Freunde


Als ich mich schwitzend wälze im Hotelzimmer in dieser Stadt schräg gegenüber jenes Gebäudes, in dem heute nacht wieder Menschen sterben, donnert ein viel zu Junger durch die Nacht, so dass es mich aus dem Schlaf reißt. Wieder.

So waren wir unterwegs in dieser Stadt, in der ich die ein oder andere Nacht auf den Straßen verbrachte. Auf jene Busse wartend, die mich nach Oslo bringen, oder auf dich, wenn wir zum Kaffee verabredet waren.
Ich träume von dir, ohne dass du in dem Traum vorkommst. Und doch, hat er mit dir zu tun, und doch bist du da. Egal, wohin ich gehe, es ist beruhigend, deine Stimme bei mir zu wissen. Schon wieder.
Man erzählt mir, dass du mich anrufen wolltest.
Wir sehen uns später.
Bald.
Gleich.

Die Katze legt ihren Kopf zur Seite am Kopfende dieses Sofas und schaut gegen die Wand. Wir sind beide durch den Tag geschwommen, haben uns nicht viel zu erzählen, haben eben gelebt, sind nicht verhungert, haben die Welt mit eigenen Augen gesehen und suchen nun den ruhenden Punkt um zu entspannen.

Aufhören!

Und ich frage »Wie hälst du das aus?«
Zwölf Stunden Leben lassen altern wie vier ganze Jahre. Ich habe heute morgen Menschen weinen gesehen und mich ein bisschen geschämt, als ich das nicht konnte. Ich aß heute morgen zwei Brötchen, als andere nach Papiertüchern kramten. Hinter uns saßen unglückliche Menschen, als wir uns das letzte mal küssten. Du hast gewinkt und ich durch die Scheibe im verhangenen Himmel dein Lächeln erkannt.

Wir sind durch den Tag geschwommen im Fieberwahn
auf dieser Couch, auf der wir unsere Geschichten verschweigen.
Sie sagen von dir, du schaust nicht in Augen. Stolz wie du bist.

Und ich frage »Was sind denn schon bitte zwei Wochen?«
Die Antwort kennen wir beide.

Wieder singt der alte Freund Tinnitus sein immer gleiches Lied, »lange nicht gesehen!«
Im anderen Ohr hockt seit Tagen schon, was ich nicht ignorieren kann.

Thank you!

Du fragst, auf welcher Seite ich schliefe und warum ich mich wälze unruhig im Traum. Ich sage, dass dich wahrscheinlich nachts selten jemand so oft beobachten kann.

Und: »Nimms nicht persönlich, ich würde ja gern die Augen geschlossen halten, aber dann fangen die Konzerte wieder an, in denen die Geigen nicht stimmen.«

f: FOUND Magazine

Ich glaubte schlafen zu können bei der Musik der isländischen Band.
Ich glaubte mich im Bus nach Oslo, wenn ich die Augen schloss, diese Musik im Ohr, damals wie heute sind die Erinnerungen geweckt, der Geruch des Busses und der Geschmack der Ferne.
Ich schrieb eine SMS, dass ich bald komme
und »weißt du denn nicht, was dich erwartet?«

Im Bus nach Oslo

Die Wecker ticken einen sonores Geräusch, ich wäre gern bei dir in der Stadt.
Und ich habe gesagt, dass ich, käme ich wieder, flöge.
Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.
Und ich habe gesagt, ich sei verloren.
Und wie immer viel früher als ich
hast du gewusst
was ich meine.

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden,
sondern immer ein Kinofilm sein.

Als du mir dieses Buch empfahlst, dir vertraue ich blind, da war noch alles anders. War alles anders?
Gestern war es. War es gestern? Ich habe geschrieben, weil ich einiges besser machen möchte als vor ein paar Jahren. Weil kein Wort des Briefs gelogen ist. Und weil das alles zusammenhängt.
Weil ich dem eine Menge zu verdanken habe.

Liebe ist kein Liter Wasser, den man auf verschiedene Gläser verteilen muss.
(Ein Teil meines Lebens, den ich nicht überdenken werde.)

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden
und keine deutsche Produktion.

Karpatenhund - Stunts

»Wir sind unsterblich!«
Ich würde gern, doch von dem Kreis, in dem ich das zum allerletzten Mal rief, sind nur Ruinen übrig.
Weißt du noch, damals?

Der Unvernunft - oh ja - Tribut: »Wir sind unsterblich!«
Von dir weiß ich’s, du wirst mich schlagen mit dem falschen Bild, das ich mir mache.
Du sollst dir kein Bild machen - »halt’s Maul!« und poche auf den Übermut.

Ruinen liegen also auch hinter mir.
Und jetzt?
Das Ende vom Anfang ist nicht der Anfang vom Ende.

Du weißt, wie wichtig du mir bist.

Manchmal bedarf es den Freunden, die man selten, dann doch gerne sieht. Dem väterlichen Rat, bei dem ich schreie, bestimmte Worte nicht ertragend. Er fragte: »Habe ich dich fertig gemacht?«
Ich denke »Das mache ich selbst«.

Dass ich nicht die einzig sturmreif geschossene Burg auf den Gipfeln der Verzweiflung bin, war mir nicht bewusst. Dass ich nicht einmal eine Burg bin, daran habe ich gar nicht gedacht. Dass ich wen anderes mit Sperrfeuer an die Grenzen getrieben und staunend gewartet habe, dass er sich in den Kugelhagel wirft - auf die Idee bin ich erst recht nicht gekommen. Sie hat sich hinter einem Berg aus Angst versteckt, den ich bloß The Heights of Despair nannte.

Ich stehe wie jemand, der nicht fassen kann. Nein, ich zittere nicht.
Ich ahne und weißes , wer fast hinterm Horizont seht
- du scheinst mir selbst entfernt noch beeindruckend groß -

und sage
Verzeih

Heute morgen im Wald habe ich noch geträumt, wir sitzen, spielen und singen gemeinsam jenes Lied, was du wenige Stunden darauf als »ganz schön schief« aus unserer zukünftigen Set-Liste werfen wirst.

I thought you might like to read this

Heute morgen im Wald hörte ich der Berliner Band zu, bei jedem Schritt dachte ich, wie schade es sei, würden wir uns verlieren. Ich habe mich in der Vorstellung versucht, und ich habe es nicht geschafft.

Ich werde deine Augen nie vergessen, die mich an etwas erinnerten, das ich noch nicht kennen kann. Ich habe eine leise Ahnung und muss sie für mich behalten, ich habe eine leise Ahnung und kann sie noch nicht formulieren.

Ist das wieder so ne Phase
oder bleibt das jetzt für immer so stehen?
Werd ich jemals noch in diesem Lieben
wieder aufstehen, mich anziehen und auf die Straße gehen?

– Lassie Singers - Ist das wieder so ne Phase

Footstep

Wie Pappeln im Wind weichen wir einander aus, du mir, dem der Sturm im Rücken steht, und sagst: Intuition

Ich zeige meine Füße, deute auf den Zeh und versuche ein unschuldiges Lächeln, du schüttelst den Kopf und sagst: Siehst du

Was ich sehe, eine Ulme, was ich berühre, eine Brennnessel. Du sagst: Kein Wunder

Als ich erzähle, im Wippen, im Zeigen und im Berühren, antwortest du: Träum nicht zu viel

Was bleibt?

– Foto: Found Magazine

Es ist so einfach dich zu lieben,
ich brauch mir keine Mühe geben,
das ist, weil ich es bin
und du es bist

Tom Liwa - Mati

Schau der junge Mann dort drüben, der jünger aussieht als er ist,
der lacht und Notizen macht mit seinem Stift.
Über was er lacht, werd ich nie wissen,
doch ich ahne es am Blick, dass er jemanden vermisst.

Und wenn ihn seine Mutter fragt, ob er jemanden denn liebt,
dann wird er sagen »je nachdem, wie du es siehst,
hörst du die Musik denn nicht,
die ein Lächeln in mein Schweigen bricht?«

Der Tod stellte seine Sense in die Ecke und stieg auf den Mähdrescher.
Denn es war Krieg!

german-bash.org

Nichts erhellt den Raum, Kerzen anzünden haben wir vergessen, als wir die Lampen löschten. Weil uns alles zu hell war, weil man im Dunkel besser reden kann - das auch.
Hör mal, sagt sie. Und ich höre; was mich vor Monaten zermürbt hätte, finde ich heute gar nicht so schlimm. Ich sage ihr ein Liedzitat und dass sich mich noch lange hat.
Und weiß, wenn sich jetzt etwas ändert, dann zum Negativen. Tocotronic singen »Ich möchte irgendwas für dich sein«, ich stimme in den Chor mit ein.

Später rufe ich an, sie hört sich nicht gut an. Nein, sagt sie.
Nachdem sie aufgelegt hat, liege ich lange noch wach.

Und du fragst, warum ich Kampfsport betreibe?

Es ist ein Abschnitt eines langen Weges. Die Diskussion über das, was sie Feiern nennen, ist fruchtlos. Wird abgelehnt, gehasst und aus den Erfahrungen der letzten Wochen und Monate bestätigt: ist nichts.

Please, please!

Keinen Spaß konstatiert man, was nicht stimmt. Anders, wirft man ein, nicht so.

Man trifft aufeinander, zwei Gruppen, disjunkt. Menschen die man mag, schätzt, liebt, und mit denen man die Zeit nicht verbringen kann. Nicht dann.

So ignoriert man Fragen, wie man Spaß haben könne so ohne alles, um die Antwort wissend, die der andere nicht versteht. So ist man allein, fühlt sich einsam und weiß, es gibt wenige - aber es gibt sie - die erlauben

einander im
freien Fall
festzuhalten.

Sie spielen »I love you«, die Kommunardin dreht das Radio lauter. Keinen Ort, an dem ich lieber wäre, nicht bei den neuen Tonträgern zu Hause, nicht in deinem Bett.

Ich sehe deine Augen durchs Telefon lachen,
wie du weißt, dass ich lüge.

Promo Copy Cat

Auf »Entschuldigung« bekomme ich Mengenrabatt.
Der alte Mann, den jeder hier kennt, sagt wir haben Glück.
Den, der in seinen Büchern kokettiert, er wäre beinah immer hier, habe ich lange nicht gesehen.

Der alte Mann, den jeder hier kennt, und ich nicken uns zu;
Viel Glück sehe ich über den Rand des Pottes Kaffee.

Ich kann es brauchen

die Augen leuchten

und schlucke.

Ich frage mich, immer wenn ich deinen Namen lese und ein Foto von dir sehe, wo du gerade bist, was du wohl gerade so machst.

Crazy Psycho

Die Platte im Schrank verdanke ich dir, mit der ich begann, mich für elektronische Musik zu interessieren. Dass ich den Namen anschließend nie wieder gehört habe, liegt vielleicht am Landstrich, den man französischsprachige Schweiz nennt: Dort liegen Dinge begraben, die man später nie wieder sieht.
Und dieser Name - natürlich hattest du es leichter, als du sagtest, du kämest von dort - weckt eine Erinnerung, nicht die schlechteste, die lange zurückliegt.

In deinem gebrochenen Deutsch hast du dich verabschiedet
und ich sagte französisch: Bis bald.

Menschen schauen zu selten nach oben, Gewohnheitstiere wie sie sind, den Blick geheftet auf den Futternapf, das Bequemste findet sich immer in Augenhöhe.

Bekomme ich einen von ihnen zu Gesicht, streift mein Blick zuerst seine Hand; ich zähle die still die Ringe an seinen Fingern - jeder ist mir einer zuviel.

Ich schaue nach oben und seh’ sie von unten.
Ich zähle still meine Ringe unter den Augen.

995er Tief über Island
Und ich häng zu Hause
Fotos an die Wand

Wenn es mir gut geht, schreibe ich über Sonne, geht es mir schlecht, schreibe ich über Regen. Mich zieht es zum Wasser, ich liebe den Hafen, ich liebe die Bahnhöfe und ich liebe die Züge.

Draußen scheint die Sonne, drinnen singt eine Norwegerin ruhige Lieder, davor sitzt jemand und arbeitet. Es ist Freitag, ein Wochenende steht vor der Tür, auf das sich jemand sehr freut. Die Welt getaucht in harmonisches Licht, irgendwo draußen fährt irgendwo irgendjemand herum, dem diese Lieder gelten, dem diese Musik gilt, dem die Bilder im Kopf von jemandem gehören, der jemandem Post-Its an die Wände geklebt hat, die heute noch hängen, die in einhundert Jahren noch hängen.
In geschichtsschwangeren Häusern, in denen sie sich umarmten.

725 Stufen steig ich täglich
Beim Versuch zu vergessen
Scheitere ich kläglich

Sportfreunde Stiller - 995tief über Island

Das Letzte, was ich von dir sehe, ist deine Hand, die winkend hinter dem Fensterrahmen meines Zuges verschwindet. Ich weiß nicht, wann wir uns wiedersehen, ich weiß nicht wo. Draußen bilden vorbeifliegende Regentropfen Linien, scheinbar einem unsichtbaren Fluchtpunkt zusteuernd.

Als die kanadische Band ihre traurigen Lieder singt, stehe ich in Gedanken noch mit dir am Bahnhof. Dein Zug ist sicher gerade gekommen, auch du verlässt diese Stadt, scheinbar einem unsichtbaren Fluchtpunkt zusteuernd.

Wir treffen uns an dessen Ende,
irgendwo weit draußen
hinter meinem Horizont.
So lange denke ich an dich.
So lange vermisse ich dich.

Du warst da, ich konnte nicht bei dir sein. Wir standen Schulter an Schulter, du warst unendlich weit weg. Als hätte wer den Schalter umgelegt;
Ich konnte kaum mit den Menschen, die so wichtig für mich wären.

Und dann war der Abend vorbei
und der Morgen war da.
Auf der blauen Couch, viel zu kurz, wie die Nacht. Wir saßen zerstört
den Abend in den Knochen.
Wir haben den Kopf geschüttelt, die Gedanken zu ordnen.

Wir ziehen die Sonnenbrillen tiefer ins Gesicht;
Wir können besser denken, wenn es dunkel ist.

Bitte kaufe mir zwei Kartons Schmerztabletten,
erzähle mir dann von deinem restlichen Leben.

»Wie war’s eigentlich in Weimar« werde ich fragen und du wirst es mir sagen und dann werden wir abschweifen bald, denn nach einer Stunde ist jedes Thema alt. Vielleicht werden wir Bogen schlagen und irgendwann werde ich bestimmt wieder fragen »Du warst doch in Weimar, wie war es?« Und dann machst du dieses Gesicht und ich komme mir kurz vor wie erwischt.

Reasonable Fear

Vielleicht haben wir einmal - ich werde es hoffen - vertauschte Rollen und du schaust betroffen wenn du mich fragst, wie das damals nun war, mit der alten Kulturhauptstadt Europas, mit Weimar. Und ich werde sagen »Du kannst es dir denken, ich bin sozusagen ein Held des Verdrängens. Doch Erwischt! Ich war nie in Weimar, ich hab’s nur gebloggt. Darum schreib ichs auf. Denn habe ich jemals das hier vergessen, lies diese Geschichten, das musst du versprechen!«

(Foto via FOUND Magazine)

Next Page »