März 2005


Torsten heute.
Anselm heute.

Ein toller Tag, viel Hoffnung und Perspektive. Ein toller Mensch.

Zerstören oder zementieren. Morgen.

Nachdem mir seit zwei Tagen das fragwürdige Vergnügen des Satellitenfernsehens zuteil wird, kann ich endlich mit all jenen mitreden, die Sponge Bob als kulturellen Vertreter unserer Zeit bewundern oder verabscheuen.

TronGestern landeten wir nach jener berühmten Malsendung mit Bob Ross, die Christian bereits vor zwei Jahren als ideale Einschlafhilfe anpries, auf “Astro TV”. Das Gesicht der Sendung hieß Winfried Noé (zu dem Stirnfried wesentlich besser passen würde) und war Starastrologe, was die Moderatorin mehr oder weniger geschickt in jeden zweiten Satz einflocht. Überdies gab sich Stirnfried sehr durchdacht, machte er doch an den unmöglichsten Satzstellen Pausen und riss Zusammenhänge entzwei, dass man kaum folgen konnte, ohne aggressiv zu werden. Fast ebenso häufig wurde auf ein Langzeithoroskop zum Vorzugspreis von 49,- Euro hingewiesen, der Zuschauer zum Erwerb aufgrund “sehr präziser” Vorhersagen geradezu genötigt. Zwischendurch riefen interessierte “Kunden” an, ließen sich Krisen erklären und wurden zu einem weiteren Beratungsgespräch ermuntert. Vermutlich bin auch ich bald soweit, schließlich steht das 8. Haus nicht nur für Besitz, auch für Tod, was mir einige Pläne durchkreuzen dürfte. Aber um mich wirklich beraten zu können, muss irgendetwas im Quadrat des Mondes sein, der im 11. Haus steht.
Um Himmels Willen!

Während der Woche bei Doreens Eltern fand ich auf einem Wühltisch Tron, an den ich mich nur dunkel erinnern konnte. Irgendwann als Kind habe ich ihn gesehen, vermutlich eine der ersten TV-Ausstrahlungen in Deutschland. Dass Disney die Veröffentlichung übernommen hatte, machte mich stutzig. Ich überlegte mehrmals, ob sich die ¤ 10,- lohnen würden.
Letztlich entschied ich mich zum Kauf des Filmes, über den ich mich im Sommer mit großer Wahrscheinlichkeit prüfen lassen werde.
Bei Amazon kostet die Doppel-DVD 6,- Euro mehr.

Perlen
zu banal
um sie zu erkennen
Es braucht schon Säue
um ihrer Herr zu werden

MonchichiEin großer Teil der Mittzwanziger wird sich an Monchichis erinnern können. Auch ich nahm sie in meiner Jugend als Randerscheinung durchaus wahr, bewertete sie aber als uninteressant und kehrte ihnen den Rücken.
Als ich gestern in Alex’ Blog diesen Eintrag las, ging ich also vom Schlimmsten aus:

Wer dachte, es würde keinen groeßeren Schmerz geben als beispielsweise einen rostigen Nagel, den man sich in das Nagelbett rammt, der wird hier eines Besseren belehrt.
Hoffentlich wird das kein Hit.

Die verlinkte MP3 entpuppte sich als wunderbarer Kaffee-Begleiter für einen Sonntag morgen. Meine Oma vereint seit jeher Sonn- und Feiertage unter dem Überbegriff “Sonntag” und tatsächlich verbreitete das kontrovers diskutierte Lied heute morgen eine Form der Behaglichkeit, Erinnerungen an die eigene Kindheit.
Ich habe kein schlechtes Gewissen wegen der Monchichis und endlich eine Alternative zum täglichen Schnappi-Wahn.

Die einwöchige Auszeit hat die Energiereserven wieder aufgefrischt, dafür blieb die mitgenommene Arbeit entgegen aller Vorsätze liegen. Als wir am Mittwoch vergangener Woche Marburg verließen, war meine Motivation völlig verflogen, die Batterie leer, wie man sagt. Ich konnte mich nur schwer an zu erledigende Dinge setzen, viele packte ich in meine Tasche und in den Kofferaum des Autos, das uns drei (auch Leo war dabei) für eine Woche weit weg von zu Hause und in die Nähe Berlins brachte.
Dort trafen wir Jens am Samstag und Georg vorgestern. Beides waren schöne Tage, die restlichen verbrachten wir zwischen Feldern und Flüssen, mit Hunden an der Elbe oder einfach im Bett und unterwegs. Die letzten Wochen der vorlesungsfreien Zeit sind indessen verplant. Das Liegengebliebende muss diese Woche erledigt werden, in der nächsten arbeiten Doreen und ich auf einem Kongress in Aachen: Sie wird Fotos machen, ich werde in der “Medienannahme” eingesetzt. Arbeitszeiten: 7 - 18 Uhr. Das Rahmenprogramm wird daher nicht so üppig wie erhofft ausfallen. Die letzten acht Tage raunen in mein Ohr: Nimm keine Arbeit mit.

C&A

Zu Hause finde ich eine eMail eines amerikanischen Professors in meinem Postfach. Er entpuppt sich als Autor eines Papers, was Christoph und ich für die Seminararbeit bearbeitet haben. Er hat unsere Präsentation über Google gefunden und bietet mir nun weitere Unterlagen und wissenschaftliche Arbeiten, die sich der verwendeten Arbeit anschließen an.
Er schrieb zuerst an die in der Präsentation angegebene eMail-Adresse, die es aus zwei Gründen nicht gibt: Wir haben nie Reaktionen außerhalb unserer Seminargruppe erwartet. Und wir haben vergessen, die Adresse einzurichten.

Georg war gestern hier und dem gemeinsamen Kochen folgte ein netter Abend im Fratzkeller. Anselm vom Hotel Stern stand hinter dem Tresen, wir waren die ersten Gäste, denen um 20 Uhr die Flucht in den Alkohol gelang. Zu tief steckte der Dienstag in den Knochen, zu nah saßen die Menschen - und später - der Wohlstandsspeck im Nacken. Wir blieben also nicht lange, dafür nüchtern. Sachlich.
Empfangen zu Hause von einer migränegeschüttelten Doreen, die halbe Nacht sitzend und streichelnd die Nacht um die Ohren schlagend. Mit Tee, Nudeln und Waschlappen im Bett, übermorgen auf die Reise mit Leo. Er wird das Auto wieder vier Stunden zusammenbrüllen. Und bis dahin.
Arbeiten.


Sie hat zu mir gesagt, sie stünde da unheimlich drauf. Jedenfalls, wenn es versoffene arrogante Briten machen. So stand ich also allein auf diesem Baumstumpf im Botanischen Garten und hoffte, dass keiner der Anwesenden hinschauen würde.
Außer ihr natürlich.

Das gestern auf ebay ersteigerte Hemd.

Ich entwickle mich in den letzten Tagen zum was man furchtbar hasst, nämlich Cineast, zum Kenner dieser fürchterlichen Streifen. Gestern nämlich standen in einer schlaflosen Nacht zwei weitere Filme auf dem Programm und dem Prüfstand:

  • Uzumaki, ein japanischer Horrorfilm mit englischen Untertiteln. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Athmosphäre und Information durch die Übersetzung und die Reduzierung auf Untertitel auf der Strecke geblieben ist, manchmal stand ein fünfwortiger Bildschirmtext 20 Sekunden auf dem Bildschirm, kurze Zeit später kam man mit dem Lesen gar nicht hinterher. Trotzdem ein ganz netter Film, auszuhalten für mich Hasen.
  • Die üblichen Verdächtigen hauptsächlich deswegen, um mir meine Meinung bezüglich Saw zu bestätigen. Glücklicherweise fand ihn Doreen ebenso toll, was ich nicht unbedingt erwartet hätte.

Meinen Stellplatz im Südviertel bin ich schon im nächsten Monat wieder los. Die Vermieterin rief heute an und erzählte, dass ihr Mann eine Arbeitsstelle in Marburg und ein Firmenauto bekommen werde, der Stellplatz also wieder von ihnen genutzt werden wird. Zwar haben wir einen Vertrag mit einmonatiger Kündigungsfrist, doch halte ich es für unnötig, in dieser Situation auf mein Recht zu pochen. Darüber hinaus bot sie an, sich bei mir zu melden, sollte ihr ein Vermietungsgesuch zu Ohren kommen. In den Zeitungen findet sich zur Zeit kein interessantes Angebot, ungünstig ist ebenfalls, dass ich Mitte/Ende der Woche für etwa sieben Tage verreise.

Unter Linux habe ich focus follows mouse benutzen und lieben gelernt. Bisher konnte ich Mac OS X dazu noch nicht überreden und bin für jeden Hinweis dankbar. Im X-Server ist dieses Verhalten allerdings anschaltbar, so dass man Gimp endlich ein Stück weit normaler bedienen kann. Einfach auf der Shell eingeben:

defaults write com.apple.x11 wm_ffm true

(via Syntactic Sugar)

Los komm her. ich hab viel zu viel cola. nimm reihe d platz 10 oder 8 :(

Und so kam ich gestern abend in Saw, den ich eigentlich nicht anschauen wollte. Zu oft hat mich meine Freundin mit den Worten “so schlimm ist der nicht” ins Kino gelockt und ich habe mich nach den ersten Filmminuten wieder nach Hause gewünscht.
Die Trailershow (The Grudge, Boogeyman, Hide and Seek, Creep und Ring 2) stellte mich und meinen angeschlagenen Magen auf eine harte Probe, vorsichtig erkundigte ich mich, ob Saw denn auch ganz sicher kein Horrorfilm sei. Sitzenbleiben wäre in diesem Fall keine Option gewesen.
Man verneinte und ich kam in den Genuss eines ganz netten Films, der sich erst in den Schlussminuten auflöst. Ich fühlte mich angenehm an die üblichen Verdächtigen erinnert, empfand ihn heute beim Revue-Passieren-Lassen unter der Dusche besser als im ersten Urteil gestern abend. Das Wichtigste: Für mich Hasen war er auszuhalten.
Und ich weiß, in welchen Fällen ich Kurznachrichten obiger Gestalt ignorieren werde.

Als ich Dennis letztens erzählte, dass die Wahrscheinlichkeit, ich würde Kartoffeln kaufen und zu Hause verarbeiten, falls überhaupt vorhanden verschwindend gering sei, ahnte ich nicht, dass Doreen einige Tage später mit einem Maggifix-Beutel strahlend zwischen den Regalen auftauchen würde.
Als wir eben nebeneinander in der Küche schälten, erinnerte ich mich an die Situation in meiner Kindheit, in der ich mit meinem besten Freund im Baumhaus mit dem “Steinofen” saß und die Kartoffeln für das Abendessen schälte. Leider war die mickrige Menge übriggebliebener Kartoffeln längst nicht gar, als uns das Hungergefühl übermannte und wir wenig später auf den zähen Überresten rumkauten und alsbald wieder ausspuckten.
Ob mich das für mein Leben geprägt hat, vermag ich nicht zu sagen. Doch beschränkt sich die Menge genießbarer Kartoffelprodukte auf eben jene Chips, Pommes, Kroketten und Kartoffelgratin. Das heutige kam aber nicht an die Gemüselasagne heran, die vor einiger Zeit auch den seit Jahren favorisierten Nudel-Pilz-Auflauf locker ausstach.

Christian habe ich die letzten beiden Tage nicht gesehen. Wenig verwunderlich, feierte eine gemeinsame Freundin am Dienstag ihren Geburtstag. Ein sehr toller, soweit ich mich erinnern kann. Die vielen Bilder auf meinem Handy sprechen die Sprache des Exzesses, verwackelte, dunkle Aufnahmen wichtiger Menschen, kaum mehr als diese erkennbar. Heute im Park fiel mir die hohe Zahl derer auf, Doreen erzählte mir, wann sie entstanden. Und was sonst noch passiert ist. Würde ich Christian sehen, ich müsste mich entschuldigen.
In den heutigen Abendstunden fühle ich mich wieder gut, endlich. Es war ein erfolgreicher Tag.
Und das Wochenende wird ebenso nett, oder? Nur bitte, lass den Wein weg.

“Nimm mein Herz!” Wie oft denn noch? Viel zu selten, ich weiß.
Die Nacht verbracht, wach. “Wenn wir bei Tageslicht aufwachen und bevor wir ganz aufstehn” -die Gedanken kreisen um die Arbeit, die mich in den Schlaf gerungen hat und wieder mit gefletschten Zähnen wartet. Beschissenes Gefühl. Noch immer kein Punkt abgehakt auf der gestrigen Liste.
Der Fön ist kaputt, der Plattenspieler funktioniert noch. Hier werden Prioritäten gesetzt. Der Instant-Café schmeckt wie immer. Die letzten Mittagssonnenstrahlen blicken durch die Häuserschluchten in mein Gesicht, ich blinzle fluchend zurück und wünsche mir den Sommer.

Etwa so verdaulich wie Vollkornkost. “Alle Worte sind gesprochen an einem solchen Tag.”

Der heutige Tag verlief irgendwo zwischen Arbeit, noch mehr Arbeit, Kernelkompilieren via SSH, PHP + MySQL und dem Wahnsinnigwerden über verschiedene Unfähigkeiten. Das ist nicht mein Tag, zu viel nebeneinander klappt einfach nicht.

Gestern war in vielerlei Hinsicht angenehmer. Abends hielt Jane Goodall einen Vortrag über ihre Arbeit mit Schimpansen. Neben der ermordeten und durch den Film “Gorillas im Nebel” bekanntgewordenen Dian Fossey und der weniger bekannten Biruté Galdikas ist sie eine Koriphäe auf ihrem Gebiet. Der Vortrag war sehr interessant und spannend, auf jeden Fall aber zu kurz. Man merkt, dass sie nach eigenen Worten 300 Tage im Jahr unterwegs ist und sich nie länger als 3 Wochen am gleichen Ort aufhält. Beachtenswert ist auch die Anzahl ihrer Glücksbringer. Während der “normale” Mitteleuropäer bestenfalls Talismane in Geldstückgröße mit sich führt, befinden sich in den gehäkelten Taschen der englischen Wissenschaftlerin der Plüsch-Affe Mister H. eines blinden Zauberers, ein Herbstblatt eines Baumes aus Nagasaki, der den Atombombenangriff wundersamerweise überlebte, und ein Teil des Geweihs einer taiwanesischen Antilope.

In der Dusche wurden mir heute meine Assoziationen mit bestimmten Nachnamen bewusst. Plötzlich stand der Name Petermann im Raum und ich dachte an die Unbehaglichkeit, die sich immer beim Hören dieses Namens einstellte. Das kam freilich nicht allzu häufig vor, ich glaube alles begann mit einer TKKG Hörspielkassette vor vielen Jahren. Das unangenehme Gefühl ist dem Alter gewichen, den Namen hatte ich längst vergessen gegeben, bis er heute an die Duschtür klopfte.
Es gibt ein ausländisches Pendant zu ihm: Fitzgerald. Sofort springen mit Spukgeschichten ins Gehirn, wohl weil eine besonders gruselige von einer Frau Fitzgerald geschrieben wurde. Ich kann mich an ihren Titel oder den des Buches nicht erinnern, doch der Nachname hat sich eingeprägt und ich brauchte wirklich lange, bis ich mich von dem Gefühl gelöst hatte, jede Fitzgerald sei eine böse.

Es häufen sich Massen von Aufgaben an, ich verliere den Überblick und beginne jetzt gleich mit dem Anfertigen solcher Listen, zu denen Knut mir geraten hat. Sie zeigen den Fortschritt und sind gleich einer Landkarte im Gewühl der Pflichten. Irgendein Programm soll sich dafür hervorragend eigenen.
Gleich nach dem Saugen. Gleich nach dem Essen.

Der neue Außenspiegel für fast 130 Euro verrichtet seinen Dienst klaglos, auf dem Heimweg vom Autostellplatz lässt ein alter Mann seinen Darmwinden freien Lauf und als ich später Doreen davon erzähle, kommen wir auf David Hasselhoff zu sprechen.

Wir singen den halben Nachmittag “Looking for Freedom” beim Kochen, beim Lesen, beim Arbeiten und stellen fest, dass ich in der sechsten oder siebten Klasse gewesen sein muss, als ich dieses Lied unbedingt auf CD haben wollte und die Nachfolge-LP zu Weihnachten bekam, die dann im Schrank verstaubte, weil kein hörbares Lied darauf gewesen ist, wie ich mich erinnere. Keines jedenfalls, zu dem man sich als fast 12jähriger hätte bekennen können, ohne von seinen Freunden ausgelacht zu werden.
Das muss vor der Zeit gewesen sein, in der ich zu Guns’n'Roses kam, es war aber defitiniv die Zeit, in der ich irgendwann eine Queen Best-Of in mein CD-Regal stellte, eine Prinzen-CD und mich dafür irgendwie doch nicht schämte. GnR hatten allerdings Hochkultur und auf der Jugendfreizeit zu Beginn der achten Klasse hörte irgendwie jedes Mädchen Guns’n'Roses, das man toll fand. Beziehungsweise jedes, bei dem man sich eine reelle Chance ausrechnete. Der Schuss ging nach hinten los und weil Alkohol verboten war, fand man sich abends in der Jugend-Disko eben nüchtern im Dreck der Tanzfläche zu Radio-Gaga trommelnd wieder.
Die Nachmittage verbrachten wir am Strand, wo wir uns tote Quallen ins Gesicht schleuderten oder mit teilweise aus Sicht 14jähriger peinlichen Spielen und verschiedenen Sportarten. Erste Zweifel an meiner Profikarriere keimten bei der 2:80 Niederlage im Basketball, weil und nur weil der Schiedsrichter uns den Punkt warf. Anschlusstreffer wäre zu optimistisch ausgedrückt.
Ich glaube nicht, dass wir die heimlichen Stars auf dem Zeltplatz waren. Aber ich glaube, dass nur wenige ihre Guns’n'Roses-CDs noch einmal aus dem Regal nehmen und anhören. Dafür besitze ich noch immer nicht einmal die Single von Michael Knights Hasselhoffs Superhit.