Mai 2006


Da muss jemand seine Katze ganz fürchterlich lieben oder ein grundlegend anderes Verhältnis zu teuren Elektrogeräten haben als ich.

(via fscklog)

Heute ist Weltnichtrauchertag. Aus diesem Anlass druckte die Zeitung, dass statistisch gesehen jeder Haushalt jährlich Waren im Wert von fünfzig Euro stiehlt. Fünfzig Euro auf alle Haushalte hochgerechnet, von denen mir die genaue Zahl fehlt, es aber gefühlt »sehr viele« sind, ergeben eine atemberaubende Summe von 4,1 Milliarden Euro (ebenfalls laut Zeitung). Bleibt die Frage, welchen Prozentsatz die tatsächlich straffällig gewordenen Haushalte stellen und welchen Wert deren tatsächliche Beute im Durchschnitt hat.
Bekannt ist hingegen, dass Zigaretten, Batterien und Spirituosen die am häufigsten geklauten Waren sind. Mit dem Stichwort »Beschaffungskriminalität« schließt sich der Kreis.

Den Geruch von Neuem mochte ich als Kind schon sehr (abgesehen vielleicht von Autos) und noch lieber war mir der Geruch, der beim ersten Durchblättern eines Handbuchs verströmte, der Geruch von frisch gebundenem Druck, der Geruch von neuem, ungelesenen Hochglanzpapier.
So saß ich eben da, mit glänzenden Augen, fächerte mir die neue Luft zu und suchte alibihaft nach Stichworten, die mich nur am Rande interessierten.

Vor anderthalb Jahren legte ich mir einen (analogen) Terminkalender zu, um etwas Ordnung in mein Chaos zu bekommen, dass sich nach dem Absetzen meines alten Kalenders in Form eines Smartphones, dass noch heute als »Ziegelstein« verrufen ist, eingestellt hat. Später dann, als ich merkte, dass man mich an Termine auch erinnern muss, schlug die letzte Stunde für den alten Lederkalender. Ich hatte die Woche vorher im Haushalt meiner Mutter einen Palm in der Hand. Klar, dass es ein solches Gerät sein musste. Doch immer wieder kramte ich das alte Handy aus, versuchte mich zwei, drei Tage mit ihm und legte es wegen fehlender Synchronisationsmöglichkeiten stets zurück in den Schrank.

Am Wochenende kam eins zum anderen: Doreen schloss im Handyladen um die Ecke einen neuen Vertrag ab und da ich mit meinem alten Anbieter von Beginn an unzufrieden war, tat sich es ihr gleich.
Heute holte ich den Nachfolger des alten Ziegelsteins ab, habe dem Palm, bei dem mir stets die Tastatur fehlte, meinem Nachlassverwalter übereignet und weiß schon jetzt, dass ich das vergangene Wochenende nie bereuen werde.

In den Vorlieben gleiche ich meiner Katze zumindest farblich - die Lieblingsfarben von Katzen ist blau.
Gestern wollte ich eigentlich über Leos Geburtstag schreiben, er wurde immerhin vier Jahre alt, wir feierten das mit einem rauschenden Fest. Wie gewöhnlich verschlief er seinen Ehrentag zu mindestens fünfundsiebzig Prozent, doch schienen ihm seine Geschenke in den übrigen sechs Stunden einige Freude zu bereiten.

Sebastian sagte mal, dass er am besten nachts arbeiten kann. Ich habe ab und zu die Frühaufsteherthese probehalber verteidigt, muss aber jetzt einsehen, dass mir der Vormittag außer Kaffee und der Tageszeitungs-Lektüre wenig bringt, arbeiten kann auch ich erst später, abends.
So kommt es, dass ein drückender Termin nach dem lange ausgemachten Kinobesuch und - man will’s ja nochmal versuchen - ab acht Uhr morgen bedient werden möchte. Dann muss das mit dem Aufstehen aber besser klappen als heute.

Hey du,

das war wohl nichts. Dieser eigentlich breite und gestern doch viel zu enge Flur, diese Lehramtsstudenten, die erklären wollen, wo das Wort »Fisimatenten« herkommt und deine Hitler-Herpes-geschlagene Mitbewohnerin, die mir erst die Hand und schließlich die Gitarre entgegenstreckt.
Das Bier war billig und schlecht, die Musik grenzwertig. »Deine Party stinkt« hättest du wohl gern selbst aufgelegt, denn das musstest du gemerkt haben. Wer sich nicht abwandte, wurde von Belanglosigkeit gequält, bei der er mitmischen oder über die er den Kopf schütteln musste.
Wir entschieden uns fürs Gehen.

Doch ich träume
und ich sehe
seh’ nicht, nicht hin.
Doch ich träume.

(Britta - Kaktus)

Heute lag das letzte fehlende Utensil zur vollkommenen Mannheit im Briefkasten:

Kreditkarte

Der Brillenladen um die Ecke verschmiert jene Brille beim Richten, die mir sonst glasklar von der Nase rutscht und selbst der schmalste Edding eignet sich kaum für die Unterschrift auf dem futuristischen Zahlungsmittel. Der Verkäufer im Spielwarenladen lächelt, als ich ihn nach blauen Flummis für meine Katze frage und kann mich nur auf einen erneuten Besuch in zwei Wochen vertrösten. Das muss ich Leo erklären, der in fünf Tagen Geburtstag hat.
Aus Frust habe ich heute die Ablage ausgemistet und mindestens eintausend Blatt Werbeunterlagen, Papiere, Zusammenfassungen und Texte auf Nimmerwiedersehen abgeheftet. Im Wegwerfen bin ich lächerlich schlecht.

Als ich mir das letzte Mal - vorgestern - sagte, ich verzichte den Rest meines Lebens auf Alkohol, war ich der Überzeugung, gar nicht so viel getrunken zu haben. Anlass war eines der seltenen Koch-Treffen mit meinen ehemaligen WG-Mitbewohnern aus Marburg, bei dem Dennis leider fehlte.

Der Junge mit der Gitarre

Ich werde in Momenten immer furchtbar sentimental, während ich mir Nudeln in den Mund stopfe und »Jaja, damals« wieder herausfallen lasse. Wenn jemand diese WG als die schlimmste Erfahrung im gemeinsamen Wohnen bezeichnet, ist es meine einzige mit mehr als zwei Leuten, die zwar ihre nervigen Moment hatte, rückblickend betrachtet - dem Rückblick wohnt bekanntlich die Idealisierung inne - jedoch eine angenehme.

Ich habe mich letztens sogar dabei erwischt, dem Garten nachzutrauern. Und von anderen weiß ich, sie vermissen die Vögel.

Wir standen und redeten, als ich sagte, dass doch Accenture gar nicht schlecht klinge. Er schaute mich entsetzt an, kramte wortlos die aktuelle Zeit hervor und drückte mir den Innenteil in die Hand mit den Worten, das solle ich doch bitte einmal lesen: »McKinsey und ich«

Also liege ich hier, mit einem Kaffee auf dem Nachttisch, dem Laptop auf dem Bauch und der Zeitung in der Hand und würde viel dafür geben, dass ich diesen Segeltörn auf der Ägäis hätte machen können. Dass mein Gegenüber etwas anderes bezwecken wollte, weiß ich aus seinen die Übergabe der Zeitung begleitenden Worten.
Ich bin gerade in einer Phase, in der ich meine Art zu arbeiten, vielmehr mich für die vergangenen und vertanen Jahre hasse. Das ist dieser “Hättest du doch mal früher”-Gedanke, der mich seit Ewigkeiten begleitet, und dem ich jetzt endlich, wenige Monate vor meinem Diplom ein Schnippchen schlagen möchte.
Und da sind ein paar Dinge, die deshalb gar nicht so einfach sind.
Jetzt geht wieder alles von vorne los.

Meine Nachbarin - die eigentlich nicht meine Nachbarin ist, sondern vielmehr die Wohnung der eigentlichen Nachbarin nutzt, was die Vermutung nahelegt, sie sei die Schwester (oder der gestern mit ihr frühstückende Mann der Bruder) - legt die Messlatte für Kettenraucher beeindruckend hoch. In der letzten Stunde, die ich eigentlich damit verbringen wollte, nicht auf irgendwelche Nachbarinnen zu achten, drängen sich in den Augenwinkeln stetig Rauchschwaden in mein Gesichtsfeld. Grob überschlagen muss das die fünfte Zigarette sein, die sie in den vergangenen sechzig Minuten angesteckt hat.

Heute vormittag erleichterte sich jemand zum dritten Mal in der Gasse vor unserem Eingang und mich wurmt, dass ich das trotz offenem Fenster nicht mitbekommen habe. Es ist ziemlich anstrengend, nicht zu wissen, über wen man sich ärgert.

Heute war kein guter Tag, vielleicht hätte ich es machen sollen wie meine Katze.

Leo schläft

Es ist erschreckend, wie schnell die Zeit vergeht. Mir kommt es vor, als habe ich erst gestern geschrieben, dabei ist es schon drei Tage her (und auch das war nur ein Eintrag gegen die Verwaisung des Blogs).

Im Augenblick befinde ich mich knietief in zwei Projekten und entdecke die Möglichkeiten eines Wikis für mich. In beiden Fällen benutze ich es zur Dokumentation und bin begeistert, auch wenn ich keineswegs solch beeindruckende Ergebnisse wie die Wikipedia vorweisen kann.
Zwischenzeitlich habe ich meine beiden Hausarbeiten im Nebenfach zurückbekommen, in der Arbeit über Weblogs war einer der größten Kritikpunkte, dass wir aus der Wikipedia zitiert haben. Sie passt meines Erachtens vorzüglich zur Blogosphäre, im Lehrkörper jedoch ist die Akzeptanz der alternativen Enzyklopädie noch nicht derart weit vorangeschritten.

Viel mehr Sorge bereitet mir mein zweites Diplomprüfungsthema: Vilém Flusser. Auch hierzu entstand eine Hausarbeit, für die Abschlussprüfung werde ich jedoch um die Lektüre der zehn, in meinem Regal wartenden, Bücher nicht mehr herumkommen.

Heute bin ich wohl sehr sentimental, wenn mir das Tränen in die Augen treibt und mich dieses richtig froh macht. Das muss irgendwann gestern angefangen haben, als ich vor der Bühne, auf der Britta spielten, einen Kloß im Hals hatte.

Das ist so ein Happy Song,
für alle Leute, die ihn hören wollen
und er erinnert mich an dich.

Ich gehe jetzt meine Katze knuddeln, die es mir vorhin mit dem Einsatz ihrer Krallen dankte.
Meine Nasen- und Augenbrauenschramme trage ich mit Stolz, während drüben über Pornos diskutiert wird.

Das war er also, der Linuxtag 2006. Am Morgen eröffnete ein Vortrag über Nietzsche, den meine Begleitung - ein Kommilitone - und ich nach fünf Minuten verlassen mussten. Keine Präsentation, der Vortrag wurde vom Blatt abgelesen und entsprach in keiner Weise unseren Erwartungen, obwohl wir nicht wussten, was wir erwarten sollten und gerade darum im Auditorium saßen. Wir vertrieben uns die Zeit zwischen den wenigen interessanten Ständen, die von den auf einer Linuxmesse erwarteten Freaks belagert wurden.
Den einzig interessanten Vortrag hielt Steven Hand von der University of Cambridge über Virtualisierungstechnologien. Hier trafen wir unseren Dozenten, der an unserer Uni eine Vorlesung mit genau diesem Titel hält und sich nach dem Vortrag begeistert in die Konversation mit dem Referenten stürzte, während wir den nächsten Fehler begingen.

Eine Rahmung kam durch den Abschluss zu Stande, den wir zwei Stunden vor dem eigentlichen Ende terminierten, weil der Parkschein abgelaufen war und die letzten Stunden wenig Spannendes versprachen. Weil Informatiker zum Lachen in den Keller gehen, folgten wir ihnen und dem Programmheft zu einer Vorstellung, deren Titel uns umgehend zwei Stufen auf der Nerd-Leiter aufwärts katapultieren sollte. Der Dozent war ein ebensolcher Ubergeek, seine Präsentation erschöpfte sich im Vorlesen einer Manpage; Während er nur bei einem eigenen grenzwertigen Witz über Firewire einen Lachanfall bekam, rieben Heiko und ich unsere vor Lachen tränenden Augen in der letzten Reihe. Nebenan scheiterten »Hacker« an einer normalen Anmeldung an einem Computer und wenig später saßen wir bereits im Auto und gestanden ein, dass dieser Tag die Erwartungen nicht erfüllt hat.

Dass ich gestern einwilligte, das Joggen auf 6 Uhr in der Früh zu verschieben, bereute ich noch am selben Abend. So richtig hasste ich mich dafür allerdings heute nacht beim letzten Blick auf die Uhr, die 3.48 zeigte und höhnisch lachte: In zwei Stunden klingelt der Wecker.

Seitdem habe ich Kopfschmerzen, ein paar alte Mikrowellenpommes gegessen, obwohl die frischen Brötchen gleich daneben liegen. Aber ich dachte, Fett bindet sowieso viel, warum nicht auch Schmerzen? Geholfen hat es nichts.

Doreen, wegen der wir so früh liefen (»Ich muss um halb acht in der Uni sein!«), merkte bereits gestern abend: »Stell’ den Wecker auf zwanzig vor sieben.«