Februar 2005


Wir waren heute im Zoo. Doreen ist ein regelrechter Fanatiker in diesem Bereich und hat ihre (mittlerweile nicht mehr) neue Kamera in noch keinem Park einsetzen können und kam ausgerechnet am Wochenende auf die Idee, den heutigen Montag dafür zu nutzen. Ursprünglich war der Sonntag eingeplant, aber dass ich am Samstag arbeiten musste und Jens auf Sonntag verschoben habe, zog den Ausflugstermin in Mitleidenschaft.
Einerseits wütend über die Kälte, andererseits darüber glücklich fanden wir uns am späten Vormittag im fast leeren zoologischen Garten der Mainmetropole wieder. Mein Vorhaben, mit der alten Kamera Fotos zu machen, erstickten die leeren Akkus schon im Keim. Ein Punkt mehr für meine To-Do-Liste.
Nach dem Besuch aller möglichen Tierarten und dem Trampeln im Terrarienbereich - von wegen “Gegensätze ziehen sich an”: Doreen würde jede Schlange und jeden Gecko am Liebsten einhundert mal fotografieren, während ich bereits am zweiten Käfig mit den Füßen scharre - war das Mittagessen für den späten Nachmittag angesetzt.
Zurück im Hauptbahnhof mussten wir feststellen, dass Pizza Hut irgendwann in den letzten Monaten umgezogen sein musste und die Ausweichmöglichkeit in der U-Bahnstation an der Hauptwache ist zu einem reinen To-Go-Stand mutiert war. Zufälligerweise wurde das neue Restaurant dieser Kette unter der Zeilgalerie entdeckt, in dem man die Rechnung direkt nach der Bestellung bekommt und auf dem Weg zur Toilette vorzeigen muss, um den Abort kostenlos benutzen zu können. Die Gastfreundschaft wird konsequent fortgeführt und ohne Rücksicht auf Essende wird der leere Teller der Begleitung abgeräumt und man selbst mit der Nachfrage “Alles in Ordnung” zu wilder Gestikulierung und Körpersprache genötigt:
Mit vollem Mund spricht man nicht.

Im Park scheinen sich zwei zu jagen. Eine ältere Dame mit Gehhilfen ist viel zu langsam für den alten, in Decken gehüllten Mann im elektrischen Rollstuhl, den sie einzuholen versucht. Als wir näher kommen, erkennen wir im Rollstuhl das Oberhaupt der katholischen Kirche: Den Papst. Die Dame verwandelt sich langsam in einen Geißbock, doch ihr linker hinterer Fuß scheint die Metamorphose nicht mitmachen zu wollen und bleibt riesig.
Später, in unserer Wohnung, klingelt mein ehemaliger Klassenlehrer und begrüßt erst Doreen, den Papst in der Spülmaschine und schließlich mich, wir lachen über alte Zeiten und ich schließe in Gedanken die Tür der Spülmaschine. Mein Faux-Pas fällt mir sofort auf und ich befreie den Papst aus seiner misslichen Lage, dankbar relativiert er, es seinen nur ein paar Minuten gewesen. Ich intervenierte sofort: Sekunden!

Der Tag endet wie er begonnen hatte:
Die Arbeit heute nachmittag/abend war alles andere als von Erfolg gekrönt, so dass ich Jens für morgen eine Absage erteilen musste beziehungsweise anfragte und er auch Sonntag die Zeit für mich findet. Über das Stripeset im Schnittrechner verliere ich nicht mehr viele Worte, Freunde werden wir nie.
Tomte spielen heute abend in Gießen. Wäre aber sehr umständlich geworden und letztlich hätte es auch zeitlich nicht mehr gepasst.
Morgen also den Umbau fortsetzen.

Ich habe seit zwanzig Minuten ein Gespräch in Gießen, in der Wundertüte. Sie liegt am Ende der Bahnhofstraße (von diesem aus gesehen), aber offenbar hat man mich versetzt. Anwesend sind nur ein frühstückendes Pärchen, der Eigentümer jenes Cafés, aus dessen Boxen der Buena Vista Social Club tönt, und ein offener WLAN Hotspot, den ich dazu missbrauche, meine Mails zu lesen und diesen Eintrag zu schreiben.
Der Cappucino schmeckt hier ausgesprochen gut, lange werde ich aber nicht mehr warten, Gastfreundschaft soll man nicht missbrauchen. Eine halbe Stunde ist vergangen, ein anderes Pärchen ist eingetreten, der Raum verbreitet französisches Flair und standesgemäß füllt er sich mit Franzosen (oder Menschen, die um 11 Uhr frühstücken).

Doreen hat einen alten Text im Internet gefunden, den ich wohl im August 2001 in ein Literaturforum gepostet habe. Sehr blumfeldesk, ich hatte wohl eine meiner Phasen, in denen ich mich an ein Lied oder eine Platte klammere und mir nichts anderes zu Ohren kommt. Einen groben Schnitzer habe ich ausgebessert:

Namhafte Spinner besetzen die Plätze
von denen man glaubt, sie verändern die Welt.
Und während ein Rudel Wölfe laut bellt,
behandelt man dich wie das Letzte.

Du stehst neben dir und fragst dich wieso,
ein Kind hält dich fest, es zeigt dir woher.
Deine Gedanken sind lange schon leer
Sie drehen sich um dich und nicht um den Zoo.

Schon wieder ein Bellen, doch diesmal viel näher.
Du stehst neben dir und drehst dich nicht um.
Du fühlst dich beschattet und bleibst daher stumm
die Welt wird dir klarer.

Jetzt in der Ferne, ein leichtes Gewitter,
du siehst es und findest den schützenden Baum.
Für dich ganz alleine stehst du hier im Raum,
doch mehr als das Leben erkennst du die Gitter.

Gefangen im Leben, es ist nichtmal dir,
irrst du durch die Zeit und suchst ein Zuhaus.
Für dich siehst du Menschen, sie seh’n müde aus.
Gefangen im Leben, was willst du noch hier?

Außerdem heute den Vertrag für den Stellplatz unterschrieben, auf dem Gelände eines ehemaligen Arbeitgebers. Als ich am früheren Büro vorbeiging, deutete kein Schild mehr auf das Start-Up von damals. Es gab Gerüchte, media[netCom] sei pleite. Mit Sicherheit steht es nicht gut um die Firma, die ehemalige Homepage ist zu einem unnützen Portal geworden. Die Geschäftsidee war eine Video-On-Demand-Lösung, bei meinem Ausscheiden - kurz nach einer feindlichen Übernahme und auf dem Höhepunkt der Kündigungswelle - liefen zwei Pilotprojekte.
Ich habe nie einen Vertrag mit meinem Arbeitgeber unterschrieben. Man konnte mir also gar nicht kündigen, ich bin aus freien Stücken gegangen (oder vielmehr: nicht weiter erschienen), als die “Neuausrichtung” erkennbare Gestalt annahm. Das Klima war sowieso vergiftet, Monate später kam meine längst vergessene Lohnsteuerkarte per Post.

Es ist frustrierend, den gesamten Nachmittag mit einem störrischen Stripe-Set zu verbringen und für jede (Nicht-)Bestätigung einer Vermutung zwei Stunden auf die langsame Formatierung des Datenträgers warten zu müssen. Wenn ich daran denke, dass die gestrige Formatierung einer 200-GByte-Platte in meinem Linux-Heimserver drei Sekunden benötigt hat, frage ich mich ernsthaft, ob bei heutigen Festplattenkapazitäten das Windows-Dateisystem bzw. dessen Aufbau einer Überarbeitung bedarf.
Hoffen wir, dass die Formatierzeit mit dem kommenden Dateisystem, das ursprünglich mit Longhorn 2006 veröffentlicht werden sollte und bereits verschoben wurde, auf ein erträgliches Maß reduziert wird. Warum WinFS, also das verschobene Dateisystem, im kommenden Jahr nicht fertig ist, wird spätestens beim Blick in die Papers aus dem Hause Microsoft klar, die Fähigkeiten der datenbankähnlichen Dateiverwaltung beschreiben:
Mit Hilfe einer semantischen Analyse der Dateien wird eine eMail nicht als bloßes Objekt auf der Festplatte betrachtet, sondern eben als eMail. Folgendes Beispiel soll die Leistungsfähigkeit verdeutlichen:

  • Es kommt eine eMail an und wird auf der Festplatte gespeichert
  • WinFS untersucht den Inhalt der eMail nach bekannten Mustern, zum Beispiel nach einem Termin
  • Wird ein Termin erkannt, schaut WinFS im Adressbuch des Empfängers, ob dieser bereits einen Termin hat
  • Gegebenenfalls wird der Termin in das Adressbuch eingetragen und dem Absender der eMail geantwortet
  • Der Empfänger wird beispielsweise über sein Mobiltelefon benachrichtigt

Vielleicht hätte eine eMail des Dateisystems meine Autowerkstatt dazu bringen können, den Spiegel vor meinem heutigen Werkstatttermin zu bestellen. Ich rief letzte Woche an, ließ mir die Notwendigkeit erklären, den gesamten Spiegel ersetzen zu müssen und kündigte mich für Anfang der Woche an. Heute stellte sich heraus, dass tatsächlich kein Außenspiegel im Lager vorhanden sei und ich nächsten Dienstag noch einmal kommen solle. Dann wäre der (heute) bestellte Spiegel auf jeden Fall da und lackiert, der Einbau an sich dauere dann nur etwa zwanzig Minuten.
Der Tag war - so gesehen - für die Füße.

In den Abendstunden habe ich meinen Blog auf die aktuelle Version 1.5 von Wordpress aktualisiert. Das Update geht gut von der Hand, dauert aber seine Zeit. Aufpassen muss man, wenn man das eingedeutschte Standard-Theme installiert, der Theme-Titel muss in der style.css händisch verändert werden, weil er sonst das originale Theme überschreibt. Da ich keine Lust hatte, mein Design so zu modifizieren, dass es befriedigend mit der neuen Version funktioniert, habe ich mich auf ein paar Kleinigkeiten beschränkt und bleibe erst einmal bei den hübscheren Standard-Templates. Ein guter Anlaufpunkt für Updatewillige ist wordpress.de.
Am Freitag treffe ich mich in Gießen zu einem Gespräch mit einem potentiellen Arbeitgeber und auch in der Sache mit dem Stellplatz ändert sich jeden Tag etwas - bisher zum Guten. Im Moment weiß ich fast nicht, wo ich anfangen soll, den Berg der Projekte abzutragen. Und morgen muss endlich das Auto mal in die Werkstatt.

Ein wahrer Kommentar im FreeBSD-Treiber für den ganzen Realtek-Scheiß, den Otto-Normalbenutzer sich im Mediamarkt unter dem Zeichen von “Geiz ist geil” als Netzwerkkarte verkaufen lässt:

/*
* The RealTek 8139 PCI NIC redefines the meaning of ‘low end.’ This is
* probably the worst PCI ethernet controller ever made, with the possible
* exception of the FEAST chip made by SMC. The 8139 supports bus-master
* DMA, but it has a terrible interface that nullifies any performance
* gains that bus-master DMA usually offers.
*
* For transmission, the chip offers a series of four TX descriptor
* registers. Each transmit frame must be in a contiguous buffer, aligned
* on a longword (32-bit) boundary. This means we almost always have to
* do mbuf copies in order to transmit a frame, except in the unlikely
* case where a) the packet fits into a single mbuf, and b) the packet
* is 32-bit aligned within the mbuf’s data area. The presence of only
* four descriptor registers means that we can never have more than four
* packets queued for transmission at any one time.
*
* Reception is not much better. The driver has to allocate a single large
* buffer area (up to 64K in size) into which the chip will DMA received
* frames. Because we don’t know where within this region received packets
* will begin or end, we have no choice but to copy data from the buffer
* area into mbufs in order to pass the packets up to the higher protocol
* levels.
*
* It’s impossible given this rotten design to really achieve decent
* performance at 100Mbps, unless you happen to have a 400Mhz PII or
* some equally overmuscled CPU to drive it.
[…]
*/

Quelle: http://www.freebsd.org/cgi/cvsweb.cgi/src/sys/pci/if_rl.c?rev=1.56&content-type=text/x-cvsweb-markup&only_with_tag=HEAD

Die Gesellschaft erhebt alles zur Mode, was ihr unter die Finger kommt.
Die Punkerin, die sich betont lässig an der tegut-Schlange anstellt und die ich draußen treffe, als sie ihr Handy der letzten Generation unauffällig in der abgewetzten Tasche ihrer Lederjacke verschwinden lässt. Ob das Mittagessen schon auf dem Tisch steht? Ich finde die Verbreitung der Handys absolut gut, doch muss ich beizeiten mein Weltbild gehörig renovieren.

Zwei Haltestellen weiter steigen drei Mädchen in den Bus, die dem Funpark entsprungen zu sein scheinen und einen Jungen überschwänglich begrüßen. Eine erzählt, dass ihr Vater eine zweiwöchige Reise in die Türkei gewonnen und sie ihm unmissverständlich klargemacht habe, dass sie und nicht er die Reise antreten werde, “ey, vergiss es!”. Ob der Junge und ihre Freundinnen beeindruckt waren, konnte ich leider nicht erkennen, aber ihre Coolness untermauerten sie beim Aussteigen ein letztes mal durch bewundernswerte Äußerungen, während eine blitzende H&M-Gürtelschnalle an mir vorbeiwackelte.
Mir ist die Gesellschaft normaler Menschen lieber. Beispielswiese die jener Mädchen aus dem Zug gestern, die im benachbarten Doppelsitz Platz genommen hatten und auf dem Weg zu einer Verabredung waren. Das Menschliche an beiden: Sie waren aufgeregt.

Der alte Botanische Garten liegt an Nachmittagen wie diesem immer leer. Nur vereinzelt schaffen Eltern ihre Kinder in den Park, um ihnen gelangweilt beim Bau eines verdreckten Schneemannes zuzuschauen und im rechten Moment zu lächeln. Von diesen wenigen Menschen, die uns dort heute über den Weg gelaufen sind, wurde ich tatsächlich verwechselt. Ich verstand den Namen nicht, er hörte sich an wie Steffi. Dies trifft mich, schließlich war eine ähnlich Verwechslung seinerzeit der Grund, mich von meinen langen Haaren zu trennen. Ob es wirklich schlimmer als eine Verwechslung mit Daniel Küblböck ist, sei einmal dahingestellt. Trotz allem stürzen mich solche Situationen immer wieder in Glaubenskrisen.
Zum ersten Mal sah ich - Doreen fotografierte unentwegt - über den Dächern Marburgs ein Gebäude mit gelbem Unterbau und schwarzer, fensterbesetzter Kuppel. Die Suche nach diesem endete ergebnislos, selbst von der Anhöhe des Schlosses war es nicht auszumachen. So habe ich ein Ziel für wärmere Tage, doch vermutlich entpuppt sich der Turm als Wintergarten einer Turnerschaft.

Breaking NewsDer Außenspiegel kostet etwa 100 Euro, eventuell ein bisschen mehr, da der Infolgedessen habe ich einen Autostellplatz angemietet, an dem das Fahrzeug hoffentlich sicherer untergebracht ist. Noch bin ich davon jedenfalls überzeugt.

Mein Zimmer gleicht momentan einer Wäschekammer, noch eher eine Waschküche, wenn man annimmt, dass der letztgenannte Ort ungemütlicher ist. Überall hängen noch klamme Kleidungsstücke und frisch gewaschene Bettwäsche, die Luftfeuchtigkeit hat tropisches Niveau, die Temperatur dagegen leider sibirisches.
Der Tag hat neben dem Stellplatz die Beseitigung der Probleme bezüglich des Ärztekongresses mit sich gebracht und das Wissen, dass einige Verkäufer auf der ebay-Plattform zwar eine gewünschte Änderung in der Versandadresse mit “absolut kein Problem” quittieren, den Versand trotz allem starrköpfig mit der hinterlegten Adresse abwickeln.
Sonst geht es bergauf. Wird sind sowieso auf Normal-Null.

Dieser Tag war viel zu beschissen, um ihn Revue passieren lassen zu wollen. Die Post kam nicht, der linke Außenspiegel meines Autos wurde abgebrochen und andere pennen lieber als wichtige Termine einzuhalten. Gekrönt wurde er durch einen exzellenten Horrorthriller deutscher Produktion. Gott, geht pleite!

Nachdem ich extrem gefrustet die Heimreise vom Autostellplatz angetreten habe und vor mir ein milchgesichtiger Flachwichser mit abgebrochenen Mercedes-Stern in den Aufzug stieg, musste ich mich bremsen. Rebellische Handlung, wow seid ihr cool. Wenn ich irgendwen dabei erwische, nüchtern oder besoffen einen Mercedesstern, eine Radioantenne oder anderes Eigentum mutwillig zu zerstören/abzubrechen/zu verbiegen und gelingt es mir in diesem Moment, meine Erinnerung von heute ins Gedächtnis zu rufen, poliere ich ihm vermutlich die Fresse. Jedenfalls freue ich mich auf die Rechnung eines neuen Außenspiegels, schließlich hab ichs ja. Ich sollte die Kiste verkaufen, wenn ich sie nicht einmal 4 Wochen unbeaufsichtigt in dieser Drecksstadt stehen lassen kann, ohne sie kaputtgetreten oder abgeschleppt zu bekommen.

Wir waren gestern abend im Nachtleben unterwegs, Doreen, Christian und ich, und hingen bis Ladenschluss im Sudhaus fest; Mein Angebot an Christian, bei mir zu schlafen, wurde erwartungsgemäß abgelehnt und er stattete der Tankstelle auf dem Heimweg einen Besuch ab & trank das neu erworbene Sechserpack Bier. Nun wusste er seit gestern abend von einer anstehenden Wohnungsbesichtigung (Doreen und er wollen zusammen in eine WG ziehen), ich erwähnte es noch einmal bei unserem Telefonat heute um 14 Uhr. Ihm ginge es schlecht und mir kamen erste Zweifel, ob wir ihn heute abend sehen würden. Zurecht. Und in diesen Momenten könnte ich Mr. Unzuverlässigkeit auf den Mond schießen. “Angepisst” triffts prächtig, unter diesem Motto stand der Donnerstag sowieso.

Doreen und ich besuchten nach langer Zeit und der Wohnungsbesichtigung die Videothek, sie lag mir damit schon in den Ohren, dass sie doch endlich einmal wieder eine DVD ausleihen wolle. Mir als Legastheniker im Bereich Lichtfilmtheater waren Videothekenmenschen stets fremd, zum ersten Mal war ich mit etwa 22 in einer Videothek - in Doreens Heimat. Heute sind es also vier Filme geworden, von denen auch ich einen ausgesucht habe. Die Auswahl war - wie immer - auf die “Ab 18″-Abteilung der Horrofilmabteilung beschränkt, die Wahl fiel auf “Tears of Kali“. Erst im Vorspann entdeckte ich die deutsche Herkunft, was mich ein wenig schreckte. Dies war auch der einzige Schreck bis zum Ende des Filmes, der nicht nur schlecht, sondern abgrundtief albern war. Jeder Tatort ist spannender, hat die schöneren Bilder und die niveauvolleren Dialoge. Etwas so schlechtes habe ich lange nicht mehr gesehen. Ich werde künftig durchzusetzen versuchen, dass wir einen Film in einer Abteilung ausleihen, mit der ich etwas anfangen kann. Am besten einen Film, den ich schon kenne.

Somit geht der 17. Februar als der hoffentlich schlechteste Tag meines Jahres in die Geschichte ein. Aufschreiben, zuklappen, vergessen.
Und Florian nein, es ist kein Wirsing. Wir konnten das unbekannte Gemüse heute im Lidl identifzieren: Weißkohl.

Ich habe mich ein klein wenig verliebt. Wie immer hat mich die Optik sehr schnell erobert. Es geht um Schreibtischlampenebenstehende Lampe und vielen Lesern wird ein verachtendes “so ein Standardding” oder “gibts doch überall” herausrutschen.
Richtig ist, dass diese Lampen zuhauf auf ebay angeboten werden als billige Nachbauten, die dann auch nur ein Zehntel des Preises der nebenstehenden Variante kosten. Aber dass der Versuch bereits an Details scheitert (der Schalter befindet sich einfacherweise im braunen Billigkabel, Plagiate sind nicht höhnverstellbar, Haptik ist weniger hochwertig, …) ist tragisch. Noch tragischer ist allerdings, dass ich mit dem Wissen der Existenz einer hochwertigen Version dieser Lampe zu keiner billigen Ausführung mehr greifen kann. Zwar gibt es eine recht verbreitete Baureihe (die immerhin 2/3 des Preises kostet), sich aber durch einen eckigen Fuß und komische Kabelführung unsympathisch macht.

Meine Schreibtischlampe ist nämlich kaputtgegangen.

Jenes Markenbewusstsein (welches manche Fetischismus nennen) hat mich zwar den ein oder anderen zusätzlichen Betrag gekostet, mir das aber tausendfach zurückgezahlt über geschonte Nerven oder einfaches Glücksgefühl. Das ging zu Zeiten meiner Arbeit im Computergeschäft los, als die PC-Chips-Boards gleich reihenweise gestorben sind (mir ist bisher noch kein einziges Asus-Board kaputtgegangen). Und so ließe sich die Reihe fortsetzen. Dass jenes “Bewusstsein” vor einiger Zeit auch auf Hifi-Komponenten und anderes übergegriffen hat, war vorauszusehen.
Für die Lampe habe ich von Christian ungläubiges Kopfschütteln geerntet. Darf mich in dieser Hinsicht jemand mit Kellerregalen im Zimmer kritisieren?
Wir arbeiten und sparen weiter, im Licht einer 2€-IKEA-Lampe, die alles in ein wohliges, blaues Licht taucht.

Manchmal scheitert man auf dem Weg zum Meisterkoch an Hürden, von denen man das nicht dachte oder die erst im Moment des Davorstehens unüberwindbar scheinen.
Die Lasagne backt im Ofen, doch fehlt ihr ein Bestandteil, der statt in der Auflaufform auf der Arbeitsplatte neben der Spüle liegt. Beziehungsweise eben nicht. Das als Blumenkohl gekaufte Gemüse ist nämlich zu salatähnlich und hat mit Blumenkohl weder Aussehen noch Geschmack gemein, kurz: es ist etwas unbekanntes auflaufinkompatibles. So dient es als Chipsersatz und Knabberuntensil, schmeckt ein wenig nach Meerrettich (oder ich bilde mir das ein) und ist sicherlich gesund.
Die Lasagne übrigens besteht aus Mais und Broccoli. Den kann Doreen zweifelsfrei identifizieren.

Jack Black?Wer Kunde der Dresder Bank ist und deren Onlineportal nutzt, ist vermutlich schon über den Jack Black-Verschnitt gestolpert. Eine ziemlich gute Kopie sei das, findet Doreen. Ich dagegen (als Nichtkenner des Filmes “School of Rock”) halte den Mann auf dem Foto rechts für keineswegs deckungsgleich.
Aber hey, das wärs. Rock’n'Roll!

Dass der Semesterferien erster Tag ist, erkennt man an der etwa halbierten Einwohnerzahl Marburgs. Wir befinden uns kurz hinter dem Scheitelpunkt einer (die Zahl anwesender Einwohner repräsentierenden) horizontal gespiegelten Normalparabel, sind also noch nicht ganz da, aber auf dem besten Wege zu leeren Wohnblöcken und spärlich besuchten Cafés. Die Busse tragen hölzerne Valentins-Herzen vor ihren PS-strotzenden Bäuchen und am Rudolphsplatz rammen unbeeindruckt die Baumaschinen Stahlträger in den Boden.
Völlig unerwartet traf ich also auf einen Freund, bei dem sich die Marburger Regel ebenfalls zu bestätigen scheint: Sobald man mit Bekannten in einer Stadt wohnt, sieht man sie seltener als in den Jahren davor. Er verschob seinen Mensabesuch für ein paar gemeinsame Minuten, die wir redend und lachend auf von Elektroartikeln abgegrenzten Pfaden verbrachten.

Was ich bis gestern nicht für mögich gehalten hätte: Auch im nächsten Semester besuche ich wieder einen Spanisch-Kurs. Ich kann nicht behaupten, vor Motivation zu strotzen, aber Vernunft und Doreens Hundeaugen siegten. Somit verbleibe ich in stiller Hoffnung, Ende Juli wenigstens das Gefühl zu haben, mich im spanischsprachigen Ausland bewegen zu können.

Was Dennis irgendwann erwähnte, tritt auch nun wieder auf: Eine nicht kleine Menge meiner Freunde tritt zu Beginn der Ferien die Heimreise an. Irgendwie scheint der Studienort nicht als Heimat zu gelten, die Wochenenden werden sowieso nicht hier verbracht und darüber hinaus scheinbar kaum eine freie Minute. Abgesehen von dem zu erwartenden Schlag gegen den Kopf - sollte ich mit Reisekoffern vor der Haustür meiner Eltern auftauchen - als Verweigerung der Wohnberechtigung für länger als 2 Tage käme ich ohnehin nie auf die Idee. Wenn ich sage, dass ich “nach Hause” fahre, meine ich die Wohnung in Marburg. Was, zugegeben, eine Weile gedauert hat.

Übrigens habe ich das erlösende Gefühl, dass sich etwas bewegt; in mir, in meinem Kopf. Beste Voraussetzungen.

Gestern fand der erste Poetry Slam im KFZ statt. Neben Lokalmatadoren waren auch Robert Gaude, Dalibor und der Spoken Word Berlin Abgesandte Frank Klötgen dabei. Bis auf einen dümmlichen Zwischenruf aus dem Publikum war der Abend gelungen, Robert der Sieger und Dalibor - auf den sich der Zwischenruf “Mehr Poetry!” bezog - Zweiter. Sofort hatte ich seine Worte aus Frankfurt im Kopf. Ich freue mich auf den nächsten Slam, im März, in der Cavete.

Gestern war der Monteur da, der mir vor Weihnachten die neue Heizung installieren wollte. Er sah sich die Szenerie noch einmal an, fragte ob ich heute zu Hause sei und dass wir das mit der Heizung dann endlich mal machen würden. Ich entgegnete, ich könne es einrichten und würde mich freuen, wies auch auf die keineswegs nennenswerte Heizleistung des installierten Provisoriums hin.
Der Wecker um 8 mahnte zum Aufstehen, Auf- und Umräumen, Platz schaffen und Kaffee aufsetzen. Dass um 15 Uhr weder Heizung noch Monteur in Sicht sind, verwundert wenig. Trotz allem ein gelungener Morgen, ich fühle mich wohl.
Anscheinend nicht nur: Neben mir tanzt eine Fruchtfliege und amüsiert sich köstlich, dass ich ihr Nest seit Tagen nicht finde.

Ich sitze hier gern, im Foyer des Kunstgeschichtlichen Instituts. Der Marmorboden und die -wände verleihen diesem Ort von Deckenflutern untermalte Würde. Das Tageslicht gewinnt selten die Überhand, Helligkeit dringt nur aus dem Teezimmer und dem großen Fenster im Treppenhaus.
Aus den vielen Gängen, die in die Halle münden, dringt das Geklapper alter Computertastaturen. Ab und zu tritt jemand durch die marode Schwingtür und verschwindet im Treppenaufgang zur Bibliothek. Die Couch lädt zum Versinken und Träumen ein, eine Loge im Theater der Hektik.

Ein Hoch allen Mitarbeitern der (örtlichen) Müllabfuhr.
Etwa zeitgleich mit meinem Wecker rappelten draußen die Mülltonnen Richtung Wettergasse hinab, zwischendurch vernahm ich die Stimmen zweier Männer, die sich zu beeilen schienen. Keine Minute später wiederholte sich das Schauspiel und als ich eben nachschaute, standen die Mülltonnen an dem seit jeher für sie vorgesehenen Platz und waren leer.
Die Befürchtung, dass einige letzte Überlebende des Rosenmontags Quell des Kraches gewesen sein könnten, wurde durch eine Ahnung ersetzt, die sich Sekunden später am Putzplan bestätigte:
Putzen des Treppenhauses, Mülltonnen rausstellen: Fallenbeck

Ich wollte euch eigentlich damit verschonen. Aber ich bin von Keynote sehr begeistert. Mit dieser Software gestalten wir die Präsentation für Mittwoch - bisher jeder für sich, morgen fusionieren wir unsere Entwürfe bei Christoph.
Ich verfalle bei solch neuen und faszinierenden Möglichkeiten sehr leicht den Spielereien und kann mich stundenlang mit einem einzigen Diagramm auseinandersetzen. Später ist diese Präsentation sicher zum Download verfügbar.

Der Karneval hat Einzug gehalten. Der Begriff “Rosenmontag” geisterte schon durch einige Medien, in den Geschäften hingen auch Zettel mit abgeänderten Öffnungszeiten. Dass Tag X heute stattfindet, hat mich aber kalt erwischt. Auf dem Weg zur Bank stellte ich fest, dass vor dem Oberstadt-Aufzug die “Rosenmontagsparty in der Reitgasse - Eintritt: 2 Euro” stattfindet. Der andere Weg führte mich über einen polizeigespickten Marktplatz, eine Steigerung hielt ich für kaum möglich und fragte mich, seit wann Mittelhessen eine Hochburg des Karnevals ist. Vor dem Tegut wurde ich eines besseren belehrt und musste mich durch Absperrungen und über eine abgeriegelte Universitätsstraße kämpfen, innen warteten Massen verkleideter Teenager und Security-Beamte (!) an jeder Kasse auf mich. Alaaf!
Der Plan, verschiedene Erledigungen auf dem Rückweg zu tätigen, ging baden. Ich hätte mir die Schilder rechtzeitig durchlesen sollen.
Kein Brot, kein Wasser. Wenigstens Kaffee.

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