August 2007
Monthly Archive
Mi 29 Aug 2007
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LifestyleNo Comments

Ich bin müde und frage mich, ob das mit dieser Zeit zusammenhängt.
Ich bin müde und warte auf Nachricht.
Im Warten war ich immer gut, Weltmeister sozusagen, mindestens jedoch erste Liga.
Ich wollte irgendwann einmal aufhören damit,
aber auf den richtigen Moment warte ich noch immer.
Ich drehe die Uhr nach vorn, draußen ist es lange dunkel.
Und die Zeit vergeht eher langsam als schnell.
Im Warten war ich immer gut.
So 26 Aug 2007
Die Party ist zu Ende.
Neben mir liegt schlafend der kleinste Bruder des Gastgebers, irgendwer ist mit irgendeiner Blonden nach Hause gegangen und der Rest ins Bett. Ich werde einfach nicht müde, habe das koffeinhaltige Getränk in Reichweite und lasse die Gedanken kreisen.
- Durch den Tag, den ich in Bad Homburg und im Schatten eines Baumes verbrachte, an einem Ort zwischen den Feldern, von denen man Frankfurt gut sieht.
- Durch den Abend, diese Party, von der ich dachte, sie wäre schon gestern. Also habe ich einen Tag rangehängt, ranhängen müssen, einen Urlaubstag, in dieser Wohnung der Freundin, die ich selten sehe und mit der ich nichts teile außer die gemeinsame Erinnerung an vergangene Zeiten. Wir haben unterschiedliche Lebensmodelle, doch vielleicht ist gerade das manchmal entspannend wie es mit dem besten Freund entspannend ist, mit dem ich Abends nicht ausgehen kann aus ähnlichen Gründen. Durch die Party also, die ausgeklungen ist, mir noch im Gedächtnis steckt, wie die Situation draußen auf dem Balkon, in der ich mich fehl am Platze, unfähig in das Gespräch einzusteigen fühlte.
- Zurück an den Platz, an dem ich am Nachmittag lag, das schlechte Buch zu Ende gelesen und nachsinniert habe. An diesen Ort, an dem ich auch hätte schlafen können, stünde nicht mein Fahrrad verschlossen im Keller, zu dem ich mir zwar Zutritt verschaffen könnte, dafür aber nicht verzweifelt genug bin; die Nacht also in Dingern verbringe, die sie hier Sitzsäcke nennen.
So schreibe ich hier, während alle anderen schlafen.
Manchmal ist mir genau dieses das Liebste.
Mi 22 Aug 2007
Als wir damals über Konsum sprachen, ich schon deinen Satz im Ohr «Wer wandert, braucht nur, was er tragen kann», hast du noch immer über meine Tassen gelacht, die mittlerweile in Kisten auf Dachböden wohnen und von mir erst dann benutzt werden, wenn ich alt bin. Du kannst nicht verstehen, dass meine Buch- und Tonträgersammlung immer weiter wächst und bist in guter Gesellschaft.
Ich sehe die Problematik, ich ziehe deswegen nicht gern um, es ist viel, das Zimmer ist voll und mit jedem Umzug räume ich weitere Kisten auf die Speicher; Kisten, die ich nie öffnen werde. Kisten, von denen ich mich trennen könnte, ohne etwas zu vermissen. Kisten, die man verschenken sollte.
Als ich dir erzählte, ich hätte einen halben VW-Bus in meiner Stereoanlage versenkt, da hast du wieder gegrinst. Und dann ernst geschaut.
Zeitgleich fielen wir uns gegenseitig ins Wort:
«Aber das ist etwas anderes.»
So 19 Aug 2007
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LifestyleNo Comments
Ich trage die Kamera herum, doch mache nie Fotos. In den Augenblicken, in denen ich staunend mit offenem Mund im Wind stehe, vergammelt die Kamera in den Taschen meines Rucksacks, der nach Reise riecht.
Die Bilder im Kopf kann ich niemandem zeigen; Ich finde es nicht schade und denke sehr oft «wärst du doch dabei». «Bilder bedeuten mir wenig» pflege ich immer zu sagen und schaue mir deine Fotos bloß an, um dich zu sehen. Die Hintergründe sind schmückendes Beiwerk, ein Landschaftsfilm, der mich schwer interessiert, wenn ich selbst noch nicht dort war. Die Liste der Länder, in dich ich mal fahre, wird von Tag zu Tag länger und ich frage mich «wie willst du das schaffen?»
Ich lege das Buch zur Seite und klappe den Laptop zusammen, schließe die Augen.
Dieses Bett, dieses zu Hause bedeutet mir viel. Und doch zieht es mich raus an die Gleise, ich winke den Zügen und neide der Fahrt.
«Irgendwann» - sage ich wie ein kleines Kind - «wenn ich groß bin» - das nie erwachsen werden möchte. Und nächste Woche schlafe ich wieder woanders.
Fr 17 Aug 2007
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Freunde ,
Musique1 Comment
995er Tief über Island
Und ich häng zu Hause
Fotos an die Wand
Wenn es mir gut geht, schreibe ich über Sonne, geht es mir schlecht, schreibe ich über Regen. Mich zieht es zum Wasser, ich liebe den Hafen, ich liebe die Bahnhöfe und ich liebe die Züge.
Draußen scheint die Sonne, drinnen singt eine Norwegerin ruhige Lieder, davor sitzt jemand und arbeitet. Es ist Freitag, ein Wochenende steht vor der Tür, auf das sich jemand sehr freut. Die Welt getaucht in harmonisches Licht, irgendwo draußen fährt irgendwo irgendjemand herum, dem diese Lieder gelten, dem diese Musik gilt, dem die Bilder im Kopf von jemandem gehören, der jemandem Post-Its an die Wände geklebt hat, die heute noch hängen, die in einhundert Jahren noch hängen.
In geschichtsschwangeren Häusern, in denen sie sich umarmten.
725 Stufen steig ich täglich
Beim Versuch zu vergessen
Scheitere ich kläglich
– Sportfreunde Stiller - 995tief über Island
Do 16 Aug 2007

Wenn man einen solchen Anruf bekommt, registriert man in den nächsten jedes Hintergrundgeräusch, analysiert die Stimme des Gesprächspartners, ob es etwas Neues gibt.
Wir werden uns wahrscheinlich nie kennenlernen. Vielleicht hast du von mir gehört, weil jemand aus meiner Familie von mir erzählte, wie ich von dir gehört habe, weil jemand aus deiner Familie von dir erzählt hat. Und trotzdem denke ich gerade an dich und kann sonst wenig tun.
Seit diesem Anruf geht es mir schlecht.
Wir werden uns wahrscheinlich nie kennenlernen.
(März 2007)
Wie immer kommt dieses Gedicht zu spät.
Gute Reise.
Mi 15 Aug 2007
Mo 13 Aug 2007
Die Datsche liegt ruhig vor den Toren von Eberswalde. Der Nieselregen prasselt auf das Dach, unter dem die Freunde noch schlafen, draußen duftet es nach dem gestrigen Lagerfeuer aus deinem Pullover. Irgendwo terzt eine Glocke, ein einsamer Vogel schreit auf einem lang toten Baum, der Wind spielt mit den gepflegten Hecken dieser Kleingartensiedlung vor den Toren der Stadt.
Noch immer liegt die Glut unter der Asche
ich atme ein, ich atme aus
der Herbstwind pfeift auf Fingern, ich verfluche ihn
es ist morgen, es ist kalt, es regnet in Berlin
– Peryton - Unter der Asche
Du, der gerne das Stadtkind heraushängt, schließt die Augen, vergräbst die Nase im Kragen. Der Holzfeuergeruch steigt in die Nase, du hast gestern gelernt zu vermissen. Und verlässt Städte, in denen endlich die Sonne scheint, fährst dem Regen hinterher.
Eine sagt, die Bahnhöfe liebt, von diesen Orten käme man immer fort. Es sind diese Gedanken:
«Wieviel Angst kann man haben?»
Sa 11 Aug 2007
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Freundschaft1 Comment
Gleiten durch diesige Landschaften, man muss schon raten, dass die Sonne keinen Zug nach Amsterdam genommen und der Welt den Rücken gekehrt hat. An der Scheibe hinterlässt der Regen Tränen, die sofort wieder trocknen. Die Welt weint, während du glücklich bist unterwegs in die Hauptstadt, manchmal glaubst du dich als einzigen mit dem Wissen, dass die Sonne nie untergeht und stets irgendwo scheint. Das mag in Amsterdam sein, denkst du und lauschst jener Hamburger Band, die du lange aus den Augen verloren hattest.
Deshalb komm’ ich Dich besuchen
Ich mach’ es nicht freiwillig
Aber ich komm’ Dich besuchen
Ich komm’ dich besuchen
Ich komm’ dich besuchen
Auf jeden Fall werd’ ich’s versuchen
– Tocotronic - Hauptsache ist
Immer wenn Kante von Berlin singen, bekommst du Fernweh nach Hamburg.
Du hast nie mit dem Gedanken gespielt und du weißt, dass auch Berlin nur für eine Nacht ist. Du weiterreisen wirst, weil die Sonne irgendwo anders aus dem Zug steigt.
So lange fährst du dem Regen hinterher.
Fr 10 Aug 2007
Posted by niels under
LifestyleNo Comments

Als ich ein Kind war, spielte ich mit einer Inbrunst, dass ich die Zeit vergaß. Sie war eine Ewigkeit. Eines unserer Spiele hieß auch so: Ewigkeit. Und hätte mich damals einer gefragt, was hast du die ganze Zeit gemacht, hätte ich sagen können: Ich habe gelebt. Und nach der Zeit gefragt, hätte ich sagen müssen: Sie ist vergangen.
Bald fragte mich, vom Spielen zurück, meine Mutter: Was hast du nur wieder mit deinen Hosen gemacht? Ich hätte ihr antworten können: Ich habe darin gelebt. Sagte aber etwas anderes.
– Arnold Stadler (in Chrismon 08/2007, S. 20)
Bei diesem Wetter könnte man, wenn man blinzelt, die wolkenverhangenen Wälder für das Relief der Alpen halten.
Bild: Titanic Magazin, Ausgabe Oktober 1981
Do 9 Aug 2007
Ich mag diese Orte, an denen ich in der letzten Zeit ungewöhnlich oft meine Zeit verbringe. Manchmal frage ich mich, ob man früher, als wir uns in einem Wendehammer trafen, diese Zeit nicht auch an Bahnhöfen hätte verbringen können.
Dass ich die Abende in den Zeiten der Oberstufe mit Freunden in LKW-Wendeplätzen stand oder lag, war dem Umstand geschuldet, dass zwar 100 Meter entfernt eines dieser amerikanischen Fast-Food-Restaurant, die nächste Alternative allerdings etliche Kilometer weit weg war. Klar gab es noch den «Buntspecht», doch einen Sommerabend verbringe ich noch heute lieber draußen.
Bahnhöfe jedenfalls haben mit Wendemöglichkeiten nicht gerade viel gemein. Uns war damals nicht wichtig, woher ein LKW kam und wohin er vielleicht fuhr.
Ist es nicht romantisch, den Fernzügen hinterher zu schauen? Romantischer noch als die Abflugterrasse eines bekannten großen Flughafens, unmittelbarer.
Es ist schön, wenn ein nasser Zug den Regen der Welt unter das Vordach bringt, unter dem man sich nebeneinander auf alten Bänken aus Gitterstahl die Kälte aus den Armen klopft.
Mi 8 Aug 2007
Ich packe meinen Koffer und nehme mit:
Denn: Freundliche Handwerker helfen in abstrusen Situationen, so heute morgen, als die Tür der befreundeten WG verschlossen stand und die Bewohner wegen eines funktionsuntüchtigen Bads (mit dem die freundlichen Handwerker direkt zu tun haben) das Weite gesucht oder in den nächsten Wochen sowieso etwas anderes vor haben, als in dieser verregneten Stadt zu bleiben.
Dabei ist ihnen die urdeutsche Eigenschaft der Übervorsichtigkeit und des gegenseiten Misstrauens bestenfalls schwach ausgeprägt, sie sind zuvorkommend und freundlich.
So fällt Zufriedenheit leicht (Lächeln beansprucht nur halb so viele Gesichtsmuskeln wie grimmig schauen); Nach einem «da kann ja jeder kommen» als augenzwinkernde Antwort auf meine Frage winkte er mich hinauf,
durch das Loch in der Wand.
Di 7 Aug 2007
vor
bei
Im Norden.
Ein Hafen.
Ein Keller.
Zwei Menschen. |
|
Nördlicher.
Die See.
Der Wasserturm.
Die Menschen. |
Das war eines der größten Wochenenden der Geschichte.
Es tat gut, euch zu sehen. Es tat gut, mit euch zu gehen.
Es tat nicht einmal weh, zurückzukommen.
Morgen?
Morgen ziehe ich um. Treibe mich um. Flüchte wieder.
Mo 6 Aug 2007
Posted by niels under
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Die Überraschung ist uns - halt!
Die Überraschung ist ihr und mir gelungen. Ihn aus dem Konzept zu bringen, vorher war mir bang, wie er sich freuen würde. Sicherlich.
Die letzten Treffen in der Stadt, in der ich lebe, waren Tragödien. Mir taten sie leid - beide - und wenn ich das sagte, erwiderte wer «Hör auf mit deinen Erwartungen.»
Und dann sagte er in dieser Stadt, die ich nicht kannte, jenen Nebensatz. Ich schaue sie in Gedanken an und weiß, wenn ich mich drehte, sähe ich Nicken.
Dinge, die ich vor ziemlich genau einem Jahr schon einmal gemacht habe:
Mein letztes Bier trank ich am Freitag.
In einem Hamburger Keller.
Mit Jan Müller.
Sa 4 Aug 2007
Posted by niels under
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Sie winken, beide, eine reißt sich los, läuft mit dem fahrenden Zug, verabschiedet sich von einem Menschen, den ich von hier aus nicht sehen kann.
Mir standen schon Tränen in den Augen, als sie mir letztens zuwinkte ohne zu laufen. Jetzt weine ich.
Die Landschaft, alles wird flacher, Brücken über Abgründen, ich habe das Buch beiseite gelegt, genieße, gehe in diesem Moment konform mit Menschen, die sagen, der Weg sei das Ziel.
Ich trage Socken, die an den unmöglichsten Stellen dünn sind und dämlich aussehen. Ich zeige sie jedem, den es nicht interessiert; verteidige dieses Abteil gegen die Unangenehmen. Jene, die bereits sitzen, merken nichts von meinem Krieg oder mögen trainingsbejackte Cordhostenträger, deren Kopf eine Blase voller Gedanken ist auf dem Weg nach Hamburg, auf dem Weg nach St. Pauli und in die Schanze.
Hinten über dem Horizont haben die Wolken die Form eines Tintenfasses und eines geflügelten Hirschs.
Die Sonne, alles kommt näher, ich lege den Stift aufs Papier, genieße, gehe in diesem Moment konform mit Menschen, die Sagen, die Welt sei ein Dorf.
Mi 1 Aug 2007
Posted by niels under
Lifestyle1 Comment

Es liegen tote Tiere im Wald dass man darüber stolpert.
Still liegt er da, wie nach dem Krieg, Mäuse wuseln zwischen den Leichen umher.
Es riecht, wie es an Sommermorgen zwischen Tannen und Feldern riechen muss, irgendwo rammt ein Rentner seine Gehstöcke im Gleichschritt in den Boden.
Wie während des Kriegs.
Kaugummihaft verklebt mich die Zeit, wir wissen was kommt, nur nicht was passiert.
Wir harren der Dinge, ich wandle auf deinen Wegen. Wie vor dem Krieg.