Mi 3 Nov 2004
Grün.
Im Gegensatz zur Präsidentschaftswahl in den USA dominierte grün heute meinen Einkauf. Nun könnte man sich Gedanken über die psychologische Wirkung machen (”Gras - Natur - Unreife - Gift - Ökologiebewegung - Hoffnung”) und was sich das Marketing bei der Entscheidung zugunsten dieser Farbe wohl gedacht haben mag.
Gestern habe ich Nico erzählt, dass ich an keinen Geburtstag denke, wenn nicht rechtzeitig mein Handy klingeln würde und ihm damit eine Illusion genommen. Tatsächlich ist die erste Handlung nach einer Terminvereinbarung das Aufschreiben (später bisher: das Übertragen in digitale Geräte), weil ich ansonsten knapp 75% aller Termine und Verabredungen, Veranstaltungen und Besprechungen vergesse. In letzter Konsequenz habe ich mir jetzt also einen Timer bestellt, um das Chaos in geordnete Bahnen zu lenken. Dieser bietet auch einen variablen Notiz-Bereich, womit die gestellte Anforderung an ein Überall-Büchlein ebenso erfüllt wäre - leider mit größeren Maßen.
Mein Vorrat an Pullovern und Hosen nimmt in letzter Zeit beständig ab. Pullover habe ich genau einen, in dem ich mich wohl fühle. Mit den Hosen verhält es sich nicht anders. Leider bin ich weder gewillt noch in der Lage, mich in aller Ruhe um neue Kleidung zu kümmern. Die wabernde und unerträglich gefüllte Luft in den Häusern dieser Stadt hindert mich jäh am Betreten der Geschäfte. Die erdrückende Marburger Athmosphäre, die Menschen, die Vernichter. Ohne mit der Wimper zu zucken und sich die prilbeschmierten Hände zu waschen, packte mir die Verkäuferin der Bäckerei gegenüber das Roggenbrot in die Tüte, der Spülschaum wackelte, als sie mir das fertige, durchweichte Bündel in die Hand drückte.
Februar 8th, 2007 at 17:20
[...] Im Zug sitzen die üblichen Verdächtigen. Der Anzug- und Schlipsträger, der ohne zu atmen telefoniert, der Kurzhaarige, der an einen Verkäufer aus Hifi-Abteilungen in typischen Multimediaketten erinnert und auf seinem Laptop Filme schaut, und der glatzköpfige Mittvierziger, der sich jede Minute über den Kopf streicht und eine Marketing-Präsentation für die nächste Sitzung am Nachmittag zusammenklickt. In einem - so glaubt er - unbeobachteten Moment prüft er die Wirkungsweise seines Deos, doch scheint unzufrieden. Nebenan öffnet die bereits Weißhaarige eine Flasche Cola Light, die sie schließlich nicht nur ihrem Enkel einpackt, wenn er zur Klassenfahrt aufbricht sondern - was für dich gut ist, ist’s für mich lange - auch sich selbst ein völlig überdimensioniertes Lunchpaket zusammenstellt, mit dessen Hilfe man eine Woche in Sibirien überleben könnte - doch ihre Fahrt endet in Göttingen, wie die elektronische Sitzplatzreservierung verrät. Eine Sitzreihe dahinter die vielleicht gleich alte oder gar ältere aber patentere Dame, die sich in einen Kalender aus Kalbsleder vertieft, vielleicht ein Montblanc oder Time/system. [...]