November 2006
Monthly Archive
Do 30 Nov 2006
Posted by niels under
Gesellschaft1 Comment
Wir leben länger, arbeiten aber nicht länger, sondern insgesamt eher kürzer.
Und da muss man gar nicht Mathematiker sein, da reicht halt Volksschule Sauerland um zu wissen: kann nicht hinhauen.
Den ersten Gedanken darf ich nicht schreiben, möglicherweise verklagt mich dann ein mitlesendes SPD-Parteimitglied wegen Beleidigung seines Ober-Muftis (man verzeihe mir die Wortnähe von “Mufti” und der oben - übrigens aus der Tagesschau zitierten - Textpassage des Herrn Vizekanzlers).
Was “kann nicht hinhauen”? Wo ist die Basis dieser Rechnung? Floskel-Franz im Einsatz: »Achtung, ich bin einer von euch!« ruft der Herr Besserverdiener vom Podium, um den (seit gerade) Seinigen ins Gesicht zu schlagen. Wer länger lebt, soll gefälligst länger arbeiten, damit er von der Forschung in Sachen Schulmedizin, die er - ungefähr - 45 Jahre mitfinanziert hat, weniger profitiert. Und das lässt sich die Bundesregierung mit ihrer Initiative 50plus richtig was kosten.
Vielleicht fehlen mir ein paar Informationen, vielleicht ist der Herr Müntefering aber auch einfach schlauer als ich. Aber:
- Warum bitte muss länger gearbeitet werden, wenn die Arbeitslosenzahlen von fehlender Arbeit sprechen?
- Warum subventioniere ich “die Alten” mit horrenden Beträgen, während die Jugend aus Aussichtslosigkeit Amok läuft (diese bösen Killerspiele!). Weswegen ermögliche ich demjenigen, der vielleicht nicht mehr arbeiten möchte, keinen früheren Eintritt ins Rentenalter (Konditionen sind zu klären!) und damit dem Schüler, der am Lehrstellenmarkt vielleicht leer ausgehen würde, keine Berufsausbildung?
- Warum also wird in Zeiten des Wohlstands und des technischen Fortschritts davon nichts an den Teil der Bevölkerung zurückgegeben, der das Erreichen dieses Zustandes ermöglicht hat?
- Warum nennt sich die SPD sozial?
Argumente für diese Regelung kommen - natürlich - aus der Wirtschaft. Die Gesellschaft altere und es gäbe immer weniger sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse, stellt Herr Schleyer vom “Zentralverband des Deutschen Handwerks” fest.
Den Gedanken, die Zahl jener Beschäftigungsverhältnisse zu verringern, die Last des Sozialsystems also wieder auf mehrere Schultern zu verteilen, blendet er aus. Er ignoriert damit die soziale Verantwortung der Unternehmer; symptomatisch für den perversen Profilierungszwang der durchlobbyisierten Politik (bevor der SPD-Sympathisant hier “siehste!” ruft: deine Partei ist mindestens ebenso ignorant).
Ein Wort, das Arbeitnehmervertreterhyänen nicht gern hören: Deregulierung.
Und der Glaube an das Gute in den Menschen und den Konzernen. Aber wahrscheinlich sind jene in den marmornen Vorstandsetagen ähnlich weltfremd wie die gewählten Bundeshornochsen in Berlin. Doch ersteren traue ich mehr.
In aller Freundschaft:
Weil die SPD ja gerade an ihrem neuen Grundsatzprogramm arbeitet, empfehle ich dringend die Aufnahme folgender Passage:
Die Volkspartei SPD ist die treibende Soziale Kraft Deutschlands!
Jedem Bundesbürger steht nach seinem Arbeitsleben, dessen Dauer mit seiner Lebenserwartung gekoppelt ist, eine Rentenzeit von maximal fünfzehn Jahren zu.
Die Initiative 82plus hilft Menschen beim Verlassen ihres maximalen Rentenalters bei der Wiedereingliederung ins Berufsleben!
Mo 27 Nov 2006
Brief an die Eltern: Negativ aufgefallen weil uncool verhalten:
Hat laut versucht zu atmen und die Luft für sich behalten.
Weil ich gute Geschichten mag, weil ich sie gern lese und weil ich mich in Situationen, die aus Amélie-esken Filmen stammen könnten, weil ich Bilder liebe und weil ich unbedingt Teil einer Jugendbewegung sein möchte, kommt mir der Geburtstag von Onkel Ingo im letzten Jahr ins Gedächtnis. Und damit Diedrich Diederichsen, der mich in Ingos Stammkneipe angelächelt hat (ja, Doreen, er hat mich angelächelt!). Und weil ein Auslöser immer auch Konsequenzen bedingt, fällt mir jene Geschichte ein, die ich vor Jahren las und die mir gut gefiel. So schließt sich der Kreis, ich habe sie heute wiedergefunden: In einem Forum für höfliche Paparazzi.
Dass ich in beiden seiner Bücher, die ich besitze, auf Seite zwei stecken blieb, daran werde ich nicht gern erinnert. Trotzdem.
Vorbilder sehen so aus:

Nein, kein Vorbild. Mir gefiel nur das Foto.
Foto von Scheinschlag.de.
Mo 20 Nov 2006
Posted by niels under
Netzkultur[5] Comments
Da wirft man mir also vor, ich sei zu unpolitisch und - was eigentlich schlimmer ist, denn ich verstehe unpolitisches Handeln nicht als schlimm - beteilige mich an einer Hetzjagd auf einen, der (noch) dem StudiVZ vorsteht.
Die Ausrede, dieser Blog wäre privat, gilt insofern nicht, da diese »Privatheit« dem Herren bereits von der Blogosphäre - zu recht - um die Ohren gehauen wurde: Was im Netz steht, ist nicht mehr privat. Zumindest kann man sich nicht darauf berufen, denn mag es auch privater Natur sein, alle Internetuser haben potentiell Zugriff darauf. So geschehen mit der Einladung im Stil einer NS-Postille.
Ich muss mir also vorwerfen lassen, ich würde mich am Absägen Darianis beteiligen. Darauf möchte ich eingehen.
Die genannte Einladung halte ich für eine grobe Verfehlung - Darianis Aufforderung, sich mit der eigenen Geschichte anders auseinanderzusetzen als bisher steht auf einem völlig anderen Blatt - weswegen ich mich vom StudiVZ abgemeldet habe.
Dass Daten zum Verkauf gesammelt werden, wäre für mich noch kein Grund gewesen, dieser Flirtplattform den Rücken zu kehren, ein dicker Hund ist trotzdem, dass man dies offensiv äußert. Wenigstens ehrlich.
Der Vorwurf, ich beteilige mich an einer Hetzjagd, wiegt schwer.
Dariani ist mir unsympathisch (von Fotos, von seinen Äußerungen, von seinen Blogeinträgen und den Videos, die ich von ihm kenne, wegen der Einladung und der Unfähigkeit, sich dafür zu entschuldigen (und ich meine, dass er sich dafür entschuldigen muss)). Meiner Meinung nach genießt (besser: genoss) er seine Prominenz und stilisierte sich selbst zum Vordenker und Vorsteher der Community, so kam es mir jedenfalls vor.
Ich bin der Meinung, dass jemand, der sich so verhält, nicht in diese Position gehört.
Das hat mir viel Kritik eingebracht und den Vorwurf, ich würde die Fähigkeit eines Menschen an seinem Betragen festmachen. In der Tat meine ich, dass man sich gesellschaftskonform und manierlich zu verhalten hat, wenn man sich in einer Position wie dieser befindet. Mag sein, dass manchem die Regeln nicht passen, dass nach ihnen gespielt wird ist allerdings Fakt. Das kann man gut finden oder nicht.
Nun bin ich ein Verfechter dieser Regeln, andere sagen “spießig”.
Ich sage: Weg mit Dariani. Oder er rehabilitiere sich.
Das hat er in meinen Augen nötig. In denen anderer nicht.
Hier bin ich nicht konsensfähig. Als Beteiligung an einer Hetzjagd empfinde ich meine Äußerungen dennoch nicht.
Das andere, von Dariani unabhängige, Problem, dass StudiVZ scheinbar kein Interesse daran hat, die Server- und Erreichbarkeitsproblematik in den Griff zu bekommen (obwohl sie eigenen Angaben zufolge 2,5 Mio. Euro Venture Capital im Rücken haben), lässt auf eine denkwürdige Priorisierung schließen und Äußerungen, die »Studis« stünden im Mittelpunkt des Unternehmens, in einem anderen, einem fragwürdigen Licht erscheinen.
Die ganze StudiVZ-Problematik wurde und wird an der Blogbar aufgearbeitet. Ich spare mir einzelne Links. Dort lassen sich auch Belege für die in diesem Text aufgestellten Behauptungen finden.
Ja, manchmal mache ich es mir einfach.
Mi 15 Nov 2006
Posted by niels under
Netzkultur[6] Comments
Das war es also mit mir und dem StudiVZ.
Eigentlich eine nette Idee, Kommilitonen und andere Wahlverwandtschaften als “Freunde” hinzufügen und Kontakt mit ihnen aufnehmen zu können. Interessant ist allemal, mit wem die Exfreundin bekannt ist oder wer auf der Freundesliste des besten Freundes steht; eigentlich keine neue Idee, trotzdem wuchsen die Benutzerzahlen dieses Community-Systems schneller als dessen Server die Anfragen beantworten konnten.
Ich habe noch immer nicht den Eindruck, als würden sich die Betreiber um die Probleme des Systems und deren Lösung kümmern. Nach allem, was man in den vergangenen Tagen an der Blogbar lesen konnte, ist man vor allem mit einem beschäftigt: negativ aufzufallen.
Herzlichen Glückwunsch, ihr habt es bis auf Spiegel Online geschafft. Der Artikel gibt einen guten Überblick über jene Aspekte, die man in Dons Artikeln an der Blogbar nachlesen kann.

Für mich war die Verfehlung Darianis bezüglich seiner Einladung im Stile des Völkischen Beobachters der Grund, meine Sachen zu packen. Er hat es nicht einmal fertiggebracht, sich zu entschuldigen. Mich würde nicht wundern, wenn diesen Artikel, der die Presse beruhigen soll, auch »einer der ausländischen Praktikanten« geschrieben hat.
Die groß angekündige Information über die Finanzierung des StudiVZ jedenfalls schreibt bereits jemand anderes als der frauenbelästigende Unternehmensgründer.
Vielleicht hat der ja heute als Praktikant außerhalb gearbeitet…?
(Der Titel ist dem verlinkten Blogeintrag des Shopbloggers entnommen.)
Mo 13 Nov 2006
Posted by niels under
Freundschaft1 Comment

Du bist anders als alle anderen und ich auch
Wenn wir sterben, dann nur zusammen.
Und wenn wir leben, dann auch.
Ich habe mich mittlerweile damit abgefunden, dass in meinem Leben zur Zeit nicht viel passiert. Es ist nur schade, dass man so schlecht darüber schreiben kann.
Es gibt einhundert Orte, an denen ich jetzt lieber wäre, aber einen guten Grund, genau hier zu sein.
Die einzigen eMails, die ich regelmäßig bekomme, sind Spam. Deine, auf die ich jede Stunde hoffe, kommen viel zu selten. Draußen regnet es wieder und doch muss ich los in die Kälte. Das hat trotzdem nichts mit Aufbruch zu tun.
Die abgelaufenen Nudeln sind fertig.
Aber dann…
Deshalb bist du anders als alle anderen und ich nicht,
denn ich bin nur bequem und etwas verrückt.
Und eigentlich hab ich sogar Angst
überhaupt zu sterben.
(Locas in Love)
Di 7 Nov 2006
Ich habe heute, neben den üblichen Zugewinnen, die durch das Arbeiten mit einem Vorlesungsskript entstehen, vor allem eines gelernt:
Junge, denk nach.
Was Lucky Luke mit der Pistole kann, beherrsche ich mit der Zunge. Aus der Tatsache, dass Sätze nicht immer den Umweg über mein Gehirn nehmen, entstehen mitunter lustige Momente. Und eigentlich - dachte ich - fährt man damit ganz gut.
Wenn dich dann eine Freundin zur Seite nimmt und dir in die Rippen boxt ohne dabei zu lachen, solltest du für den Rest des Abends den Mund halten. Vielleicht sogar darüber hinaus. Jedenfalls so lange, bis das mit der Umleitung klappt.
Sa 4 Nov 2006
Posted by niels under
Netzkultur[5] Comments
Angemeldet habe ich mich am 25. April. Seitdem pflege ich mein Profil im StudiVZ. Ich nutze die Seite regelmäßig und oft, habe Kontakt zu etlichen Schulfreunden wiedergefunden und neue Menschen kennengelernt.
Vordergründig ist diese Webseite eine große Flirt-Plattform, die derzeit mit technischen Problemen, die auf Überlastung hindeuten, zu kämpfen hat. Ein Überblick:
- Die Webseite ist quasi 1:1 kopiert von facebook.com. Interessanterweise wird diese Tatsache in keinem der mir bekannten Interviews mit den StudiVZ-Betreibern erwähnt, aber etwas noch viel Dreisteres verdeutlicht der linke Screenshot (via Basicthinking):


- Dass das kein Zufall ist, zeigt blog.derbumi.com und ein weiterer Artikel auf Basicthinking.de.
- Man sollte Menschen ja nicht nach dem Äußeren bewerten. Wenn dann aber ein Video auftaucht wie jetzt bei der BooCompany, sind die Sympathiepunkte im Keller (Ehssan und die Frauen) und meine Aversie gegen schmierige Typen um eine Bestätigung reicher, was allerdings auch zum nicht unerheblichen Teil an der Arroganz des Gründers liegt, die sich auch in seinem triefenden Profil offenbart:
Über sich selbst: von allem etwas: neugierig. unberechenbarer künstler. standard-setzer. teufelskerl. keck! täglicher kampf gegen defokussierung, zerstreuung, chaos und andere kräfte der finsternis. konservativer rebell. reform-XX. libidoreduktionstraining. sozialhybrid (d.h. kompatibel mit vielen sozialmilieus, je nach sozialuniform). kostverächter. volksnah. ewiggestriger. schwarzmaler. non-pc-aktivist. hochangereicherte 170cm. bescheidener prophet auf allen gebieten. suche stets nach lösungen für jahrhunderte, statt bloss für die gegenwart. schonungsloser enthüller ideologischer scheinargumente. unermüdlicher wunderheiler geistiger zivilisationskrankheiten.
Es bleibt bitterer Beigeschmack. Auch dass heute noch eine Umfrage auf der Startseite thront »Abstimmungszeitraum verlängert bis 1.11.2006« lässt eventuelle Bemühungen, die Performanceprobleme in den Griff zu bekommen, als halbherzig erscheinen.
Dennoch werde ich das StudiVZ weiter nutzen (sofern ich noch lange Gelegenheit dazu habe, Ehssan ist ja nicht gerade für seine Kritikakzeptanz bekannt). Falls mein Account plötzlich gesperrt sein sollte, wechsel ich eben zur Konkurrenz:

Damit die Lektüreempfehlung für den StudiVZ-Vorstand nicht in den Kommentarweiten der Blogosphäre untergeht:

“The No Asshole Rule: Building a Civilized Workplace and Surviving One That Isn’t” (Robert I. Sutton)
Sa 4 Nov 2006
Posted by niels under
LifestyleNo Comments
A Bri
Bro Eis
Eis Gef
Gef Ing
Ing Köt
Kra Mö
Mö Pol
Pol Sar
Sar Tar
Tat Zyp
Die Rücken des zehnbändigen Kochbuchs in unserer alten Küche, neben dem ich zu Schulzeiten jahrelang frühstückte.
Ich kenne sie noch immer.
Fr 3 Nov 2006
Posted by niels under
Lifestyle[4] Comments
“Du vergisst deine Hausaufgaben ja gerne mal.”
“Nein, Mama. Nicht gerne.”
Mutter und Tochter (mitgehört in der U-Bahn)
(gefunden bei spruced)
Ich bekam ein Rezept für zehn Stimmtherapiesitzungen wegen meiner »Hyperfunktionelle[n] Dysphonie«. Auf dem Rezept folgen mehrere Fremdworte, die nichts anderes bedeuten als »Eine Stimme, als hätte er vierzehn Jahre Wodka getrunken und Kette geraucht.«. Jene war immer der große Bonus in Zeiten, als unsere Band noch Hallen füllte.
Doch weil ich mir das ebenso lange anhören musste und der Witz noch immer nicht an Qualität gewinnt, besuche ich demnächst eine logopädische Praxis. Wenn es nur halb so amüsant wird wie der heutige HNO-Arzt-Besuch, werden das lohnenswerte vierhundertfünfzig Minuten:
Ich durfte singen.
Mi 1 Nov 2006
Posted by niels under
MusiqueNo Comments
Es ging doch lediglich darum
mit dem Leben klarzukommen.
Da schien Musik als Ausdrucksform
uns allen sehr willkommen.
(Elvira - So wie wir)
Die Hamburger Schule feiert zehnjähriges Bestehen in meinem Leben. Alles fing an damals im Proberaum, als Patrick zu mir sagte: »Du singst wie der von Tocotronic.« Es war die Zeit der ersten Alben, die mich postwendend begeisterten. Bis heute kann ich “Es ist egal, aber”, “Wir kommen um uns zu beschweren” und “Digital ist besser” nicht chronologisch ordnen, weil ich alles gleichzeitig kaufte.
Heute trage ich die persönliche Jubiläumstrainingsjacke von einst, aus der “komischen Musik” wurde “Hamburger Klugscheißerpop”.
Und immer noch zaubern mir die alten Lado-Sampler ein Lächeln aufs Gesicht, meine letzten Neuerwerbungen stammen von Astra Kid und Janka, die meisten Lieder auf meinen Mixtapes sind deutsch.
Danke, Patrick.
Und herzlichen Glückwunsch, Hamburg.
Und morgen sagen wir,
wir haben in der letzten Nacht
die besten Jahre
unseres Lebens verbracht.
(Astra Kid - Und morgen sagen wir)