Meine Wohnung ist eigentlich super.
Zugegeben, sie ist etwas klein. Und teuer ist sie auch. Der Ausblick ist alles andere als phänomenal, die Decke hängt beängstigend durch, die Toilettenspülung leckt und wer die abgewetzt Auslegware einmal mit eigenen Augen gesehen hat…
Diese Auslegware nun bringt mich allerdings in eine komfortable Position und ist, wenn man so will, neben der wirklich zentralen Lage und der Spülmaschine gleichzeitig der große Pluspunkt.

Gesetzt also den Fall, ich bekomme Besuch von einem Mädchen.
Nun hat man sich zu bemühen, immer einen guten Eindruck zu hinterlassen; beim erstmaligen Besuch allerdings hängt «Der erste Eindruck ist der Wichtigste» wie ein Damoklesschwert über dem Tee und der Musik. Und doch gilt es mit aller Anstrengung zu vermeiden, dem Mädchen einen Eindruck von «Ich habe extra für dich aufgeräumt» zu vermeiden. Nur Politik- und kiffende Langzeitstudenten müssen ihre Wohnung vor einem Besuch der Eltern renovieren. Die Zeiten, in denen ich mich bei unangemeldetem Klingeln schämte, sind gottlob vorbei.
Doch bekommt die Katze durchschnittlich fünfmal im Monat ihr Winterfell, wie das in Ecken und unter Schränken aussieht, mag man sich vorstellen. Weil die Haare über mittlerweile fast zwei Jahre eine zugfeste Symbiose mit dem weinroten Teppich eingingen, hat die Wohnung selbst nach einem Putzdurchgang den durchaus sympathischen used look-Charme.

‚Ich liebe dich“ sagt man nicht.
Wer ‚ich liebe dich“ sagt, sagt auch ‚folgen sie diesem Wagen“ oder ‚lass mich hier zurück, allein kannst du es schaffen“.

(Volker Strübing via wirres.net)

Nein, hier sieht es immer so aus. Soll ich dir etwas verraten?
Das Angebot mit dem Tee steht.