Obgleich mir mein Bundesland unangenehm ist, ich den Dialekt hasse und auch sonst wenig Tolles an der Region finden kann, ist mir der Name in einem anderen Kontext nicht negativ konnotiert.
So findet sich in der Antwort auf die Frage, welche meine Lieblingsbücher seien - eine kaum zu beantwortende; nach spätestens fünf Minuten möchte man das Gesagte revidieren - stets der Demian.

»Da lesen wir Homer«, höhnte er weiter, »wie wenn die Odyssee ein Kochbuch wäre. Zwei Verse in der Stunde, und dann wird Wort für Wort wiedergekäut und untersucht, bis es einem zum Ekel wird.«

(Hermann Hesse - Unterm Rad)

Ich mag Hesse, auch wenn man mir in der Schulzeit den Autoren mit Durchkauen des Steppenwolfes madig zu machen versuchte. Tatsächlich habe ich den Steppenwolf verflucht und gehasst und dass ich später mit Demian anfing, war ein - wie sich herausstellte - glücklicher Zufall. Der einzige Fakt, den ich aus dem Deutsch-LK damals noch weiß, ist die Homosexualität des Autoren. Seitdem wäge ich jeden seiner Sätze auf mögliche Zeichen ab, aber Hesse macht ja keine Anstalten, seine sexuelle Ausrichtung zu verbergen.
So behalte ich Demian mit einer Atmosphäre im Gedächtnis, die Fakten verrät. Und auch Unterm Rad, das ich nunmehr zum mindestens vierten Mal begann, legt diese Vermutungen schon weit vor der Hälfte nahe. Obwohl das Fahnden anstrengend ist, kann man es nicht abstellen.
Das ist, was Knut meinte, wenn er sagte, zum Zerstreu bleibe einem Medienwissenschaftler doch nur das gemeine Fußballspiel.