Mai 2008


John Dee, Olso.

Mädchen

Mein ersten Emo-Konzert. Ich kenne wirklich einige Comics, blöde Witze und Vorurteile über Emos, aber die sehen tatsächlich so aus. Auf Konzerten wie diesen haben sie sogar Handys mit schwarzem Bildschirmhintergrund. Und sie sehen alle aus wie Elliott Smith - der sich im Grab umdrehte, wüsste er das.
Diese Musik, von der meine Gastgeberin schwärmen wird »diese Melodie!«, die ich verpasst haben muss. Und Geschrei. Die Band kündigt another hardcore song an, doch man versichert mir, das sei Emo. Und Elliott wippt mit dem Kopf.

Die Bands, die hier spielen, kenne ich nicht. Mit der berliner wird meine Gastgeberin später Pizza essen gehen, wozu ich keine Lust habe. Ich werde lieber zwanzig Minuten auf die Bahn warten.

In Oslo scheint die Sonne, ich laufe im norddeutschen Strickpullover wo andere sich bräunen. Ich ziehe mir im Unterholz die Kapuze tief ins Gesicht, als ich vor dem nackten Mann stehe, dem das hier mehr ausmacht als mir.

1X

Ich bin wieder hier.

Dreimal sagte mir man, dass man sehr begeistert sei, wie ich mich gäbe und wie fröhlich ich sei. Das war vor vier Tagen. Ein Urlaub nur, keiner der leichten, einer in dem man seinen Standpunkt überdenken und Vorurteile über Bord werfen muss.
Das letzte, das fiel (wie zum Beweis!): Wenn etwas anstrengend ist, macht es keinen Spaß.

Er war wichtig.
Vielleicht hat er mich zurückgebracht an Orte, an denen ich lange nicht mehr war.
Sicherlich hat er mich weitergebracht an Orte, an die ich nie gekommen wäre.
Sie war wichtig.

Kaffeebar: San Sebastián