November 2007


Traumlos wälzen, weil die schlimmsten Träume für die Bedienung der Psychosen gerade nicht ausreichen. Dein lachendes Gesicht, als ich koffeingeschwängert »Plane mich ein« sage. Dein (wahrscheinlich) lachendes Gesicht beim Hinausgehen - könnte ich Gedanken lesen, müsste ich mir nicht nur einreden, dass du dich über meinen Übermut kaputtlachst.

Lese-Nacht & After-Theater-Party
Waggonhalle Marburg
Samstag, 1. Dezember, 23 Uhr

An meinen Füßen liegt die schwarze Katze, die ich mit Futter bestach.
Die wahrscheinlich nur dort liegt, weil ich sie mit Futter bestach.
Die mir genervt ins hustende Gesicht blickt
und sich abwendet mit dem ihr auf die Stirn geschriebenen Gedanken
»Bis zur nächsten Mahlzeit bleibe ich.«

Und natürlich bilde ich mir ein, dass sie das Schniefen und Röcheln genießt als regelmäßiges Geräusch. Sie meine Nähe sucht (wenigstens sie), weil sie gern bei mir ist. Selbst jetzt. Und zur Belohnung denke ich, dass es ihr, wenn ich wieder gesund bin, noch besser gefallen wird in Abwesenheit des Schniefens und Röchelns als regelmäßiges Geräusch.

Dass dieses Weib nur dort liegt, weil ich Herr bin über das beste Bio-Katzenfutter der Stadt,
daran denke ich nicht.

Wir haben tatsächlich geschrien. Doch nein, wir hätten schreien sollen, uns die Seele aus dem Leib und gegen die Ungerechtigkeit in der Welt. Jeder andere hätte wohl gefragt »Warum?«, dass ich diese Frage nicht auf den Lippen und über die Lippen gebracht hatte, überrascht mich selbst. Ich sage stattdessen »Viel Glück« und meine es zum ersten Mal in meinem Leben ernst.

television

Weißt du noch als ich dir erzählte, wie sich das anfühlt, wenn man sein Auto verkauft, wenn man sich von seinem Mitbewohner trennt, wenn man die alte Wohnung und einen großen Teil des alten Lebens hinter sich lässt?
Es ist wieder dieses Gefühl. Eine Niederlage befreit. Doch: Ist es eine Niederlage oder tatsächlich ein Sieg?
Denn es ist ein gutes Gefühl zu sagen, wir kennen uns noch in zehn Jahren.

Als mir die alte Freundin gestern sagte, man würde immer hoffen, dass man der einzige für jemanden sei, habe ich ihr noch beigepflichtet als sie schloss mit den Worten »Eine dämliche, grundfalsche Annahme«.

Die Freiheit ist ein wundersames Tier
und manche Menschen haben Angst vor ihr

– Georg Danzer - Die Freiheit

Das hier hat mich schon im August von den Beinen geholt als ich saß, in Kiel.
Es hat mich gestern von den Beinen geholt als ich saß, in meinem Zimmer.
Er gegenüber.
Wir zusammen.

Die Mitbewohnerin schenkt mir eine Hose jener Art, die ich seit Monaten liebe. Die anderen lachen, freuen sich gemeinsam über den vorangegangenen Abend, jetzt, wo man Zeit findet, sich darüber auszutauschen. Der Wert dieser Wohnung ist unermesslich, wir sind glücklich, ich lege die Platte auf während sie fragen

»Ist er es?«.

Er war da.

Ob sie das auch kennen, einen Menschen, der den Tag herumreißt, herausreißt? Der anruft und sagt »Ich brauche dringend Kaffee« und »Wisch’ dir gefälligst die Nacht aus dem Gesicht, in fünf Minuten werde ich da sein!« Als er geht, läuft eine CD, bei der ich den regnenden Wolken ins Gesicht lache und frage, was sie denn wollen.

Träume von Freiheit, ich beneide und habe eine Ahnung, wie sich das anfühlt, hatte die Ahnung schon am Morgen um neun, als der Regen auf den Dachpfannen platzt und gegen die Dachfenster schlägt. Ohne zu wissen wo er schläft, schließe ich die Augen mit dem Geräusch im Ohr, das er jetzt hören muss.

Sie klingelt mich aus dem Schlaf, bestenfalls drei Minuten, die enden mit

»Wir schreien morgen.«

»Wir sind unsterblich!«
Ich würde gern, doch von dem Kreis, in dem ich das zum allerletzten Mal rief, sind nur Ruinen übrig.
Weißt du noch, damals?

Der Unvernunft - oh ja - Tribut: »Wir sind unsterblich!«
Von dir weiß ich’s, du wirst mich schlagen mit dem falschen Bild, das ich mir mache.
Du sollst dir kein Bild machen - »halt’s Maul!« und poche auf den Übermut.

Ruinen liegen also auch hinter mir.
Und jetzt?
Das Ende vom Anfang ist nicht der Anfang vom Ende.

Du weißt, wie wichtig du mir bist.

Dass Briefe wieder wichtig werden, merkt man, wenn man sie vor dem Versenden noch einmal Korrektur liest.

Wenn man im Jazz-Keller sitzt, zum erste Mal in den mittlerweile sieben Jahren, neben Einem, dem es so gehen muss wie dem Protagonisten deiner Texte, wenn dich der Jazz gedanklich in Großstädte trägt und dein Nebenan fragt, warum man sich ausgerechnet hier trifft,

wenn später der Nachtregen auf das Dachfenster trommelt über dem Bett,
die Musik das Gefühl von der einsamen Freiheit nicht mitnehmen konnte (wohin auch immer sie ging),
dir beim Lidschlag Personen im Dunkeln erscheinen,

dann sollte man Briefe an diese
noch einmal lesen
zum Schluss.

Manchmal bedarf es den Freunden, die man selten, dann doch gerne sieht. Dem väterlichen Rat, bei dem ich schreie, bestimmte Worte nicht ertragend. Er fragte: »Habe ich dich fertig gemacht?«
Ich denke »Das mache ich selbst«.

Dass ich nicht die einzig sturmreif geschossene Burg auf den Gipfeln der Verzweiflung bin, war mir nicht bewusst. Dass ich nicht einmal eine Burg bin, daran habe ich gar nicht gedacht. Dass ich wen anderes mit Sperrfeuer an die Grenzen getrieben und staunend gewartet habe, dass er sich in den Kugelhagel wirft - auf die Idee bin ich erst recht nicht gekommen. Sie hat sich hinter einem Berg aus Angst versteckt, den ich bloß The Heights of Despair nannte.

Ich stehe wie jemand, der nicht fassen kann. Nein, ich zittere nicht.
Ich ahne und weißes , wer fast hinterm Horizont seht
- du scheinst mir selbst entfernt noch beeindruckend groß -

und sage
Verzeih

Deine Gedanken faszinieren mich, deine Ansichten und dein entspannter Umgang mit »dem da draußen«. Dein Optimismus, wenn du sagst, die Welt habe keine andere Wahl als gut zu werden.

spelled backwards

Ich beneide dich manchmal um deine Wochenenden, jetzt auch um deinen Mittwoch. Stuck in Time singen Magdalena aus dem Radiogerät. Sich selbst zu bemitleiden ist einfacher als sich aufzuzwängen
- dieses Gefühl schwingt mit und beschreibt, wie ich mich fühle.
Auch dort, nicht nur hier.

Jeder deiner Satz klingt okay, nur wenn ihn jemand anders sagt, tut es weh.

– Foto: FOUND Magazine

Heute morgen im Wald habe ich noch geträumt, wir sitzen, spielen und singen gemeinsam jenes Lied, was du wenige Stunden darauf als »ganz schön schief« aus unserer zukünftigen Set-Liste werfen wirst.

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Heute morgen im Wald hörte ich der Berliner Band zu, bei jedem Schritt dachte ich, wie schade es sei, würden wir uns verlieren. Ich habe mich in der Vorstellung versucht, und ich habe es nicht geschafft.

Ich werde deine Augen nie vergessen, die mich an etwas erinnerten, das ich noch nicht kennen kann. Ich habe eine leise Ahnung und muss sie für mich behalten, ich habe eine leise Ahnung und kann sie noch nicht formulieren.

Ist das wieder so ne Phase
oder bleibt das jetzt für immer so stehen?
Werd ich jemals noch in diesem Lieben
wieder aufstehen, mich anziehen und auf die Straße gehen?

– Lassie Singers - Ist das wieder so ne Phase

Footstep

Wie Pappeln im Wind weichen wir einander aus, du mir, dem der Sturm im Rücken steht, und sagst: Intuition

Ich zeige meine Füße, deute auf den Zeh und versuche ein unschuldiges Lächeln, du schüttelst den Kopf und sagst: Siehst du

Was ich sehe, eine Ulme, was ich berühre, eine Brennnessel. Du sagst: Kein Wunder

Als ich erzähle, im Wippen, im Zeigen und im Berühren, antwortest du: Träum nicht zu viel

Was bleibt?

– Foto: Found Magazine