Januar 2008


Ich glaubte schlafen zu können bei der Musik der isländischen Band.
Ich glaubte mich im Bus nach Oslo, wenn ich die Augen schloss, diese Musik im Ohr, damals wie heute sind die Erinnerungen geweckt, der Geruch des Busses und der Geschmack der Ferne.
Ich schrieb eine SMS, dass ich bald komme
und »weißt du denn nicht, was dich erwartet?«

Im Bus nach Oslo

Die Wecker ticken einen sonores Geräusch, ich wäre gern bei dir in der Stadt.
Und ich habe gesagt, dass ich, käme ich wieder, flöge.
Heute bin ich mir nicht mehr so sicher.
Und ich habe gesagt, ich sei verloren.
Und wie immer viel früher als ich
hast du gewusst
was ich meine.

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden,
sondern immer ein Kinofilm sein.

Als du mir dieses Buch empfahlst, dir vertraue ich blind, da war noch alles anders. War alles anders?
Gestern war es. War es gestern? Ich habe geschrieben, weil ich einiges besser machen möchte als vor ein paar Jahren. Weil kein Wort des Briefs gelogen ist. Und weil das alles zusammenhängt.
Weil ich dem eine Menge zu verdanken habe.

Liebe ist kein Liter Wasser, den man auf verschiedene Gläser verteilen muss.
(Ein Teil meines Lebens, den ich nicht überdenken werde.)

Wir wollten nie ein Fernsehfilm werden
und keine deutsche Produktion.

Karpatenhund - Stunts

Mit dem Rücken zu mir: ihr.
Gehend aufs Eis dieses Sees, auf den ich blicke, euch nach, das Felsmassiv am anderen Ufer an,
doch vor allem: Euch nach.

Als du dich umdrehst - ich weiß nicht warum - lächle ich bereits, glücklich allein, euch nach,
doch vor allem: Dir nach.

Am Fuße der Felsen, die ich lange nicht sah,
auf der zugefrorenen Bucht schwarze Punkte, vielleicht ihr, ganz sicher egal.
Vom Kaffeehaus (lesend) schau ich euch an
umringt von Menschen (essend und trinkend), die ich kaum verstehen kann.

Ein Hund nüstert draußen in den staubigen Schnee,
ich sitze drin bei Kaffee und Tee
und habe, wenn man mich fragt, was ich macht’ sagend
»Glücklich den Urlaub verbracht«.

Zwischen uns etliche Jahre und genau so wie’s ist, so ist es gut.
Ein langer Weg war es bis zu diesem Satz,
der Monate in Anspruch genommen hat.

Wir wissen die Komplimente zu deuten, die man sich morgens zu Tagesbeginn macht,
wir wissen (uns manchmal umarmend sagend), dass man sich noch eine Ewigkeit hat.

Wie Raupen die Straßen planieren Hamburger Lieder die Welt:

»Endlich einmal etwas, das länger als vier Jahre hält.«

Nachdem ich den Zug betreten habe, der nur eine Alternative zu dem ursprünglich geplanten, ja gewollten, war und letztendlich gewesen ist, genau genommen die vierte Alternative, die der Rangfolge nach absteigend ihrer Beliebtheit auftreten, wird klar, warum die Reservierungen der drei früheren Züge nicht möglich gewesen sind. Der ICE, mit dem ich die Messestadt verlasse, platzt aus allen Nähten und die Wand hinter meinem Sitz, die Fahrgastzelle von Führerstand trennt, murmelt mir »Glück gehabt« ins Ohr.

Vier Stunden später, ich habe den Platz meiner Sitznachbarin, einer Sonderpädagogikstudentin aus Augsburg, die recht bald dem Bordradio lauschen und schlafen wollte, eingenommen, schüttet sich ein junger Familienvater Meditonsin direkt aus der Flasche in den Mund, wahrscheinlich um heil aus dieser Quarantänestation, wie er jeden Zugwagen seiner Frau gegenüber zu Hause nennen wird, umringt von Bazillenschleudern, wie er die anderen in Zeiten wie diesen seiner Frau gegenüber betitelt, herauskommt und also gesund bleibt, gesund bleiben wird. Sein bayrisches Kind macht komische Grimassen, neben mir fragt eine Tochter ihre häkelnde Mutter, ob man jetzt aussteigen müsse.
»Nein« diese, und was sie nicht weiß:

Wir sind noch lange nicht da.