September 2006
Monthly Archive
Do 28 Sep 2006
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Lifestyle[4] Comments
Meine Wohnung ist eigentlich super.
Zugegeben, sie ist etwas klein. Und teuer ist sie auch. Der Ausblick ist alles andere als phänomenal, die Decke hängt beängstigend durch, die Toilettenspülung leckt und wer die abgewetzt Auslegware einmal mit eigenen Augen gesehen hat…
Diese Auslegware nun bringt mich allerdings in eine komfortable Position und ist, wenn man so will, neben der wirklich zentralen Lage und der Spülmaschine gleichzeitig der große Pluspunkt.
Gesetzt also den Fall, ich bekomme Besuch von einem Mädchen.
Nun hat man sich zu bemühen, immer einen guten Eindruck zu hinterlassen; beim erstmaligen Besuch allerdings hängt «Der erste Eindruck ist der Wichtigste» wie ein Damoklesschwert über dem Tee und der Musik. Und doch gilt es mit aller Anstrengung zu vermeiden, dem Mädchen einen Eindruck von «Ich habe extra für dich aufgeräumt» zu vermeiden. Nur Politik- und kiffende Langzeitstudenten müssen ihre Wohnung vor einem Besuch der Eltern renovieren. Die Zeiten, in denen ich mich bei unangemeldetem Klingeln schämte, sind gottlob vorbei.
Doch bekommt die Katze durchschnittlich fünfmal im Monat ihr Winterfell, wie das in Ecken und unter Schränken aussieht, mag man sich vorstellen. Weil die Haare über mittlerweile fast zwei Jahre eine zugfeste Symbiose mit dem weinroten Teppich eingingen, hat die Wohnung selbst nach einem Putzdurchgang den durchaus sympathischen used look-Charme.
‚Ich liebe dich“ sagt man nicht.
Wer ‚ich liebe dich“ sagt, sagt auch ‚folgen sie diesem Wagen“ oder ‚lass mich hier zurück, allein kannst du es schaffen“.
(Volker Strübing via wirres.net)
Nein, hier sieht es immer so aus. Soll ich dir etwas verraten?
Das Angebot mit dem Tee steht.
So 24 Sep 2006
Ich habe in der letzten Woche sehr viel über Apple-Tastaturen gelernt. Und über Aldi-Kerzen.
Letztere biedern sich durch einen verhältnismäßig geringen Anschaffungspreis an. Weil Billigheimerei meistens mit Mangelqualität einher geht, haben die Aldi-Kerzen eine Tendenz zum seitlichen Einriss, aus dem sich dann der gesamte flüssige Wachs auf dem Untergrund verteilt. Hält man die Kerze in diesem Moment über seinen Laptop, kann man viel über die verbauten Tastaturen lernen.

Die bewährte Kombination aus Bügeleisen und Löschpapier nämlich eignet sich vordergründig durchaus für die Wachsentfernung (Gott sei Dank besteht das Gehäuse meines Computers aus Aluminium, sonst gäbe es hier vermutlich wesentlich mehr und beindruckendere Fotos). Aber nicht bei der Tastatur.
Nach einigem Umschauen auf dem sehr übersichtlichen Tastatur-Gebrauchtmarkt und dem Zu-Rate-ziehen eines Fachgeschäfts fiel der komplette Tausch der Tastatur aus. Erstens wäre das durch eine Werkstatt zu teuer geworden und beim Selbttausch wäre ein Garantieverlust die Folge und zweitens war das unnötig, denn das Keyboard funktionierte noch immer einwandfrei. Also machte ich mich auf die Suche nach einer Tastatur, deren Tastenkappen ich dann verwenden wollte.
»Wissen Sie, wir haben eine Kiste im Keller stehen mit alten Tastaturen, die Chancen sind ganz gut, dass da eine Powerbook-Tastatur bei ist.«
»Können Sie denn nicht einmal nachschauen gerade?«
»Nein, die steht ja im Keller, vielleicht Ende der Woche.«
»Ich bin gerade einhundert Kilometer gefahren, schauen sie doch bitte mal nach, das kann doch so lange nicht dauern.«
»Rufen sie Ende der Woche nochmal an.«
Nachdem Gravis nicht gewillt war, mir bei meinem Problem zu helfen, entdeckte ich bei ebay ein einziges passendes Modell. Eine neue Tastatur wurde mir von der Apfelklinik für 120 Euro angeboten, deren Lieferzeit mit einundzwanzig Tagen angegeben. Die Aktion bei ebay hingegen dauerte nur vier Tage, das Mindesgebot war deutlich günstiger.
Weil Tastatur und Wachs offensichtlich kein gängiges Szenario sind, habe ich die Auktion zu einem sehr fairen Preis gewonnen.
Weil Tastatur und Wachs offensichtlich kein gängiges Szenario sind, schäme mich dafür, dass dies mitnichten der erste wachsene Zwischenfall war.
Fr 22 Sep 2006
Posted by niels under
LiteraturNo Comments
Ich wollte manchmal
ich wäre so erfahren
wie ich alt bin
oder auch nur
so klug
wie ich erfahren bin
oder wenigstens
so glücklich
wie ich klug bin
aber ich glaube
ich bin
zu dumm dazu
Erich Fried
Weihnachten ‘83
Eine Widmung um heute antiquarisch gekauften Buch Der Fall (Albert Camus).
Do 14 Sep 2006
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LifestyleNo Comments
Die neue Batterie ist da. Meine rote Jogginghose, kombiniert mit dem zerrissenen Kaputzenpulli meines Mathe-Leistungskurses, den ich bei diesen kühlen Temperaturen nachts trage (das Fenster bleibt auf!), erstaunen ihn; man kann’s in seinen Augen lesen. Quid pro quo zahlt er mir’s heim mit einer unbekannten Freundlichkeit, die mich glücklich aber ratlos zurück lässt.
Die Angestellten der Post kennen meinen Namen, was sicherlich an dem einen oder anderen kuriosen Erscheinungsbild liegt, dass ich morgens an der Haustür hinterlassen habe. Dies liegt nicht an meiner Langschläfrigkeit, sondern vielmehr an der Abfolge der morgendlichen Tätigkeiten. Grundsätzlich konkurrieren “Katze füttern” und “Kaffee” um die Pole Position, dann müssen die Mails und die RSS-Feeds gelesen werden, anschließend die Zeitung (”Kaffee”) und bevor ich dann in die Dusche komme, klingelt meistens der Paketdienst: Voilà pourquoi.
Tipps für schnelleres Entladen: Lassen sie einen DVD Film, eine Musik CD in iTunes oder das Schachspiel laufen (Einstellung: Computer gegen Computer).
Di 12 Sep 2006
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Netzkultur1 Comment
Ich habe nicht selten das Gefühl, ich sei zu wenig Informatiker, als ich eigentlich sollte. Dieses Gefühl ist über das Lesen diverser Blogs aus dem IT-Bereich punktuell abrufbar, zum Beispiel als ich eben beim Hostblogger einem Link mit dem Zusatz »Zum Wegschreien« folgte.
Ich fand diesen Text ähnlich witzig wie die Dilbert-Comics, die bei Informatikern ebenfalls sehr beliebt sind. Gar nicht. Ich fand ihn sogar ausgesprochen dämlich.
Der Hostblogger ist hier ein gemäßigtes Beispiel. Extremer wird es, wenn man diesem Namen ein Wohnzimmer voranstellt und beim Wohnzimmerhostblogger landet. Hier hat ein Leser, der Web- und Programmierkram überdrüssig oder nicht Kunde des Wohnzimmerhosters ist, relativ wenig zu lachen.
Diese Spezialisierungen, die sich zuhauf finden lassen und ein großer Vorteil der Blogosphäre sind, machen das Finden interessanter Texte ungemein schwierig. Einen guten Einstiegspunkt stellen die üblichen Verdächtigen Don Alphonso, Lyssa oder Andrea Diener dar (um drei der wirklich großen, wichtigen und jener Blogs zu nennen, mit denen ich als erstes in Kontakt kam). Außer Konkurrenz wegen der relativ langen Updatezyklen, allerdings nicht minder lesenswert, ist Siebenviertel. Über die obligatorische Blogroll kann man sich durch die vom Autor lesenswerten Blogs arbeiten, bis man welche findet, bei denen man gern liest.
Wer lieber auf Papier liest, für den empfiehlt sich das Buch Blogs! Text und Form im Internet, in denen all die oben genannten Blogs ebenfalls auftauchen.
Dass sich in den zwei Jahren seit dem Erscheinen des Buchs gerade in der Blog-Szene viel getan hat, soll hier nicht diskutiert werden. Natürlich erreicht man über die oben genannten Einstiegspunkte viele (gute) Blogs nicht, weil Kleinbloggersdorf in viele autarke Stadtteile zerfallen ist.
Wahrscheinlich werfen mir ebenso hunderte Geschmacksverfehlung und Langweiligkeit vor. In der Tat finde ich bemerkenswert, dass jemand begeistert zu nur einem Thema schreiben kann.
Dann ist es wieder da, das Gefühl, nirgends wirklich dazuzugehören.
Sondern überall nur ein bisschen.
Sa 9 Sep 2006
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ArbeitNo Comments
Dass ich Nachbarn habe, die anderswo verachtet würden (indes verachtet man sie auch hier), ist meinen Nachbarn und mir bekannt. Dass sie gottgläubig sind, war mir neu. Jedenfalls scheinen sie Johannes Pauls II. Ausspruch zu kennen und wörtlich zu nehmen:
Die Mitte der Nacht
ist auch schon der Anfang eines neuen Tages.
Ich bin jemand, der an das Gute im Menschen glaubt (manche sagen wahrscheinlich »leichtgläubig«, doch das will ich nicht sein) und drehe mich nachts, wird’s draußen laut, auf die andere Seite und schlafe weiter.

Ich glaube auch nach fünf Minuten Getöse im Treppenhaus, zu dem hin meine Wohnung doch hellhörig ist, an ein baldiges Ende und erwarte die bevorstehende Ruhe. Nach einer halben Stunde Umzugslärm (!) nachts um eins (!!) bin sogar ich es leid und stopfe mir wattige Dinge in die Ohren, während ich einen Fluch gen Himmel stoße: »Unflätige Kinder!«
Nun sitze ich noch immer am Schreibtisch, wollte längst fertig sein, habe wegen einer morgigen Deadline den Abend abgesagt und erwarte eine dauernde Nacht, die Koffeintabletten - lange vergessen - liegen bereit, meine To-Do-Liste wird länger statt kürzer.
Ich strecke den Arm in den Himmel und rufe…
Do 7 Sep 2006
Posted by niels under
Lifestyle[2] Comments
Oh, was ist denn passiert?
Ich hab’ so gespielt und bekomme einen Fußball ins Gesicht…
Richtig so, denke ich und blinzle verschlafen auf jene Uhr, der ich vor vier Stunden eine gute Nacht wünschte. Ich hatte gehofft, wir würden uns nicht so schnell wiedersehen.
Neben befremdlicher Marschmusik, die der Nachbar zum Frühstück hört, begrüßt mich der Tag mit Sonne und der Zuversicht der Zeit.
»Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen.«

Und ich lächelte und war froh.
So 3 Sep 2006
Wenn ihr redet, drehe ich mich weg, du darfst das nicht als Missbilligung verstehen.
Mich beunruhigt das alles nicht. Zum Unruhigsein habe ich ja dich; wenn wir uns selten gut ergänzen, ist’s hier.

Ausstellung: Frankfurt Inside - Menschen, Mächte, Märkte
Spiegel Online Bildstrecke
Fr 1 Sep 2006
Posted by niels under
Cats1 Comment
Warum kann es nicht am ersten Tag des Septembers regnen, wie es sich für einen Septembertag gehört? Immerhin ist September ja fast Oktober.

Geweckt von einem Fleck an der Wand mit geschätzen fünf bis sieben Zentimetern Durchmesser. Ich entdeckte ihn etwa zwei Sekunden später als Leo, was reichte, auf- und ins Zimmer zu springen und mich mit etwas Schwerem zu bewaffnen, was ich ohne Skrupel eingesetzt hätte, wäre mir der Fleck zu nahe gekommen. Bevor Leo anfing, mit dem Fleck zu spielen, ihn durchs Bett und schließlich über den Boden zu treiben. Fünf Minuten lag ein toter Fleck jämmerlich aussehend angekaut vor meinem Bett, der wenig später in der Kanalisation Marburgs verschwand. Genug Spinnenbesuche dieses Jahr, meine Abwehrmaschinerie hatte heute Nacht Spaß und keinen Hunger. Oder Hunger, Spinnen dafür einen widerlichen Eigengeschmack. Ich fürchte, das werde ich nie herausfinden.
Zur Belohnung gabs Whiskas.