Damals, als LiveJournal seine Anmeldebeschränkung aufhob und jeder ein eigenes Journal starten konnte, ging ein Schrei durch die Reihen der alteingesessenen Benutzer, tags darauf gründete sich mit der Community “Hochhaussprung” eine pseudoelitäre Gemeinschaft, die sich in der obligatorischen Selbstbeschreibung als “die Elite des LiveJournals” charakterisierte.

In Folge dessen konnte man beobachten, was auch in der Blogosphäre wahrnehmbar ist: Die Anzahl der Blogs explodiert, Tausende erkunden Neuland und merken, dass die regelmäßige Befüllung eines Weblogs ein gewisses Maß an Disziplin und Zeit erfordert, verlieren die Lust und lassen die Blogs brachliegen oder gleiten in die Belanglosigkeit, um täglich schreiben zu können.
Die Zahl der uninteressanten Weblogs steigt, wahrscheinlich wird sogar ihr Anteil in der Blogosphäre größer, doch beginnen ein paar Schreiber, deren Geschichten man gern liest.

Die Liste der Abonnements in meinem RSS-Reader enthielt bis vorhin knapp weniger als einhundert Einträge; wenn man abends vor 250 ungelesenen Beiträgen sitzt, erlaubt einem die Abgekämpftheit bestenfalls ein grobes Überfliegen mit dem Bewusstsein, seine Lieblingsblogs nicht hinreichend berücksichtigt zu haben.
Von etwa der Hälfte dieser Abonnements habe ich mich heute getrennt. Die Blogschwemme hat nämlich einen sehr unangenehmen Effekt: War Blogosphäre für mich bisher positiv konnotiert, bilden sich neuerdings verquickte Gemeinschaften, die mich an das LiveJournal-Niveau erinnern, aufgrund dessen ich diesem Anbieter damals den Rücken kehrte.