorieren, dass sich etwas ändert.

Da gibt es nicht viel. Entweder sie oder du haben sich verändert. Weil du glaubst, dass die da draußen Veränderungen überfordern, verortest du diese bei dir. Zum Beispiel letzte Woche in den Küchen dieser Stadt, in denen du dachtest, du gehörst nicht mehr dazu. Und dann war da eine, mit der klappt das noch immer. Das sind die, für die es sich lohnt. Doch du kannst dieses dich beschleichende Gefühl der letzten Tage nicht ignorieren, dass sich etwas ändern wird.

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