Cats


Auf der Treppe ein Pfeil. Ihm folgend die emaillierter Petrischale, ein Unterteller als Deckel. Es riecht und sieht aus wie Spinat. Bewegende Knoten suhlen sich tarngrün durch den Schlamm.

Madenalarm

Nächstes Mal, Katze, isst du bitte auf!

An meinen Füßen liegt die schwarze Katze, die ich mit Futter bestach.
Die wahrscheinlich nur dort liegt, weil ich sie mit Futter bestach.
Die mir genervt ins hustende Gesicht blickt
und sich abwendet mit dem ihr auf die Stirn geschriebenen Gedanken
»Bis zur nächsten Mahlzeit bleibe ich.«

Und natürlich bilde ich mir ein, dass sie das Schniefen und Röcheln genießt als regelmäßiges Geräusch. Sie meine Nähe sucht (wenigstens sie), weil sie gern bei mir ist. Selbst jetzt. Und zur Belohnung denke ich, dass es ihr, wenn ich wieder gesund bin, noch besser gefallen wird in Abwesenheit des Schniefens und Röchelns als regelmäßiges Geräusch.

Dass dieses Weib nur dort liegt, weil ich Herr bin über das beste Bio-Katzenfutter der Stadt,
daran denke ich nicht.

Das erste mal seit über zwei Monaten suche ich mir Bekleidung aus dem Kleiderschrank wieder nach Katzenhaarkompatibilität zusammen. In ziemlich genau vier Stunden stehe ich ihm gegenüber und werde extrem empfangen; totale Abneigung gegen abgöttische Freude.
Wie würde ich an seiner Stelle reagieren? Weggegeben, abgeschoben, umgezogen, wie hat er unsere Trennung im Gedächtnis?

Ich trage vergessenes Spielzeug nach, nehme auf den Arm, drücke, sage »siehst du?«.
Und habe das Gefühl
beim Selbstgespräch erwischt.

Ich denke an dich.

Als erster im Büro, was bei einem Zweier-Büro keine große Leistung ist. Man macht’s mir aber leicht in diesen Tagen. Der Ort, den ich vor zwei Monaten noch als «zu Hause» bezeichnet habe, ist mir seit Wochen keines mehr.

Nachdem wir am Sonntag auseinander zogen, war die Wohnung seltsam leer. Ein Loch. Seitdem sind die Wände noch ein Stück enger zusammengerückt, die Decke noch etwas tiefer gerutscht. Und der Boden etwas höher, so dass man stolpert beim Betreten.

Vielleicht bin ich irgendwann zu Hause.

Während Dons Katze ins Waschbecken kackt und Doreens Kater sein Revier auch drinnen markiert, lebt in meiner Wohnung der Herr Protestkotzer.

Penner!

Ich war in der Vergangenheit anscheinend zu hart, wenn er ins oder unter das Bett kotzte. Zwar habe ich gestern einer Freundin erzählt, Katzenkotze sei gar nicht wirklich eklig, weil das Monster über eine Anstoß-Wende-Automatik verfügt und das Futter unverdaut retourniert, und rieche auch ganz fabelhaft, wie unverdautes Katzenfutter nämlich. Geht die Ladung jedoch darunter (Hier bekommt der das bestimmt nicht mit)… ich bin jedenfalls im Training, unmöglichste Stellen des batikfarbenen, stummen Zeugen unter meinem Bett zu erreichen.

Seit Neuestem, gern während meiner Abwesenheit, sucht er Berge sauberer Wäsche, die ich mit dem Gedanken ,,wenn ich nachher heimkomme…” auf dem Stuhl oder Bett drapiere. Gut erzogen, verschiebt er die oberen Lagen und ist darin wirklich gut (Hier bekommt der das bestimmt nicht mit).

Und dass ich dem Nachbarn vorgestern erzählte, es sei für mich eine erzieherische Maßnahme, weil ich alles sofort und gleich wegräumte, habe ich gestern vergessen, als ich dachte ,,wenn ich nachher heimkomme…”.

Eine ganze Welt hinter sich lassen
und alles mitnehmen, was man weiß
Wenn das ginge
hätte man eine Menge erreicht

(Locas in Love - To Get Things Straight)

Katzen, sagen sie, verlängern das Leben ihrer Besitzer. Nicht ganz freiwillig indes, es hätte irgendetwas mit Entspannung zu tun. Oder auch mit jenen Fällen, die es einmal im Jahr in die Medien schaffen; jene, in denen die Katze wegen des Lecks im Gasrohr rechtzeitig den Besitzer geweckt oder die Nachbarn informiert hat, die schließlich die Feuerwehr alarmierten.

iPod Headphones

Sie alle kennen Leo nicht.
Wer kotzt nach dem Urlaub aufs Bett? Wer wirft einen der neuen Lautsprecher um, weil oben ein toller Platz zum Liegen ist? Wer quetscht sich die Rippen unter dem fallenden Katzenbaum und muss wegen Atemnot zum Tierarzt?
Kein Leben, mit dem Leo sanft umgehen würde. Die Kopfhörer des iPods haben ihres gerade verloren.

Die waren aber auch schlecht…

Warum kann es nicht am ersten Tag des Septembers regnen, wie es sich für einen Septembertag gehört? Immerhin ist September ja fast Oktober.

Das Hobby

Geweckt von einem Fleck an der Wand mit geschätzen fünf bis sieben Zentimetern Durchmesser. Ich entdeckte ihn etwa zwei Sekunden später als Leo, was reichte, auf- und ins Zimmer zu springen und mich mit etwas Schwerem zu bewaffnen, was ich ohne Skrupel eingesetzt hätte, wäre mir der Fleck zu nahe gekommen. Bevor Leo anfing, mit dem Fleck zu spielen, ihn durchs Bett und schließlich über den Boden zu treiben. Fünf Minuten lag ein toter Fleck jämmerlich aussehend angekaut vor meinem Bett, der wenig später in der Kanalisation Marburgs verschwand. Genug Spinnenbesuche dieses Jahr, meine Abwehrmaschinerie hatte heute Nacht Spaß und keinen Hunger. Oder Hunger, Spinnen dafür einen widerlichen Eigengeschmack. Ich fürchte, das werde ich nie herausfinden.

Zur Belohnung gabs Whiskas.

Warum ich aufwachte, weiß ich nicht mehr.

Das Bett neben mir ist leer und auch der Stuhl, über den ich abends immer die Wolldecke schlage. Blinzelnd erkenne ich ein Licht am Querbalken vor dem Bad und suche nach Menschen mit dem Laserpointer, der gegenüber sitzen und sich einen Spaß mit mir erlauben muss. Dann sehe ich die Katze, die das unruhig wabernde Licht anblinzelt und nervös mit dem Schwanz gegen das Bett schlägt.

Ich brauche etwa zwei Minuten, bis mir aufgeht, was Leo dort ausgemacht und mich aufgeweckt hat. Das erste Glühwürmchen des Jahres findet sich in meiner Wohnung. Draußen brüllen die Besoffenen und gegenüber fliegen zwei Fledermäuse.
Es ist kurz nach zwei.

Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigen
ist derselbe wie zwischen dem Blitz und dem Glühwürmchen.

(Mark Twain)

[94. Minute] Abpfiff, Schluss! Leider auch für Trinidad und Tobago, die bereits jetzt ausgeschieden sind. England gewinnt zwar verdient aber keinesfalls glücklich, hat sich damit für das Achtelfinale qualifiziert, in dem sie rechnerisch auf Deutschland treffen könnten.
Und im Gegensatz zu diesem Spiel kann ich Deutschland ein »Schönes Tor!« zurufen. Bei diesem Spiel muss ich dann erst in den letzten zehn Minuten einschalten. Und jetzt ab.
[93. Minute] TOOOOOOOOOOOOOOR! 2:1. Nein, Abseits. Schade, ich hätte es ihnen gegönnt.
[91. Minute]
Lampard auf Rooney, irgendwann ist der Ball bei Gerrard: TOOOOOOOOOR! 2:0 durch Gerrard. Hislop chancenlos, anschließend traurig.
[88. Minute]
»Football’s coming home« von der englischen Tribüne, auf der 20000 englische Fans gegen viertausend tobagische ansingen.
[83. Minute]
TOOOOOOOR! Crouch köpft nach Flanke von Beckham ein zum 1:0 für England
[82. Minute]
Ecke für England, Trinidad und Tobago seit 170 Minuten ohne Gegentor (in dieser WM). Wer hat eigentlich die Ecke geschossen? Bestimmt Eckham.
[79. Minute]
Lampard Cole direkt vorm Tor, Hislop klärt, einer seiner Fußballschuhe landet an Coles Kopf. Nichts passiert. Trinidad und Tobago scheint konditionell angeschlagen, aber sie schaffen ist, Rooney wieder den Ball zu klauen.
[78. Minute] Wieder Lampard. Links am Tor vorbei.
[77. Minute]
Torchance von Lampard, der den Ball direkt auf den Mann, den Torwart von Trinidad und Tobago, schießt.
[76. Minute]
England wechselt. Downing kommt für die Nummer 11. Und Beckham spielt wieder den Gegner an, während Trinidad bis in den gegnerischen Strafraum läuft und erst dann den Ball verliert.
[74. Minute]
Beckham schießt den Ball nach einem Freistoß in die Beine, der Konter von Tobago scheitert und im Gegenkonter lässt sich Rooney den Ball der trinidad’schen Abwehr klauen. Ecke für England. Lampard ist der Mann mit den meisten Torchancen der Engländer. Alles in allem ein enttäuschendes Spiel bisher.
[70. Minute]
Das Spiel findet jetzt hauptsächlich in der Hälfte von Tobago statt. Als Resultat wechselt Tobago einen Spieler. Für Jones kommt Glen, der bei Los Angeles spielt.
[63. Minute] Gelbe Karte für Lampard. Vom gelben Engel. Das Schiedsrichtertrikot schmerzt in den Augen, wie einiges andere heute dort unten auch.
[60. Minute]
Die englische Fankurve kocht, Beckham haut den Ball vom Freistoßpunkt direkt ins Aus. Ich gehe auch gleich kochen.
[58. Minute]
Roooooooooooooooooney! 47 Tage nach dem Mittelfußbruch! Pitbull’s coming home! Der langsame Jogger muss gehen. Neben Rooney kommt Lennon für einen, der ebenfalls nicht auffiel.
[55. Minute] Torchance England, knapp am Pfosten vorbei. Leider auf der falschen Seite
[54. Minute]
Ballverlust England in der eigenen Hälfte, Tobago kommt wieder bis vor das britische Tor. Mark Michael Owen trabt wie ein gemütlicher Jogger durchs Feld (ZDF), während Crouch den Ball vier Meter über das Tor haut.
Immerhin einer.
[51. Minute]
Rooney macht sich wieder warm, während Tobago der englischen Abwehr davonläuft. Freistoß Trinidad, allerdings kurz hinter der Mittellinie, Crouch kann im Aus klären.
[48. Minute]
Robinson ist beliebter Passempfänger der englischen Mannschaft. Dieses Verhalten kenne ich nur von führenden Mannschaften aus der Bundesliga.
[46. Minute] Gelbe Karte wegen Zeitspiels für den tobagischen Towart.
[45. Minute]
Ohne Veränderung gehts weiter, auch wenn Meyer Rooney, den Tribbelkönig, fordert. Die Mannschaft Erikssons macht den gleichen Eindruck wie mein altes Handy gleichen namens.

Endlich habe ich das deutsche Tor von gestern gesehen, die nächtlichen Feiern waren dem ZDF eine Meldung wert. Johannes Baptist K. palavert aus der ZDF Arena: Urs Meyer macht Beckenbauer nach! Jürgen Drews darf auch was sagen und Baptist bewertet die englischen Torchancen, während die Chancen Trinidads und Tobagos kaum erwähnt werden. Bestimmt können sie sich die Namen nicht merken.
Ich erwische mich bei der Adaption von Fußball-Sprechweisen: »Schönes Tor!« Trotzdem hätte ich gestern lieber geschlafen.

[47. Minute] Beckham wird getunnelt, der nächste Angriff auf Robinsons Tor ist allerdings vorm Strafraum zum Ende. England konzept- und glücklos. Eine der schwächsten Halbzeit der Weltmeisterschaft meint das ZDF zu erkennen. Und meine erste, die ich mitbekomme.
[44. Minute]
Rooney sitzt wieder auf der Bank. Yorke kickt die Ecke und Englands Terry rettet kurz vor Linie. Es brennt im Strafraum des Vereinigten Königreichs!
ZDF: »Glückliches Unentschieden für England« Das wird unterschrieben.
[42. Minute]
Torchance, nur 3 Meter vorbei. Drüber. Aber Lampard hat wenigstens das Tor im Auge und die Hosen in der Kabine an. Crouch haut am Ball vorbei, allein vorm Tor.
[39. Minute]
Das ZDF lästert über »Pannenjames« und die bisher erbrachten Leistungen der englischen Fußballnationalmannschaft, während deren Abwehrreihe zeigt, wie man sich vorführen lässt.
[36. Minute]
Ecke für Trinidad und Tobago, nachdem Yorke den Freistoß auf den Kopf eines Engländers spielte. Wieder Yorke, Robinson greift ins Leere, fast Führung für Trinidad und Tobago.
[33. Minute]
Jetzt beansprucht die Katze den Platz vor der Kamera und läuft mir über die Tastatur.
[31. Minute] Beckham flankt in die Arme des gegnerischen Torhüters. Das war knapp!
[30. Minute]
Rooney macht sich warm. Bei der bisher gezeigten Leistung von England ist Eriksson also bereits, dieses hohe Risiko des Einsatzes von Pitbull einzugehen.
[27. Minute] Schuss in den Genitalbereich von Yorke. Die Sanitäter retten was zu retten ist, während sich Yorke ein Erfrischungsgetränk in die Hose schüttet.
[26. Minute]
Englands Fans singen die Nationalhymne, was nach dem ZDF einen Grund haben muss.
[24. Minute] Robinson hält prima, während die vom ZDF als dritt- und viertklassig bezeichneten Spieler von Tobago immerhin ein paar Bälle in den englischen Strafraum schlagen. Das Spiel findet keinesfalls nur in der Hälfte von Trinidad statt.
[19. Minute]
Gelbe Karte Nr. zwei, diesmal für Whitley, ebenfalls Tobago. Freistoß Nr. 2. Und Beckham nochmal. Diesmal über die Mauer.
[17. Minute]
Gelbe Karte für Tobago’s 18. Erneut Freistoß für England, Beckham schießt…
…direkt in die Mauer.
[16. Minute]
Torchance für England, leider nur ans Außennetz. Vorher beeindruckend, wie langsam der englische Sturm im Gegensatz zu den trinidad’schen Verteidigern läuft.
[13. Minute] Beeindruckendes Solo von Trinidad, leider in den eigenen Strafraum.
[11. Minute]
Köpf it like Beckham! Zur Ecke. Hislop hat alles unter Kontrolle. Hislop ist Torwart von Trinidad und Tobago.
[8. Minute] ZDF: Teilerfolg für Trinidad und Tobago, die ersten acht Minuten sind um. Aha.
[5. Minute]
Erste Torchance von England. Der tobagische Torhüter konnte den Ball nicht unter Kontrolle bekommen, der Engländer war für den Nachschuss etwas zu langsam. Teatime! Das ZDF zeigt lieber Frau Beckham.
[3. Minute]
Kick it like Beckham! Nach dem Verlust eines roten Turnschuhs Freistoß für England.
[0. Minute]
Anstoß! Anstoß!

Willkommen zum Länderspiel England gegen Trinidad-Tobago.
Heute versuche ich mich das erste (und vielleicht einzige) Mal am Liveblogging eines Länderspiels live per Miezcam. Übrigens heute in direkter Konkurrenz zu Doreen, die ebenfalls live bloggt.

Rooney spielt heute nicht und mit ihm die einzige Person, die ich namentlich kenne und als Pitbullgesicht bezeichne. Von der tobagischen Mannschaft ganz zu schweigen…

Da muss jemand seine Katze ganz fürchterlich lieben oder ein grundlegend anderes Verhältnis zu teuren Elektrogeräten haben als ich.

(via fscklog)

Heute ist Weltnichtrauchertag. Aus diesem Anlass druckte die Zeitung, dass statistisch gesehen jeder Haushalt jährlich Waren im Wert von fünfzig Euro stiehlt. Fünfzig Euro auf alle Haushalte hochgerechnet, von denen mir die genaue Zahl fehlt, es aber gefühlt »sehr viele« sind, ergeben eine atemberaubende Summe von 4,1 Milliarden Euro (ebenfalls laut Zeitung). Bleibt die Frage, welchen Prozentsatz die tatsächlich straffällig gewordenen Haushalte stellen und welchen Wert deren tatsächliche Beute im Durchschnitt hat.
Bekannt ist hingegen, dass Zigaretten, Batterien und Spirituosen die am häufigsten geklauten Waren sind. Mit dem Stichwort »Beschaffungskriminalität« schließt sich der Kreis.

In den Vorlieben gleiche ich meiner Katze zumindest farblich - die Lieblingsfarben von Katzen ist blau.
Gestern wollte ich eigentlich über Leos Geburtstag schreiben, er wurde immerhin vier Jahre alt, wir feierten das mit einem rauschenden Fest. Wie gewöhnlich verschlief er seinen Ehrentag zu mindestens fünfundsiebzig Prozent, doch schienen ihm seine Geschenke in den übrigen sechs Stunden einige Freude zu bereiten.

Sebastian sagte mal, dass er am besten nachts arbeiten kann. Ich habe ab und zu die Frühaufsteherthese probehalber verteidigt, muss aber jetzt einsehen, dass mir der Vormittag außer Kaffee und der Tageszeitungs-Lektüre wenig bringt, arbeiten kann auch ich erst später, abends.
So kommt es, dass ein drückender Termin nach dem lange ausgemachten Kinobesuch und - man will’s ja nochmal versuchen - ab acht Uhr morgen bedient werden möchte. Dann muss das mit dem Aufstehen aber besser klappen als heute.

Heute bin ich wohl sehr sentimental, wenn mir das Tränen in die Augen treibt und mich dieses richtig froh macht. Das muss irgendwann gestern angefangen haben, als ich vor der Bühne, auf der Britta spielten, einen Kloß im Hals hatte.

Das ist so ein Happy Song,
für alle Leute, die ihn hören wollen
und er erinnert mich an dich.

Ich gehe jetzt meine Katze knuddeln, die es mir vorhin mit dem Einsatz ihrer Krallen dankte.
Meine Nasen- und Augenbrauenschramme trage ich mit Stolz, während drüben über Pornos diskutiert wird.

Schrödingers KatzeDie Nacht wurde bestimmt vom seit zwei Tagen andauernden Schmerz in der Brust. Bei jeder Bewegung aufzuwachen und mit einem Kater zu wohnen, der nachts gern auf direktem Wege von der einen Seite meines Körpers zur anderen umzieht, resultiert in zähneknirschenden Stoßgebeten gen Himmel und einer sehr hohen Frequenz abwechselnder Wach- und Schlafphasen. Wenn man das vierte mal auf den 1:38 Uhr zeigenden Wecker schaut, verliert die Nacht an Attraktivität.
Würde ich mich nicht kerngesund fühlen, fiele ein Besuch beim Arzt vielleicht leichter, generell bin ich kein Anhänger überschneller Praxisbesuche. Heute morgen telefonierte ich mit meinem Vater, der mir dieses Verhalten vererbt haben muss.
Andere blättern in ihrem Selbstdiagnosebuch, reden sich Herzinfarkte, Tumore und Arterienverstopfung herbei, übersehen jedoch, dass die Welt um 7 Uhr ganz passabel aussieht. Auch mit vermaledeiter Brust.

You've come a long way, BabySiebenhundert Kilometer und zwei Tankfüllungen später ist Doreens andere Katze ebenfalls in Marburg heimisch. Ein Sanatorium ohne Jagdhunde, eine Pension ohne Auslauf und trotzdem besser als das Leben im letzten Jahr, in Freiheit zwar aber mit Verlust der Bezugspersonen. Ich wusste gar nicht, wie wenig Probleme Katzen beim Autofahren machen können, Leo ist da bedeutend anstrengender und lauter.

Geschlafen wie ein Stein. Nach zwei Tagen wie diesen.
Schön, dass sich manche Menschen nicht verändern. Und gut, dass andere das tun.

Am Morgen dieses Tages war das Wetter annehmbar und die Luft kühl.

Mein Kopf ist, seit ich davon gehört habe, leer. Alles, was ich schreibe, erfordert größte Anstrengung. Ich habe mich heute mit drei Programmiersprachen beschäftigt, der Output ist immateriell (abgesehen von den fünfzig Zeilen Haskell-Code heute morgen) - also deprimierend.
Ich habe nicht einmal Bilder als Platzhalter für die Leere. Wo ich bin, ist nichts. Wo du bist, Leichen.

… Beglückwünsche sie. Mach ihr den Hof. Sag herzlich Danke, pack deine Siebensachen und verbringe Weihnachten in Marburg. Völlig verschissen!

(SMS, 11.11.05 17.28 Uhr)

Heute starb eine Katze im Maul zweier Hunde, zu Bestien gezüchtet von anderen. Doreen ist zu Hause und holt ihre Katze. Das war absehbar wie die Reaktion der Besitzer. Die Hunde bekommen einen Orden und beim nächsten Stammtisch ein Prost auf die Jagd.
Ohnmächtige Wut auf Bekannte.

Am Abend dieses Tages ist der Regen, der durch gefrorene Luft auf kalte Körper fällt.

Ich hasse Menschen.

Als wir Leo abholten, stellte der Besitzer unser zukünftiges Haustier als Kommentier-Kater vor. Leo hat zu allem eine Meinung: “ich gehe auf Toilette”, “ich war auf Toilette”. Wenn er etwas nicht mag, wird geschrien, wenn er Hunger hat, wird lauter geschrien, wenn ich heimkomme, begrüßt er mich durchs Treppenhaus. Ja, er singt sogar mit Bob Dylan.
Und wenn ich ihn drücke, quittiert er das mit einem wohligen Schrei. Diese Art von Quittungston kommt freiwillig und klingt anders als die erzwungene, die man mit etwas mehr Kraftaufwand einfordern kann.

So stand ich eben in der Dusche und dachte über Quittungstöne nach. Die Standardpiepser bei meinem Handy habe ich abgeschaltet, das Knacken der Tasten gibt mir aber akustische als auch mechanische Rückmeldung. Auch das bei Tastaturen mechanisch bedingte Klacken lässt den Autor nicht im Ungewissen, auf den Sound beim Drücken eines Menüpunktes im Computer kann man getrost verzichten, liefert doch die Maustaste genügend Information. Apple hat in seine neueste Maus einen Piezo-Lautsprecher integriert, der bei Tastendruck das altbekannte Geräusch wiedergibt, weil das neue Modell berührungssensitiv und nicht mechanisch arbeitet.

Dass Rückmeldungen positiv aufgenommen werden, ist lange bekannt und die Idee hinter Sound-Design. Nicht nur bei Oberklasselimousinen stehen mannstarke Teams bereit, die nichts anderes tun, als das Zufallen der Tür mit der richtigen Akustik auszustatten. Das Schließen des Kofferraums soll auf keinen Fall blechern sondern wertig und schwer klingen, bekannter sind die Lautsprecher in neueren Autos, die bei Blinkerbetätigung die Schaltgeräusche des Relais aus alten Tagen ersetzen.

Auch das Design einer Betriebssystemoberfläche bietet Platz für Goodies. Immer wenn wir das Thema streifen, erzählt Knut begeistert vom Anmeldefenster bei Mac OS X, dass bei einem falschen Passwort mit dem Kopf schütteln (sofern das ein Fenster tun kann). Auch diese Form der Rückmeldung bedient eine altbekannte Situation: das Bild des verneinend kopfschüttelnden Gegenüber.

Die Grundlage für den Lautsprecher in der Maus waren Tests mit Computeranwendern. Wer einmal auf einem Rechner mit Folientastatur oder einem alten MSX-Rechner mit Gummitasten schrieb, weiß wovon ich spreche. Oft schaut man seiner Hifi-Fernbedienung nach, um sicherzugehen.

Den letzten Quittungston des Abends gibt die auf meinem Kopfkissen schlafende Katze, wenn ich ihr verdeutliche, wo mein Kopf schläft.

Meine Kaffeefilter stammen noch aus jener Zeit, in der mit dem Gesicht von Egon Wellenbrink geworben wurde, der heute als Melitta-Mann relative Bekanntheit erreicht hat. Dass die Packung bis heute nicht leer geworden ist, liegt zum einen an der langen Zeit, in der ich keinen Kaffee trank, zum anderen an der Füllmenge von einhundert Stück, die ich mit meinem spärlichen Filter-Kaffee-Konsum nur langsam zu dezimieren schaffe, Wiener Melange aus der Dose sei Dank.
Die Filtertüten sind mindestens 6 Jahre alt.

Leos neuer Flummi ist scharlachrot, hat 80 Cent gekostet und weist bereits jetzt erste Abnutzungserscheinungen auf. In Sachen Bissfestigkeit konnte mir die Verkäuferin keinen Rat geben und war sichtlich überfordert mit der Frage, ob es so etwas überhaupt gäbe. Sie muss denken, mein kleines Geschwister habe eine Identitätskrise und halte sich für einen Biber oder dergleichen. So ganz konnte der neue Ball die alte, birnenförmige Springmasse allerdings noch nicht ersetzen. Vielleicht, weil die neue Farbe auf meinem ähnlich gefärbten Teppich hohe Anforderung an die Augen des Katers stellt und mich häufig in das Spiel mit einbezieht, weil der Ball in einer dunklen Ecke für Katzenaugen nicht ortbar ist. Die Erklärung liefert Wikipedia:

Katzen sehen jedoch kleine Details nicht so genau und können Farben weniger gut unterscheiden als der Mensch, da die Anzahl farbempfindlicher Zapfen viel geringer ist. Dennoch können Katzen ihre Umgebung in Blau- und Grünschattierungen in verschiedenen Intensitäten und Kombinationen wahrnehmen. Da sie einen Mangel an rotempfindlichen Zapfen haben, nehmen sie Rotes dunkler als Blaues oder Grünes wahr.

...Leo.
Wo wir gerade dabei sind.