November 2005


Bevor man im Internet an gewissen Kommunikationsstrukturen teilnimmt, sollte man sich die diesbezügliche Netiquette durchlesen, die Verhaltensregeln aufstellt und - weil das anscheinend nicht immer vorausgesetzt werden kann - grundlegende Höflichkeit definiert.
Die Netiquette für sozialen Umgang im wirklichen Leben nennt sich Etikette und sollte dem Individuum in früher Erziehung angelernt und mit zunehmendem Alter verfeinert werden. Dass es oftmals nicht weit her ist mit gutem Benehmen, zeigen am Bus vorbeigähnende Radfahrer oder Schulkinder, die sich mit Händen und Füßen gegen sitzplatzbeanspruchende Senioren wehren. Hände gehören beim Essen nicht unter sondern auf den Tisch (Ellbogen dagegen nicht), man beginnt gleichzeitig mit dem Einnehmen der Speisen und nicht asynchron und beachtet sein Umfeld, wirft niemandem die Tür vor der Nase zu.

Der Verzicht auf Manieren hat nichts mit einer neuen ‘68er Generation zu tun und dem Erhalt deren Erbes, fällt dramatischerweise aber immer weniger auf. Wenn ich oben genannte Radfahrer kritisiere, gelte ich als kleinlich. Wenn Benehmen dort nicht anfängt, wo dann? Das Argument, man befände sich in einem privaten Raum wird ad absurdum geführt, wenn wir uns den popelnden Fahrer im Nachbarauto vorstellen.
In der Aufgabe privater Räume, d.h. von Situationen, an denen die Öffentlichkeit nicht partizipieren kann, bedingt sich die Ausweitung der Etikette auf eben diese.
Während die Vorzüge der Multimedialität und Multikonnektivität, die diese Abschaffung mitunter bedingen (Webcams, …), gefeiert und genutzt werden, ist man im Gegenzug nicht bereit, diesen durch Investition eigener Mühen Rechnung zu tragen.

Kommunikation beruht auf Richtlinien, Höflichkeitsformen und bewährter Normen, die es meines Erachtens wert sind, en gros adaptiert zu werden. Ich werde gern mit “Guten Morgen” begrüßt und schließe Briefe und eMails “mit herzlichen Grüßen”. Mit “Ey Alder” kann ich mich dagegen weniger anfreunden, auch charakterisieren orthographische Fehler in den meisten Fällen keinen Zeitmangel sondern Missschätzung des Kommunikationspartners.

Ein Duden und der Knigge gehören in jeden Kopf.

Die Zeiten, in denen list of sucesses mit loss abgekürzt wird, die Bügelwäscheberge den HiFi-Turm überragen.
Die Zeiten, in denen man sich Füller statt Autos kaufen muss, um überhaupt etwas zu merken und Dinge schreibt statt zu sagen, um überhaupt wahrgenommen zu werden.
Die Zeiten, in denen Aldi Eiswein verkauft, ich abends ein Glas roten trinke, um überhaupt einschlafen und morgen sauerstoffangereichertes Duschgel verwende, um aufwachen zu können.

Und ich wollte dir nicht glauben,
als du sagtest “tut mir leid,
diese Zeiten waren golden, doch
jetzt sind sie vorbei.”
Diese Adresse ist die letzte
für eine lange Zeit.

Tocotronic - Die letzte Adresse

Ich kann nicht einschlafen.
Das hat man davon, wenn man sich die nächtlichen Stunden mit medientheoretischen Texten um die Ohren schlägt. Die Alternative wäre gewesen, morgen ein wesentlich früher aufzustehen, um die Lektüre bis zur Vorlesung abzuarbeiten. Diese Deadline wäre allerdings eine fixe, die sich - legt man das Lesen auf einen vorherigen Abend - komfortabel durch eine Verkürzung der Nacht abpuffern lässt.

Denkste.
Nachdem ich gestern bis vier Uhr morgens nicht einschlafen konnte und heute morgen nur mit Mühe pünktlich in der Uni war, wäre das bei einem Tag wie morgen, an dem selbst die Mittagspause Terminen zum Opfer fällt, fatal. Stattdessen probiere ich Andis Methode aus und konsumiere ein Bier.
Irgendwer hat erzählt, dass die Tage nach einem ausufernden Abend deshalb von Antriebslosig- und Müdigkeit dominiert seien, weil der Körper die Nacht mit dem Abbau von Alkohol verbringt anstatt sich erholen zu können. Ob diese Alternative also eine tatsächliche ist, werde ich morgen früh wissen, wenn alle drei Wecker in den Kanon der Dämmerung einstimmen. Man weiß ja nie.

Der Staat Texas wird ja häufig mit zu kritisierenden Tatschen in Verbindung gebracht: Die unerbittlich vollstreckte Todesstrafe und Heimat des amtierenden (und oftmals zu kritisierenden) Präsidenten der Vereinigten Staaten.
Nach einem Geheimdokument wird der gewünschte Umgang mit kritischer Presse offen gelegt, die Bush “in Katar und anderswo bombardieren wollte”. Namentlich wird hier der Sender al-Dschasira genannt.

Pluspunkt für Texas ist die Klage gegen Sony BMG wegen des seit Anfang November viel beachteten Kopierschutzes. Ich freue mich, wenn Sony BMG wieder Umsatzeinbußen wegen der mutmaßlich beschuldigten Tauschbörsen hat. Im Ernst: Wer will die Musik in den Charts wirklich hören, außer den musikdesinteressierten Konsumenten von Privatradiostationen, die sich keine Audio-CDs kaufen (oder Sampler à la Bravo Hits vorziehen)? Die Konzerne geben sich wirklich Mühe, die letzten potentiellen Käufer zu vergraulen. Merkt keiner, dass genau die gegenteilige Richtung du erfolgreichere wäre? Bei den Gehältern sollte man Borniertheit nicht noch in den Arbeitsvertrag schreiben!

Stuckrad-Barre hat ein neues Buch geschrieben. Soloalbum habe ich gern gelesen, obwohl es nur ein müder Abklatsch von Hornbys High Fidelity ist. Die anschließend veröffentlichten Bücher waren durchweg schlecht, konnten der Überbewertung der personifizierten Arroganz allerdings keinen Abbruch tun. Gelesen habe ich sie trotzdem. Welches Startkapital ein ehemaliger Gagschreiber von Harald Schmidt hat, verwundert zutiefst. Das nächste erwähnenswerte Werk war seine Textsammlung Deutsches Theater.
Die Amazon-Rezensionen zu seiner neuen Veröffentlichung sind wieder eindeutig, auch wenn diesen mit Vorsicht zu begegnen ist:

Das Buch Kleider machen Leute ist ein Buch, das man mindestens dreimal lesen muss, um alles 100% zu verstehen. Alles ist ziemlich lang umschrieben und kein bisschen lustig oder spannend, sondern einfach nur trocken. Für Leute, die gerne gute und ausdrucksstarke Literatur lesen wollen, ist dieses Buch sicherlich sehr interessant, Leute, die Humor, Action und Spannung erwarten, sollten lieber die Finger davon lassen

(Rezension zu Gottfried Kellers Kleider machen Leute)

Er hat ein neues Jackett, stiefelt stierend durch die Gassen, du neben ihm her, kannst ihn betrachten, ihn stört es nicht, er merkt es nicht. Das schmutzige, abgegriffene Schwarz fliegt nicht, es schleicht, die Haare wie üblich zerzaust. Die Flecken im Licht, halte Abstand und biege hinter ihm ein um nicht überholen zu müssen.
Sterben die Schritte vorm eigenen Selbst?

Auf meinem neuen Axe-Duschgel klebt ein Gutscheincode, der eine 10-Euro-Ermäßigung bei Frontline einräumt. Leider hat Unilever/Axe es versäumt, den korrekten URL auf das Etikett zu drucken bzw. sind am Phänomen der “case sensitivity” gescheitert (die korrekte Adresse enthält nur Kleinbuchstaben). Dort findet sich unter anderem ein Gewinnspiel, an dem ich mit meiner GMX-Adresse teilnehmen wollte. Nach Ausfüllen aller Felder aber der Deaktivierung des Hakens bei “Newsletter” schlägt mir folgende Meldung entgegen:

Bitte fülle alle Pflichtfelder aus.

Dass sie zusätzlich einen 5-Euro-Rabatt anbietet, damit man sich für den Newsletter anmeldet, macht diese Firma zusätzlich unsympathisch. Sie ist sowieso zu teuer.

Ein Freund rief an: “Hör’ mal, wenn es dich int’ressiert,
Ich lese grad, Don Rosa ’s in der Stadt und signiert”

Don Rosa

Nur wenige Lieder hängen mir über lange Zeit im Gedächtnis. Sven von Reinhard Mey ist eines jener Stücke, die sich immer wieder aus dem Unterbewusstsein in höhere Sphären graben, ob ich im Bus sitze, in einer Vorlesung oder die Zeitung lese.

Apropos Don Rosa: Ihm steht der Dreitagebart (der gepflegt und vielleicht doch älter ist) im Gegensatz zu dem neuen SPD-Parteivorsitzenden hervorragend. Ich kann mich noch immer nicht an den Anblick eines unrasierten Gesichtes gewöhnen, das einem Anzugskragen entwächst. Trends werden gemacht, und dies ist ein auffälliger. Die Resonanz in der Bevölkerung kann unmöglich lange dauern: Augen auf nach kleinbürgerlichen Platzecks auf dem Weg zur Arbeit!

Ich bin kein Fan von Donald Duck. Aber vom Aussehen Platzecks werde ich es nie.

“Please, Mister Don Rosa”, bat er heiser,
“Can you write: Für Hans-Dieter Kaiser?”

In Linz gibt es viel Polizei
und trotzdem bin ich allein.
Ich tanz’ die ganze Nacht
und trotzdem bin ich allein.

Nicht einmal Fahrradfahrer halten die Hand vor den Mund, wenn sie gähnen. Eine Pandemie, gegen die Vogelgrippe wie eine Kinderkrankheit wirkt. An Bushaltestellen, Supermärkten und Einkaufsstraßen kommt einem täglich mindestens eine Person entgegen, die den Blick in den Rachenraum ermöglicht. Heute war es gar ein Angestellter der Personenbeförderungsbetriebe, der mich stumm anschrie.

Vor mehr als einem Jahr stellte ich das Bedürfnis nach einem omnipräsenten Notizbüchlein fest. Heute besitze ich zwar einen A6-formatigen Block, der Notizen für Zeitungsartikel aufnehmen sollte, mir aber zum täglichen Mitführen noch immer zu groß ist. Vorlieb nehme ich zur Zeit mit der Memo-Funktion des Mobiltelefons, die mich immer wieder kurze Fragmente aufnehmen lässt, welche ich zu Hause nicht selten erfolglos zu entschlüsseln versuche. Für praktikabel halte ich diese Technik auch nur an vergleichsweise menschenleeren Orten. Wer Sätze wie “nicht einmal die Fahrradfahrer halten die Hand vor den Mund, wenn sie gähnen” auf der Heimfahrt im Bus ins Handy spricht, erntet ebenso fragende Blicke wie der erwähnte Fahrer des Velozipeds.

An einem der Tage, deren Soundtracks aus Mixtapeliedern bestehen, stellte ich fest, dass ich Kassetten besitze, die mit “Happy End” beginnen.

Mein Ausflug in die Redaktionsräume einer mittelhessischen Zeitung ist fast einen Monat her.

Lohneingang

Umso erstaunter war ich, dass auf den heutigen Kontoauszügen ein Geldeingang von eben diesem Verlag verzeichnet war, der mich mit einem Stundensatz von etwa 1,25 Euro entlohnte. Das hätte ich nicht erwartet, da wir nie über die Bezahlung sprachen und mein Abgang ja äußerst plötzlich geschah. Diese Geste finde ich allerdings sehr nett und freundlich.

Weil ich mich im Rahmen des Praktikums mit dem Linux-Kernel beschäftigen muss, aber keine solche Installation mehr betreibe, habe ich mich nach vielen Kommentaren diesbezüglich mit frei verfügbaren Emulatoren beschäftigt, in denen ich ein Linux installieren und am Kernel spielen kann, ohne Sorge um Datenverlust haben zu müssen. Dabei fällt auf, dass freie Emulatoren vor allem eins sind: langsam.

qemu

Der erste betrachtete Kandidat war qemu. Das Einrichten einer neuen Maschine ist nicht wirklich komfortabel, geht aber gut von der Hand. Gerade, weil es für dieses Programm auch grafische Frontends gibt, muss man sich nicht mit den Kommandozeilenparametern herumschlagen.
Die Installation eines rudimentären debian-Systems mit einem 2.6er Kernel über das Netzwerk nahm den gesamten gestrigen Nachmittag in Anspruch (lässt sich aber gut nebenbei erledigen, weil der Computer die meiste Zeit selbstständig arbeitet). Nach einem Blick auf die CPU ist der Grund bekannt: hier wird ein Pentium II mit knapp 18,5 MHz emuliert. Auch wenn solche Angaben mit Vorsicht zu genießen sind, bestätigt das Gefühl die Taktfrequenz des virtuellen Prozessors.

macbochs

Noch gemächlicher ging Bochs zu Werke. Ich kam zu keiner Installation, weil die Boot-CD zu lange brauchen würde. Selbst bis zur dritten Nachkommastelle behauptet die cpuinfo, dass es sich um einen Pentium 60/66 mit 0 MHz (und einem f00f-Bug) handeln würde (mit immerhin 0,81 bogomips, qemu brachte es auf 361). Tatsächlich ist der Grafikaufbau indisuktabel langsam, dass sich die Verwendung dieses Emulators von vornherein ausschließt. Die neueste Version kompilierte allerdings nicht, so dass eine Version aus dem Frühling des letztens Jahres eingesetzt wurde, überdies war die Konfiguration beispiellos vertrackt.

Es muss angefügt werden, dass an den installierten oder gebooteten Systemen keinerlei Optimierung durchgeführt wurde. Für qemu gibt es offenbar ein Kernelmodul, was die Leistung teilweise verbessern soll. Nachdem ich selbst erlebt habe, wie zäh diese Emulatoren arbeiten, mache ich mir aber keine großen Hoffnungen, mit diesem Modul noch etwas retten zu können.
Vielleicht kann ich die Uni überreden, mir für die Praktikumsdauer eine Lizenz für einen kommerziellen Emulator zur Verfügung zu stellen. VirtualPC beispielsweise arbeitet deutlich schneller, dort sind die installierten Systeme ernsthaft verwendbar.

You've come a long way, BabySiebenhundert Kilometer und zwei Tankfüllungen später ist Doreens andere Katze ebenfalls in Marburg heimisch. Ein Sanatorium ohne Jagdhunde, eine Pension ohne Auslauf und trotzdem besser als das Leben im letzten Jahr, in Freiheit zwar aber mit Verlust der Bezugspersonen. Ich wusste gar nicht, wie wenig Probleme Katzen beim Autofahren machen können, Leo ist da bedeutend anstrengender und lauter.

Geschlafen wie ein Stein. Nach zwei Tagen wie diesen.
Schön, dass sich manche Menschen nicht verändern. Und gut, dass andere das tun.

Am Morgen dieses Tages war das Wetter annehmbar und die Luft kühl.

Mein Kopf ist, seit ich davon gehört habe, leer. Alles, was ich schreibe, erfordert größte Anstrengung. Ich habe mich heute mit drei Programmiersprachen beschäftigt, der Output ist immateriell (abgesehen von den fünfzig Zeilen Haskell-Code heute morgen) - also deprimierend.
Ich habe nicht einmal Bilder als Platzhalter für die Leere. Wo ich bin, ist nichts. Wo du bist, Leichen.

… Beglückwünsche sie. Mach ihr den Hof. Sag herzlich Danke, pack deine Siebensachen und verbringe Weihnachten in Marburg. Völlig verschissen!

(SMS, 11.11.05 17.28 Uhr)

Heute starb eine Katze im Maul zweier Hunde, zu Bestien gezüchtet von anderen. Doreen ist zu Hause und holt ihre Katze. Das war absehbar wie die Reaktion der Besitzer. Die Hunde bekommen einen Orden und beim nächsten Stammtisch ein Prost auf die Jagd.
Ohnmächtige Wut auf Bekannte.

Am Abend dieses Tages ist der Regen, der durch gefrorene Luft auf kalte Körper fällt.

Ich hasse Menschen.

Die wenige Zeit in den letzten Tagen hat sich endlich auch hier gezeigt.
Vorgestern rief Burkhard an, der zu Zeiten meines Abiturs (und kurz darüber hinaus) den Buntspecht in Herborn besaß und mit dem einige meiner Freunde und ich eng befreundet waren. Nach der Aufgabe des Buntspechts hat sich der Kontakt im Sand verlaufen, Dennis und ich hatten lange einen Besuch geplant, zu dem es nie gekommen ist. Meine Oma hat ihm meine Telefonnummer gegeben, vielleicht vielleicht er bereits an diesem Wochenende nach Marburg kommen.

Mein im Grid Computing angesiedeltes Praktikum haben wir heute komplett neu definiert. Die Aufgabe lautet nun, gewisse TCPA-Funktionalität in den Linux-Kernel zu integrieren.
I’m going to be a kernel hacker.
Scary!

Das Schöne ist: Vor zwei Tagen habe ich meine Linux-Installation auf dem Server unter meinem Bett zugunsten von FreeBSD aufgegeben. Und mir alle Backups gelöscht. Wenigstens die User-Homes haben aus meinem SCSI Tape-Drive überlebt. Ich spiele sie gerade zurück.
Jetzt werde ich mir noch einen dritten Rechner für die Dauer des Praktikums hinstellen müssen, mit dessen Kernel ich rumexperimentieren kann. Zwar wird auch in der Uni eine Kiste zur Verfügung stehen, doch Kernelgeschichten machen nur bei physischem Vorhandensein der Hardware Sinn. Es gibt Schöneres als nachts in die Uni zu fahren und einen Rechner resetten zu müssen.

Der Tag war lang, die früh ersonnene Planung bereits um 10 Uhr beim Teufel und ich endlich, elf Stunden später, zu Haus. Am 12. Dezember werde unter anderem ich im Rahmen des Linguistik-Seminars einen Vortrag über Weblogs halten und damit das Thema der Hausarbeit zementieren, die es spätestens im April auf dieser Seite zu lesen gibt.
Ich weiß leider nicht, ob man ein Seminar über das Thema ausrichten kann, würde mich aber darüber freuen. Natürlich gibt es dies nur in den Geisteswissenschaften. Ja, ich liebe sie wirklich und nein, ich habe auch keine Probleme mit Studenten dieser Fachrichtungen. Wenn das so herüberkommt: Alles Lüge!
Über hochschulpolitische Themen werde ich mich heute nicht äußern.

Wir haben in der Sonne gesessen und Namen getauscht, des anderen Nach- an dein eigenen Vornamen gehängt. Das war vor einigen Jahren. Spricht man mit Menschen über Namen, fängt die Freundschaft an.
“Behalte deinen Kopf” sagte sie.
Ich “Behalte mich”

Manchmal möchte ich wieder
Lieder
schreiben
können

Kommt der Bengt raus spielen? Hab ich die Mutter gefragt,
wo der Bengt denn bleibt, da hat die Mutter gesagt:
Im Leben kriegt man nichts geschenkt, Bengt ist im Keller und bangt.

Threesome Painter

Der vierte Docht in der kondensgefüllten Flasche. Das lebensfeindliche Biotop bringt den ersten Stalaktiten hervor, die nichttropfende Kerzen hat diesen Schreibtisch versaut.
Gab es jemals eine Sintflut, ist der richtige Augenblick dieser, den Schmutz aus der Gasse zu spülen. Die Stadt, das Land waschend. Ein anachronistischer Tanker mit letztem Kohlenstoff für die Motoren der Evolution.
Flusser hatte Recht. Das Analoglicht zuckt im Widerschein, verbeugt sich dankend und geht. Aus
dem Kaltlicht tönen Sirenen.

Kommt der Bengt raus spielen? Hab ich die Mutter gefragt,
wo der Bengt denn bleibt, da hat die Mutter gesagt:
Im Leben kriegt man nichts geschenkt, Bengt ist im Keller und hängt.

Zum wiederholten Male werden im Gespräch Argumente gegen ein Studienfach gebracht, was gern gewählt werden würde, aber bei dem zu erwartenden Aufwand inakzeptabel ist.
Was mache ich falsch? Wenn ich neben meinen spießbürgerlichen Ansichten die Meinung vertrete, man solle sein Studium bitte nach Interesse wählen und nicht nach einer Aufwandsabschätzung, falle ich dann endgültig in die Menge der FDP-Wähler? Ist es völlig uncool, länger als zwölf Semesterwochenstunden in Vorlesungen, Seminaren und sonstigen Lehrveranstaltungen zu verbringen? Ist um 7 Uhr aufstehen so ungewöhnlich, dass fünfundsiebzig Prozent aller Gesprächspartner irritiert nach dem Grund fragen?
Völlig uncool ist meine Meinung: Nach diesen Kriterien entscheidende Studierende gehören nicht an die Universität. Sie sind - auch im eigenen Interesse - in einer Lehre besser aufgehoben, als (eventuell staatlich gefördert) einige Jahre nichtstuend in ihren Wohnungen zu lungern. Im eigenen Interesse deswegen, weil sich der an Faulheit gewöhnte Mensch kaum mehr von selbst aufrichten kann. Ich weiß leider, wovon ich spreche.

Das ist keine Brandrede gegen geistes- oder sozialwissenschaftliche Fachbereiche. Das ist der Eindruck, den ich habe, wenn Studenten nach vielen Semestern (falls sie überhaupt) noch in den Vorlesungen sitzen, gähnend kommentieren “wie langweilig”.

Das einzig Produktive am eigentlich Uni-freien Tag war das Treffen unserer Lerngruppe heute morgen. Schon am Nachmittag forderte der Schlafmangel in letzten Tagen Tribut und zwang mich auf die Matratze, erst lesend, später wälzend, geweckt von einem Telefonanruf kurz vor dem Friseurtermin.

Die Invasion der Freaks, eine nicht annehmbare Einladung, fünf Stunden später und doch nicht schlauer. Ein Mensch hat meine Handynummer, ein Mensch, der weiß was geht.

Es ist Wochenende, es regnet in Berlin.

Diese verschissene, engstirnige Musikindustrie wundert sich, dass Umsatzeinbußen hinnehmen muss?
Wenn ich sowas lese, hoffe ich, dass sie pleite geht! Nachdem man sich wundert, dass sich der Markt um Zombiepop nicht so reißt, wie man hoffte - wer kann diese ganzen “The”-Eintragsfliegen schon auseinanderhalten? Wer braucht zwanzig Catterfelds? - nachdem das Online-Verkaufsmodell der großen Labels scheiterte - dabei waren die qualitätsreduzierten MP3s, die man nicht brennen durfte, doch nur geringfügig teurer als die CD-Pendants, darüber hinaus war man die lästige Hülle und das Artwork los - tuten die Pfeiffen jetzt zum Großangriff.

Ein vom Majorlabel Sonymusic verwendeter Kopierschutz spioniert […] unbemerkt die Rechner von CD-Käufern aus. Der ahnungslose Musikfreund bekommt davon gar nichts mit, […] in seinen Rechner installiert sich die Spionage-Software XCP unbemerkt. Fortan beansprucht sie dauerhaft einen Teil der Prozessor-Leistung, in dem sie etwa im Sekundentakt alle Prozesse auf “verdächtige Tätigkeiten” hin überprüft. Zudem tarnt sich die Spionage-Software perfekt und öffnet somit auch weiteren Hackern und weiterem Missbrauch Tür und Tor.
[…] Zudem sei die von First 4 Internet entwickelte Software derart unsauber programmiert, dass es zu Systemabstürzen und massiven Datenverlusten kommen könne.

Merkbefreite, bürokratische Sesselpupser, sie sind offenkundig für alles zu blöd. Man hat den Eindruck, wer nicht kopiert, sei selber schuld. Kauft Platten! Die Investition in Vinyl lohnt. Zwar ist das Umdrehen lästig, doch kommt nur vergleichsweise qualitativ hochwertige Ware auf den Vinyl-Markt, man erkennt das Cover-Artwork und wer eine drehende Schallplatte im Kerzenlich beobachtet hat…
Wenn das nicht gangbar ist: Tut euch einen Gefallen und hört Musik über die (Stereo-)Anlage. HiFi-Boxen spielen mehrere Ligen höher als die Brüllwürfel des Computers.

An die Tatsache, dass mir mein rechtes Ohr - hörsturzgeplagt durch das ein oder andere Konzert - zeitweise pfeiffend durch die Lappen geht, habe ich mich gewöhnt. Als ein temporärer Tinnitus auf dem linken Ohr während der Medientheorie-Vorlesung meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war ich mittelstark irritiert.

Das Studienfach der Medienwissenschaften befindet sich im Umbruch: Für den Magisterabschluss werden keine Neueinschreibungen mehr akzeptiert, die Verschulung der BA-Studiengänge hält Einzug, mit ihr Elitessen aus besseren Elternhäusern. Die BWLisierung des Auditoriums mag ebenso an der Sympathie des Abschlusses liegen (wird der Bachelor, sogar der Master-Abschluss hierzulande unterhalb des Universitätsdiploms angesiedelt, scheint er die ursprünglichen Magisterstudiengänge aufzuwerten - the name makes the game) wie an “Sandy, die unbedingt zu MTV will”, die Knut schallend in einem unserer Kaffeehausgespräche ins Bewusstsein brachte.

Kann man das so stehen lassen? Die Wenigsten vermissen die verqualmten Hörsäle auf den Fotografien der siebziger Jahre, der stereotypische Geisteswissenschaftler als Konglomerat aus Kleidung, Überzeugung und Motivation, wie von Frank Goosen geschildert, findet sich heute bestenfalls in den Fachschaften.
War die ludenhafte Kleidung früher politisches Statement, beziehen selbsternannte Revolutionäre ihre Guevara-T-Shirts mittlerweile aus H&M. Wegen marktorientierter Ausrichtung schwimmen die Systemgegner mit der Haute Couture, tragen pastellfarbne Schals der bikapitalen Kleidergeschäfte.

Mit den Jahren wurde dem weitaus größeren Teil das gesellschaftspolitisch bedingte eigene Wohlbefinden wichtig. Der Dresscode bestimmt den Tagesablauf. Anzugbeschlagene Individuen scheinen besser organisiert, arbeiten im gesellschaftlichen Sinne produktiver und stehen häufiger “unter Strom”. Den Alternativen eilt der Ruf der Schludrigkeit, der Unorganisiertheit und des Desinteresses voraus.
Die Wahl fällt - fragst du mich - leicht.

(Mir bekannte) Ausnahmen gibt es immer.

Der Rotschopf schaut vom Fenster herüber.
Ich glaube, sie weiß, was ich meine.

Ein Großteil meines Informatikstudiums erfordert die Benutzung eines Computers. Das ist selbstverständlich, bringt mich jedoch in eine Bredouille, weil mir - sitze ich vor einem Bildschirm - tausend Ding einfallen, die ich nachschauen muss und will, die aber mit der zu erledigenden Arbeit bestenfalls marginal zu tun haben.

Schon in einem meiner ersten Zeugnisse der Grundschule, in dem Zensuren noch in Form einer Zusammenfassung durch den Klassenlehrer umschrieben wurden, fand sich bereits ein Satz, der meine ganze Bildungslaufbahn treffend charakterisieren sollte. Sinngemäß lautete der:

Niels schaut lieber aus dem Fenster zu den Vögeln, anstatt dem Unterricht zu folgen.

Virtue Logo

Ich habe gelesen, dass man alle Ablenkung beseitigen sollte, Dinge vom Schreibtisch in die Schubladen oder Schränke räumen. Was macht man aber mit Dateien, Programmen und offenen Fenstern der Benutzeroberfläche:
Wo andere das Killerargument für virtuelle Desktops in der übersichtlichen Anordnung zahlreicher Programme sehen, steht für mich die thematische Gliederung der Arbeitsoberflächen im Vordergrund (wenngleich beides miteinander Hand in Hand geht). Schreibe ich eine Hausarbeit oder Programmiere ich, finden sich auf dem Haupt-Desktop lediglich die unbedingt notwendigen Programme dafür, Kommunikations- und Webapplikationen laufen prinzipiell auf anderen Desktops.
Kommuniziert man über Instant Messenger, erzeugt nicht jede neue Nachricht durch virtuelle Reizung Neugier, die durch das Fokussieren des Chatfensters befriedigt werden muss und man damit aus den Gedanken gerissen wird.

Nachdem Unices (bzw. X-Server basierte Window-Manager) dieses Feature in der Regel mitbringen, gibt es seit langem schon für andere Systeme Programme, um diese Funktionalität nachzurüsten. Seit wenigen Tagen ist Virtue auch für Apples neuestes Betriebssystem verfügbar, eine Linksammlung bietet der englischsprachige Wikipedia-Artikel.

Der Trick beim Stundenplanbau ist, sich gezielt zu überladen, um dann nach der ersten Woche Bilanz zu ziehen, den Arbeitsaufwand abzuschätzen und Prioritäten zu verteilen. So bleiben Vorlesungen, die lediglich aus Interesse besucht werden auf der Strecke, sollte der Arbeitsaufwand diese Zeit einfordern. Gleichzeitig ist das Vorhandensein solcher Lehrveranstaltungen Motivation, die Arbeit rechtzeitig fertigzubekommen, denn die Themen sind ziemlich interessant.

Türkenslang Referat

Ich fühle mich nach der ersten Woche besser als in den gesamten Semesterferien, Marburg ist nicht mehr ausgestorben, man trifft andere Bekannte und mein Nebenfach bietet gleich vielfach interessante Veranstaltungen. Zum Beispiel das Linguistikseminar Montag abends über Kommunikation in den neuen Medien. Neben den üblichen Verdächtigen bleiben auch Weblogs nicht außen vor, selten habe ich mich auf eine Hausarbeit ähnlich gefreut.
Weitere Highlights im Nebenfach sind die Medientheorie-Vorlesung und der dazugehörige Lektürekurs. Auch hier verspricht die Hausarbeit interessant zu werden.

Etwas Erbauendes am Morgen: Bevor ich mich über die ausbleibende Zeitung beschwerte, bemerkte ich den Feiertag in Bayern.