Juni 2005


Pierluigi Collina (Foto: AFP)Der Confederations Cup ist nicht nur für die teilnehmenden Nationalmannschaften die Probe aufs Exempel, auch für mich stellt er die Generalprobe vor der Weltmeisterschaft 2006 dar. Auch ohne Fernseher bin ich stets über den aktuellen Spielstand informiert, da meine Nachbarschaft zeitversetzt (?) jubelt, was mich etwas irritiert. Die Sympathien scheinen bei Brasilien zu liegen (ich musste allerdings nachschauen) und die Fans sind lauter als beim “kleinen Finale” vor zwei Stunden.

Pünktlich zum argentinischen Gegentreffer zuckt ein Blitz über das Firmament und zeigt, dass ich nicht der einzige bin, der sich bereits jetzt Gedanken um die Sommerplanung des nächsten Jahres macht.

Die zur Nationalmannschaft haltenden Fans waren übrigens Thema eines Streisgesprächs zwischen Christian und mir am vergangenen Freitag, was wenig später in Grundsatzdiskussionen endete. Ich gebe jedenfalls den Versuch eines unpolitischen Gesprächs mit einigen Menschen meines Freundeskreises auf.
Nein, mich interessiert euer Weltverbesserungs-Blabla einfach nicht und genau darum nervt Marburg bis aufs Blut.

Noch immer liegt die Glut unter der Asche
ich atme ein, ich atme aus
der Herbstwind pfeift auf Fingern, ich verfluche ihn
es ist morgen, es ist kalt, es regnet in Berlin

[Peryton]

PodcastingMit dem Erscheinen von iTunes 4.9 und den überarbeiteten iPod-Modellen (die Webseiten wurden noch nicht aktualisiert) hat Apple heute den neuen Trend Podcasting in den Mittelpunkt gestellt.
Den RSS-Feeds ähnelnd, lassen sich diese Podcasts abonnieren und kommen als MP3-Datei ins Haus, die man dann auf seinen mobilen MP3-Player spielen oder direkt hören kann. Die deutsche Podcasting-Szene ist noch recht übersichtlich, es gibt erst drei Grundgerüste, wie Beiträge aufgebaut sind:

Wordpress bietet die Möglichkeit, solche Podcasts zu propagieren, doch in Ermangelung eines Mikrofons und verwertbarer Ideen - denn reizen würde mich lediglich die zweite Form des Angebots, das rechtlich gesehen Probleme bereitet, sobald man seine Lieblingsstücke als Podcast anbietet - bleibt es Vorerst bei der Textform allein.

Doreen

Pünktlich zum besten Wetter, es muss Montag gewesen sein, stieg auch die Temperatur im Körperinneren. Seitdem hänge ich in den Seilen und schleppe mich von Vorlesung zu Vorlesung, in denen ich damit beschäftigt bin, möglichst leise und regelmäßig Luft zu bekommen, Hustenattacken abzufangen und nicht allzu krank auszusehen.
Zu Sommerbeginn habe ich regelmäßige Angst vor Heuschnupfens. Immerhin ist meine Mutter ebenso betroffen wie Doreen und erzählte, bei ihr wäre die Allergie erst nach dem Jugendalter ausgebrochen. Was mich dazu veranlasst, seit einigen Jahren regelmäßig in stille Panik zu verfallen und zu hoffen, dass dieser Kelch an mir vorüber geht.

Sehr beeindruckt hat mich die Rede von Steve Jobs im Rahmen der Verabschiedung von Hochschulabsolventen der Universität Stanford. Ich lasse mich ja gern von emotionalen Momenten fangen und gerade Jobs kann überzeugend kaputte Waschmaschinen verkaufen. Und emotionionale Momente gab es ein paar in seinen drei Schwerpunkten:

  • Jugendzeit
  • Rauswurf bei Apple
  • Krebsdiagnose im letzten Jahr

Nun wartet die Parallele Programmierung in einem stickigen Hörsaal. Wie es Waldkindergärten gibt, warum nicht derartige Unis?

Nouvelle VagueNouvelle Vague - ein Begriff, der neben einer französischen Kino-Richtung und einer kompletten Filmtheorie seit kurzem eine weitere Bedeutung hat: Klassiker neu interpretiert. Von Sängerinnen, denen die Originale unbekannt sind. Im Stil des Bossanova.

1. Love Will Tear Us Apart (Joy Division)
2. Just Can’t Get Enough (Depeche Mode)
3. In A Manner Of Speaking (Tuxedomoon)
4. Guns Of Brixton (The Clash)
5. This Is Not A Love Song (Public Image)
6. Too Drunk To Fuck (Dead Kennedys)
7. Marian (Sisters Of Mercy)
8. Making Plans For Nigel (XTC)
9. A Forest (The Cure)
10. I Melt With You (Modern English)
11. Teenage Kicks (The Undertones)
12. Psyche (Killing Joke)
13. Friday Night, Saturday Morning (The Specials)

Tatsächlich ist das Ergebnis hörenswert, Lieder, die man locker in die Pariser Seine-Cafés des Jahres 1965 einordnen könnte (Plattenkritik von laut.de).
Ich bin derzeit nicht in der Lage, mich auf einen Favoriten festzulegen, jedes irgendwie bekannte und doch neue Lied hat etwas Spannendes, das sich hoffentlich lange nicht auflösen wird. Im Gegensatz zu dem aktuellen Coldplay-Geschrammel und den seltsam überschätzten Moneybrother-Alben bietet sich diese Platte als Freund an, der einen an die Hand und in die Cafés nimmt, in denen man den Sommer verbringen, Menschen beobachten und nie wieder aufstehen möchte.
Der morgendliche Milchkaffee und das Croissant haben seitdem auch zu Hause eine neue Qualität, die ich dem DJ des Poetry Slams am Freitag zu verdanken habe. Und dass mir gestern die Pizza explodierte und ich heute einige Zeit im Ofen verbringen werde, klingt mit dem passenden Soundtrack auch viel besser.
Die Temperaturen und das französische Gefühl in meiner Gasse sind passend und tun ihr übriges.

Schon in Wehrda waren mir Dennis’ Ambitionen fremd, den Rasen mähen zu wollen. Natürlich habe ich unseren Garten gern genutzt, zum Liegen und Lesen. Wenn es um dessen Pflege ging, verzweifelte ich aber regelmäßig. Es ist beschlossen, dass ich in absehbarer Zeit in keinem Haus leben werde, schon gar nicht außerhalb eine Großstadt.
Damit bin ich, was man einen Stadtmenschen nennt. Schon vor dem Jahr in Frankfurt war ich dieser Meinung, dass die Mainmetropole mir fast das Leben kostete, lag eher an der Stadt selbst und am hessischen Umfeld. Marburg jedenfalls ist mir viel zu klein, wie ich gern behaupte. Ein Dorf, in dem ich nicht alt werden möchte/würde.

Nun rief letztens mein Vater an, der mich um ein paar samstägliche Stunden bat, ihm bei der Gartenarbeit zu helfen. Ich schob also meine Abneigung zur Seite und fuhr zu ihm. Während die Sonne vom Himmel lachte und ich in Handschuhen und abenteuerlichem Gerät in der Hand versuchte, Reihe für Reihe seines Gartens umzugraben, setzte ich die Frist der Landleben-Abstinenz:
Mindestens 25 Jahre.

Faszinierendes Gefühl, wenn man mit den letzten Akkorden des Lieds den Werkzeugkasten schließt, zu dem man ein Bild aufgehangen und die Wanduhr in Augenhöhe des Katers installiert hast.
So irreal wie ein Videoclip.

Dass die fiese Fratze zurückkommt und mir ins Gesicht lacht, am Vorgenommenen rüttelt und ihr Revier zu markieren sucht, indem sie mir ans Bein pinkelt, habe ich so früh nicht erwartet.
An jeder Ecke stehen “Hasse mich!”-brüllende Menschen, deren Aufruf ich gern folge, Spießrutenlauf von einem Termin zum nächsten.
Auch der Grund, warum hier nichts steht.

vergiss romeo und julia
wann gibt’s abendbrot?
willst du wirklich tauschen
am ende waren sie tot
ich werd’ immer für dich da sein,
bist du dabei?
in dem gefühl wir wären zwei

(Kettcar - Balu)

Hier die Keynote als Stream für Quicktime:
http://stream.apple.akadns.net/

Mac OS X on Intel
Copyright 2005 by Apple, weitere Screenshots bei Flickr.

Ich habe in Gesprächen ab und zu erwähnt, dass ich die Pentium-M-Architektur von Intel für die leistungsfähigere halte. Dass die PowerPC-Architektur aber die “hübschere” ist, bestätigte ich ebenso.
Nun wird Apple nächstes Jahr damit beginnen, statt IBM-Prozessoren Intel-CPUs in ihre Computer zu bauen. Auf der heutigen WWDC-Keynote lief die Präsentation bereits auf einem Intel-Mac, eine Intel-Ausgabe vom Betriebssystem OS X 10.4.1 gibt es ebenfalls schon. Man habe “für den Fall der Fälle” bereits alle Programme parallel für beide Plattformen entwickelt.
Die zuerst aufkeimende Frage, ob das Apple-Betriebssystem auch auf “normalen” Intel-Computern laufen wird, hat Jobs verneint. Ich habe die Gerüchte im Vorfeld der Konferenz nicht glauben können, denn würde Apple komplett auf eine Intel-Plattform wechseln, könnte die Hardware aus Cupertino wie Blei in den Regalen liegen. Viel wahrscheinlicher ist allerdings, dass nur die CPUs von Intel stammen und Apple die Mainboards selbst herstellt, auch der Grund, warum OS X weiterhin nur auf von Apple gefertigten Computern laufen soll und heute lediglich Intel-Prozessoren erwähnt wurden.

Ich fühle mich ein bisschen komisch, auch weil der Schritt ein recht großer ist. Obwohl der Portierungsaufwand heute abend heruntergespielt wurde (Mathematica 5 sei in nur 2 Stunden portiert worden, es mussten 20 Zeilen Code abgeändert werden), ist dies eine signifikante Veränderung. Zwar sollen beide Plattformen gleichwertig behandelt werden, aber es besteht kein Zweifel daran, dass die PowerPC-Architektur die aussterbende ist. Programme für diese Architektur werden auf Intel-basierten Macs mit Hilfe der Emulatorschicht “Rosetta” ausgeführt werden, heute abend gelang dies bereits unter anderem mit Photoshop CS 2. Adobe hat angekündigt, die erste Firma sein zu wollen, die ihre gesamte Produktpalette für Intel-OS X anpasst.

Im Laufe des Jahres 2006 werden die ersten Macintoshs mit Intel-CPUs ausgeliefert werden, im Jahre 2007 sollen bereits alle Modelle mit den neuen Prozessoren arbeiten. Es könnte sein, dass es niemals ein Powerbook G5 geben wird, da Intel die Dual-Core Mobilprozessoren zu Beginn des nächsten Jahres einführen möchte. Obwohl heute davon ausgegangen wird, dass der Mac Mini der erste Mac mit Intel-Prozessor sein wird, wäre gerade ein sehr leistungsfähiger Prozessor in den mobilen Top-Modellen von Apple ein Killerargument; es gibt bisher nicht einmal in den Desktop-Modellen eine Dual-Core-Variante des G5. Dass Apple Anfang des Jahres ein Powerbook G5 als die Mutter aller Hitzeprobleme bezeichnete und sich Jon Rubinstein im Interview zu diesem Thema sehr bedeckt hielt, spricht auch gegen die Einführung dieses Prozessors in die mobilen Rechner.

Und doch: Irgendwie ist man enttäuscht und weiß gar nicht so recht warum.

Uff.
Was gerade auf der WWDC passiert, haut mich um.

Live-Ticker für die nächsten 2,5 Stunden:
http://www.macnews.de/index.html
http://www.mactechnews.de/WWDC2005/index.html

An jeden, der sich mit Computern gut auskennt oder mindestens diesen Ruf genießt, wird einmal eine Person aus dem Bekanntenkreis mit seinen Computerproblemen herangetreten sein und um Rat gefragt haben.
Dass hier der Dumme ist, wer nicht rechtzeitig nein sagt, wird einem zu spät bewusst; so verbringt man die Abende beim Bekannten mit mieser Laune und lustlosen Erklärungen. Da vor einiger Zeit die Eltern eines Buben in mir den idealen Problemlöser sahen, kann ich aus erster Hand schildern.
Damals verbrachte ich ein paar Stunden im Kinderzimmer eines Pubertierenden, der vom Konfirmationsgeld den Überflieger aus der benachbarten Großhandelskette erstanden hatte. Nach dem Einsatz vor Ort beschränkte sich der folgende Kontakt unerwarteterweise bis heute auf ein paar wenige eMails.
Für Personen wie mich, die in Kunden den personifizierten Satan sehen, stellen Konfirmationsjungen den Truppenübungsplatz für Kundennäherung dar. Sie wird man spätestens dann los, wenn sie mit Freunden in der Schule Spiele tauschen und spätestens dann als uncool gelten, sobald sie Hilfe beim Übertakten der Grafikkarte brauchen.
Und das geht schnell.
Und sie werden immer jünger.

Yoda?Wer dieser Tage Küchenrollen kaufen möchte, kommt um den mutierten Laubfrosch kaum herum. Selbst die Imperialen Sturmtruppen aus Berlin werden mit dieser Figur keine Freude haben und kleinen Kindern macht sie Angst, weil sie mit ihren unzähligen Nähten auf dem Kopf an Frankenstein erinnert. Während Füße und Hände amphibischen Flossen gleichen, ersetzt die hervorstechende Stirn die begehrte Schirmmütze; außerdem trägt der schielende Zewa-Yoda seine Hosen bis an die Brust hinaufgezogen als Kontrapunkt zu den Baggy-Style-Hosen der heutigen Slacker-Kultur.

Da Leo lieber schläft, als sich um seinen neuen Spielgefährten zu kümmern, suche ich nach weiteren Verwendungsmöglichkeiten dieses erstaunlichen Produkts. Die erwähnten Nähte sind gleichmäßig angeordnet, die abnorme Kopfform bietet ein weites Feld dar, man könnte auf dem Schädel der Figur Schach spielen: Will George Lucas das verfeindete Star-Trek-Universum untergraben, indem er ein 3D-Schach-ähnliches Spiel installiert? Auch bei der Wahl der Charaktere scheint ein “Zurück in die Zukunft”-Ansatz zu greifen, weisen doch beide Figuren erstaunliche Parallelen auf:

Mr. Spock

Yoda wird eine Weile in meinem Regal wohnen, von hinten sieht er wirklich cool aus.

Ich sollte tatsächlich mit Malerei beginnen…
Für gewöhnlich erzähle ich in einer solchen Situation immer von der Kunststunde in der zehnten Klasse, während der ich für die Verwendung eines Lineals beim Zeichnen von Autotransportern gerüffelt wurde; es wird doppelt deutlich, dass ich weder die Fähigkeiten noch die Ideen für eine vielversprechende Künstlerkarriere mitbringe.

Schnell fündig wird, wer bei Ebay nach Bildern sucht, die man sich in der eigenen Wohnung vorstellen mag. Die Eingabe des Künstlernamens bei Google offeriert hunderte wieder auf Ebay zeigende Webseiten und darunter bestenfalls einen Link eines Berliner Webshops, der weitere Bilder für einen Bruchteil des ebenfalls in der Auktion genannten Galeriepreises jenseits der dreitausend Euro verkauft.
Schlägt man tatsächlich zu, freut man sich trotz der offensichtlichen Sachlage über den Selbstbetrug. Und so hängt in naher Zukunft ein wundervolles Bild über dem Platz, an dem bald ein Schlafsofa steht:

Akihiko Idei: The Lounge Orange