Nachdem jetzt feststeht, dass der Springer-Verlag die ProSiebenSat1 Media AG übernehmen wird, trauere ich meinem abgeschafften Fernseher überhaupt nicht mehr nach. Das erschreckend niedrige Niveau der Programme der privaten Sendeanstalten wird vermutlich noch weiter sinken, per TalkTalkTalk importierte Show-Fetzen aus den Vereinigten Staaten gibt es in absehbarer Zeit ständig im eigenen Nachmittagsprogramm.

Im Gespräch mit verschiedenen Gegenübern kommen wir mittelfristig immer auf diese Misere zu sprechen, nur findet ein kleines Grüppchen in meinem sozialen Umfeld diese nicht so niederschmetternd wie ich. Als Erstes gibt es die auch von mir vertretene Position, dass Menschen das Fernsehangebot wahrnehmen, auch wenn sie Sinnvolleres zu tun hätten, dann von den Talkshows müde geworden auch den Rest des Tages vor dem Fernseher verbringen.
Dies wird von der anderen Gruppe bestritten; es wird davon ausgegangen, dass Menschen nur dann Zeit vor dem Fernseher verbringen, wenn sie es ohnehin tun würden. Sinnvolles wird vorher erledigt.

Mehrere Freunde benutzen das (nach eigener Aussage) fehlende Niveau im Fernsehen als Entspannung, so schaut einer Sport, ein anderer Krimis. Dies halte ich für völlig legitim, doch wo das Fernsehen die Menschen zur Kritikunfähigkeit erziehen zu sucht, indem Werte von Talkshowmoderatoren vertreten werden, und eine generelle erzieherische Postition mit fragwürdigem Inhalt einnimmt, hier muss den Eltern ein massiver Vorwurf gemacht werden, sehe ich schwarz für die Zukunftsfähigkeit der Dauerfernsehkonsumenten.
Auch ist mir das stumpfe Rumgereite auf Sensationsmeldungen und Vaterschaftstests nicht klar; ich bin der Überzeugung, dass auch Niveau Spaß machen kann und den Rezipienten weiterbringt. So halte ich das Fernsehen als Medium mitnichten für teuflisch, jedoch die von vielen privaten Sendern praktizierte Form.
Und wer den Fernseher aus dem Zimmer verbannt, kann sich an weiterer Stellfläche und zugewonnener Freizeit erfreuen. Der Kollateralschaden ist vergleichbar gering, die Tagesschau hat einen Livestream.