Wenn ich eines hasse, dann das Geräusch eines Reiseföns. Dieses hochdrehende, jaulende Stück Technik ist selbst durch geschlossene Badtüren kaum zu ertragen. Meistens hilft, je zwei der vier Kopfkissen über und unter den Kopf zu legen und sich so unter einer Decke zu verbarrikadieren, um gleich wieder einzuschlafen.
Um mich nicht umgewöhnen zu müssen, habe ich heute meine “Ultra 1″ von Sun in Betrieb genommen. Den ganzen Nachmittag röhrt sich unerbittlich und müht sich redlich, Solaris 9 zu installieren. Während ich verzweifelt versuche, in dem Webhop-Projekt endlich Boden unter die Füße zu bekommen. Ich gebe zu, ich habe mich verschätzt.
Oktober 2004
So 31 Okt 2004
Sa 30 Okt 2004
Ich fahre zu einer Zeit durch die Einfahrt des Parkplatzes, in der man einen solchen nur unheimlich schwer bekommt, denn Samstag abends um 18:30 sind die Parkscheinautomaten lange außer Betrieb.
Als ich an der ersten Abzweigung halte und im Dunkel eine freie Parklücke auszumachen versuche, klopft es am Seitenfenster: Zwei ältere Damen weisen mich auf eine Abstellmöglichkeit an der dritten Abzweigung hin. Als ich dort ankomme, scheint ein älterer Herr bereits zu warten und deutet sofort auf die Lücke in der parkenden Kolonne. Als ich zögere, erklärt er mir, dass ich selbstverständlich dort parken könne.
Ich frage mich ernsthaft, ob heute noch etwas Schlimmes passiert und sich die Welt bereits jetzt dafür entschuldigen möchte.
Und nein. Ich rauche nicht. Auch wenn das letzte Bild etwas anderes suggeriert. Aber wie das so ist in der Kunst…
Sa 30 Okt 2004
Harald Schmidt kommt vermutlich am 23. Dezember wieder - in der ARD. Auf den Tag genau ein Jahr nach seinem Abschied von Sat1. Das berichtet jedenfalls die Süddeutsche Zeitung. Ein tolles Weihnachtsgeschenk und ein Schlag in die Magengegend all jener, die vor kurzem ihre Fernseher vernichtet haben und jene, die einen Satellitenanschluss, aber keinen Receiver besitzen.
In den Gassen
lärmen die Massen.
Feierabendpoet. Schlafen sie gut.
Fr 29 Okt 2004
Es gibt Leute die geben ihren Fingern französische Frauenvornamen
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Fr 29 Okt 2004
Ich brauche ein kleines Buch, 10×5 Zentimenter etwa in der Dimension, dass ich samt Stift überall mit hinnehmen kann. Zwar habe ich aus der Vergangenheit gelernt und in meiner Lederjacke befinden sich immer Blätter und Kuli, doch bringt es mir nichts, wenn ich eine andere Jacke anziehe und unterwegs das Bedürfnis habe, etwas aufschreiben zu wollen, etwas nicht zu vergessen.
Ich sitze also hier, ärgere mich, weil ich vor etwa einer Stunde mit Doreen über etwas sprach, daran dachte, dies in einem Eintrag zu erwähnen und es sechzig Minuten später mit grausamer Zuverlässigkeit vergessen habe - nichts ist mehr da, nicht einmal ein Ansatzpunkt, um was es sich überhaupt gedreht hat. Das nennt man wohl Gedankenblitz.
Dieses Büchlein sollte zu den Dingen gehören, die man instinktiv beim Verlassen des Hauses in den Taschen verstaut, wie Handy, Portemonnaie oder Schlüssel. Das Schreiben sollte zu einer Gewohnheit werden wie das Telefonieren.
Wenn dies über die Zubereitung von Pizza führt, dann bin ich auf dem richtigen Weg.
Sorgen macht mir mein Erinnerungsvermögen allerdings noch aus einem anderen Grund: Auf der Suche nach einem Ordner, den ich beim Umzug nicht wieder in meine Wohnung gebracht habe aus Überzeugung, ihn in nächster Zeit sowieso nicht brauchen zu werden, durchwühlte ich zahlreiche Kartons an verschiedenen Orten, ohne einen Erfolg verbuchen zu können. Als ich heute den Kofferraum meines Autos öffnete, lachte mir jener Ordner verachtend ins Gesicht.
Do 28 Okt 2004
Der Magen zieht sich zusammen.
“Warum eigentlich?” Die Worte liefern sich Wettrennen in den dunkelsten Gängen des eigenen Verstandes und verschwinden, ohne jemals zurück ans Tageslicht zu gelangen. Er findet die passenden nicht.
“Manchmal kommt es mir vor, als würde ich mich in meinen Gedanken verlaufen. Ich verliere Worte.” Sagt er, Unmengen an Worten verlierend.
Do 28 Okt 2004
Die Kleidung
verrät alles
über einen Menschen.
Er hat sich noch nicht vorgestellt,
da hat die Kleidung bereits
alles erzählt.
Do 28 Okt 2004
Ich komme gerade aus dem Sprachenzentrum der Uni. Mein Vorhaben, Spanisch zu lernen, hat sich in beeindruckendster Weise zerschlagen. Nicht nur, dass sämtliche Kurse bestenfalls vierfach belegt sind, auch der Fachbereich Informatik legt mit erstaunlicher Präzision seine Übungstermine.
Dafür geht es mir wieder besser. Bettruhe und Tee gestern scheinen also das richtige Rezept gegen Erkältungen aller Art. Nebenbei habe ich mich über vegetarische Ernährung schlaugelesen. Ich stolperte über eine Einstufungstabelle: Puddingvegetarier. Aber - zur Verteidigung - seit geraumer Zeit auf dem Weg zum Ovo-Lakto-Vegetarier.
Mi 27 Okt 2004
Gestern abend waren Kante in der Waggonhalle. Was wohl nur Doreen und mir gefallen hat, Georg und eine Freundin gingen vor Ende schon ins HavannaAcht, wo ich sie noch einmal traf. Weiterhin war Marco dort, den ich ja zeitweise mit Kommunikationsboykott belegt habe, was mir in den letzten Monaten aber immer überflüssiger schien. Verabredet morgen Abend zum Donners-Dance.
Heute habe ich das Haus nicht verlassen, werde es auch nicht mehr, weil ich mich ziemlich schlecht fühle. Eine Erkältung samt Kopfweh- und Übelkeitsfacetten hat alle Pläne für heute vernichtet.
Einzig Pizza machen werde ich noch: Wenn Doreen um 20 Uhr nach Hause kommt, hat sie bestimmt Hunger.
The Magnetic Fields:
Time stands still
All I can feel is the time standing stillas you put down the keys
and say don’t call me please
while the radio plays
Di 26 Okt 2004
Gib dir doch ein bisschen Mühe, dann wirds gehen. Du wirst sehen.
Posted by niels under Musique , UniNo Comments
Der Donners-Dance im Trauma war großartig, wir verließen diesen Ort, als die Musik aus- und das Licht anging. Dass weder Christian noch Dennis dort waren, bedauerte ich nur am Anfang. Später beim Tanzen hätte man sich eh kaum unterhalten können.
Freitags Fade Out auf dem AStA-Fest, musikalisch gefielen sie mir früher besser - als sie mit uns gespielt haben. Die Headliner - The Robocop Kraus aus Nürnberg - erwartungsgemäß grandios und ich 90 Minuten später eher Wasserfall als Mensch.
Irgendwann letztens habe ich die Blumfeld-CD in meinem Discman gegen die aktuelle Tomte-CD getauscht.
Irgendwann am Samtsag entstand ein grandioses Foto von mir am Ufer des Flusses. Am Apparat - selbstredend - Doreen.
Der Stundenplan läuft über. Gesichter überall, sie beobachten und warten. Unterwegs, heute wieder, Arbeit ruft, Projekte.
Allgemeines Befinden: Taub.
Di 26 Okt 2004
Rechtzeitig die Kopfhörer auf!
Wir halten gleich am Klinikum.
Gerollte Kragen neben geplatzen;
Heute bin ich nicht mehr traurig,
wenn sich niemand neben mich setzt.
Do 21 Okt 2004
Ich weiß nicht, wie oft ich “High Fidelity” gesehen habe bisher. Nun das n+1. mal. Und wie immer fantastisch. Nick Hornby ist als Schriftsteller empfehlenswert, Trennungsphasen verarbeite ich mit regelmäßigem Konsum des gleichnamigen Filmes!
In der Tankstelle wurde ich des Ladendiebstahls bezichtigt, was nach einigem Diskutieren aus der Welt geschafft war. Heute hier betrunken, morgen im Trauma, übermorgen auf der AStA-Party.
Seltsam berührt von Ingos Mail. Danke. Ich komme gern nach Köln. Und nach Wien.
Tocotronic heute auf heavy rotation. “Bitte gebt mir meinen Verstand zurück!”
Do 21 Okt 2004
Schon letztes Jahr (03.09.03) geschrieben, aber wo ich gerade mit einem Freund drüber rede:
“Papa Pop” - So titelte das SZ-Magazin letzten Freitag den Artikel über den BMG-Manager und das “Deutschland sucht den Superstar”-Jury-Mitglied Thomas Stein. Stein, der vor kurzem sein Büro in Londons Westen räumen musste und in Münchens Osten ein neues bezog. Stein, dem nachgesagt wird, die Casting-Sendung hätte seinen Job und das Jahr für die Bertelsmann Music Group gerettet.
Die Schuldigen sind längst ausgemacht: Das Übel, das mit Napster begann und an dem P2P-Tauschbörsen im Allgemeinen schuld ist und damit kriminell sind. Tauschbörsen, die den Status Quo (nicht nur in der Musikindustrie) unterwandern, Arbeitsplätze vernichten und die erfolgsver- und an parabelähnliche Gewinnkurven gewöhnten Top-Manager ins Schwitzen bringen. Die Gegenmaßnahmen sind gewaltig: In den USA werden scheinbar wahllos P2P-Benutzer von der RIAA vor die Gerichte gezerrt und auf immensen Schadensersatz verklagt, 150.000 US-Dollar betragen die Forderungen je heruntergeladenem Song. Nachweislich haben diese Abschreckungsmethoden zwar Wirkung, allerdings schießen sie weit am Ziel vorbei. Einschüchtern lassen sich nur die “Gelegenheitstauscher”, die “Profis” zeigen sich unbeeindruckt. Das sinnlose Statuieren eines Exempels wird allerdings geht weiter - es wird an einer internationalen Ausweitung gearbeitet. Hierzulange beschneidet die Politik das Recht auf eine Privatkopie und schafft sie de facto ab. Die händereibenden Plattenbosse im Format eines Thomas Stein dürften erleichtert aufgeatmet habene, als sie erfuhren, dass die ungeliebte Privatkopie zwar noch immer rechtens sei, allerdings das Aushebeln gleich welchen Kopierschutzes, der mittlerweile auf fast jeder neu erschienenen Audio-CD (die eigentlich gar keine Audio-CD mehr ist) zum Einsatz kommt, vom neuen Urheberrecht unter Strafe gestellt wird. Folglich ist das Anlegen einer rechtmäßigen Kopie für die eigenen Zwecke legal nicht mehr möglich. Verständlich, dass ein Teil der Betroffenen nicht einsehen will, wo der Nutzen liegt. Eine neu erworbene und kopiergeschützte CD ins persönliche MP3-Archiv zu übernehmen, ist in Zukunft mit wegens des neuen Urheberrechts illegal, selbst wenn der Kunde einen Preis von 20 Euro pro CD bezahlt hat. Die wertvolle Original-CD im Auto-CD-Wechsler durch die Gegend zu fahren, wird sich der eine oder andere auch reiflich überlegen, schließlich war selbst im Falle eines Unfalls die CD immer zu Hause in Sicherheit und ein 12er-Magazin befüllt mit Original-CDs hat allein schon einen Musikwert von 200 Euro. Der plötzliche Wegfall der Möglichkeiten durch den Kopierschutz zwingt allerdings technisch wenig interessierte Anwender, die auf den Rohling im Auto nicht verzichen wollen, zum Benutzen von Tauschbörsen, in denen das Album mit Sicherheit zum Download angeboten wird, was bei ausreichend verschiedener Quellen und Breitband-Anschluss ans Internet manchmal sogar schneller zum Erfolg führt als das Rippen der CDs am heimischen Rechner.
Das Problem scheint zumindest teilweise hausgemacht, die Versuche von Firmen beim Aufbau eines Musikportals im Internet scheitern im großen Maße noch immer kläglich. Wird die Firma nicht in Grund und Boden geklagt, bürdet sie dem potentiellen Benutzer kaum vertretbare finanzielle Aufwendungen und ein dermaßen eingeschränktes Nutzungsrecht auf, dass die Attraktivität stark gegen Null geht. Einen besseren Start scheint dem Dienst von Apple beschieden zu sein, bisher allerdings nur in den USA. Ob sich das Musikportal hier etablieren kann bleibt abzuwarten. Es gibt eine Gruppe Musikliebhaber, die eben doch lieber Audio-CDs und Schallplatten im Schrank stehen haben, als reine Musikdateien in welchem Format auch immer nur auf (Fest-)Platte zu besitzen. Ein zentrales (und im Grunde legales) Musikarchiv, das allen Bewohnern einer Wohnung zugänglich ist, wird nicht selten in weiten Teilen illegal und die “Betreiber” kriminalisiert.
Die Rechung der Plattenbosse scheint nicht aufzugehen. Hier wird offenbar davon ausgegangen, dass jeder Tauschbörsennutzer tatsächlich alle heruntergeladenen Lieder und CDs kaufen würde, wäre ihm der Zugang zu den Tauschbörsen verwehrt. Oftmals wird der persönliche Wert von Pop- oder anderen Musikstücken unterhalb des Preises einer Maxi-CD liegen. Aus Interesse lädt man sich das Lied herunter, eine CD des Künstlers im eigenen Plattenschrank kann sich der Benutzer dagegen oftmals nicht vorstellen, sei es aus musikalischen oder persönlichen Gründen: jemand, der ein Lied furchtbar erschreckend findet, würde sich sicher nie einen Tonträger jedweder Form kaufen, eine MP3 zum Informieren seiner Freunde allerdings ab und zu sicher einmal herunterladen. Und davon gibt es zur Zeit reichlich, Tendenz steigend. Künstler vom Format eines Küblböck oder Alexander K. sind Eintagsfliegen, der obligatorische Begriff des One-Hit-Wonder sollte allerdings verschont bleiben. Peinliche (und das gibt selbst Herr Stein zu) und keinesfalls selbständige Musiker, die ihre Musik auf’s grellbunte Outfit zugeschrieben bekommen, deren einziges Ziel die Hyperventilation vierzehnjähriger Teenies ist. Dann klappt das Marketingkonzept und der scheinbar kaufkräftigen Jugendgeneration wird das Geld für Schund aus der Tasche gezogen, für den sie sich spätestens auf dem achtzehnten Geburtstag schämt. Eine Tatsache, die das Gegenteil zu belegen scheint, sind die rückläufigen Verkaufszahlen “bei den so genannten Hitcompilations, Sammel-CDs mit den aktuellsten Chart-Hits. Hier betrug der Rückgang 47,5 Prozent” [2], der fast ausschließlich in unrechtmäßigen Privatkopien begründet liegt, meint jedenfalls Gerd Gebhardt, Vorsitzender der deutschen Phonoverbände. Widerläufige Verkaufszahlen sollen mit Bewährtem erreicht werden: Eine Tendenz zu Neuauflagen einmal erfolgreicher Musikstücke ist deutlich erkennbar, wohl wissend, dass gut geklaut besser ist als schlecht selbstgemacht: Das funktioniert allerdings nur so gut, weil niemand mehr an die One-Hit-Wonder der 70er oder 80er Jahre denkt [1].
Deutschland im Herbst, das Jahr zumindest für die BMG gerettet, rollt auf die zweite und mitnichten letzte Staffel von Deutschland sucht den Superstar zu. An Board ausschließlich Bekannte, wenn nicht vom Gesicht zumindest von den Liedern. Man orakelt, die Musikindustrie denke über Lizensierungen statt den Verkauf von Musikstücken nach, um in 15 Jahren die Lieder wieder neu lizensieren zu können. Ein guter Schritt weg von den Tauschbörsen - doch auch nach dem Willen der Musikbosse sind Musikstücke in digitaler Form wesentlich angenehmer als auf Tonträgern jeglicher Coleur, entfällt doch der Vertrieb. Es wird also weiter nach dem ultimativen Kopierschutz gesucht, nach unknackbaren “Digital Rights Management”-Systemen und auf die Tauschbörsenbenutzer kommen harte Jahre zu, wenn das USA-Modell Schule macht. Doch es wird versäumt, sich grundlegende Gedanken zur Struktur der Branche zu machen. Denn auch das stellt Thomas Stein fest: Ja-Sager gibt es überall.
[1] The One-Hit Wonders, http://www.dogpound.biz/onehit.html
[2] Musikbranche klagt über weiter rückläufige Umsätze, http://www.heise.de/newsticker/data/jk-14.08.03-002/
Quellen:
Süddeutsche Zeitung Magazin, Papa Pop, 29.08.03, Seite ..-..
heise News-Ticker, 15.07.2003, “Tauschbörsen unter Druck”
http://www.heise.de/newsticker/data/anw-15.07.03-000/
heise News-Ticker, 14.08.2003, “Musikbranche klagt über weiter rückläufige Umsätze”
http://www.heise.de/newsticker/data/jk-14.08.03-002/
Heise News-Ticker, 15.08.2003, “Klagedrohungen der US-Musikindustrie rufen US-Senat auf den Plan”
http://www.heise.de/newsticker/data/ola-15.08.03-001/
Heise News-Ticker, 23.08.2003, “RIAA-Strategie scheint aufzugehen”
http://www.heise.de/newsticker/data/ghi-23.08.03-003/
Mi 20 Okt 2004
Eine Flasche Wein später weiß ich, dass ich mir einen gehörigen Vorrat an Bier anlegen muss. Wein kann nicht so weitergehen, darf nicht so weitergehen und der Selbsthass morgen früh, wenn ich um 9 Uhr in der Vorlesung sitze, ist mir gewiss.
Als ich aus dem Haus ging, um Dennis zu besuchen, standen meine Großeltern vor der Tür. Natürlich wollten sie nicht hereinkommen auf einen Kaffee. Auch wenn ich nicht auf dem Sprung gewesen wäre. Gefreut hat es mich natürlich trotzdem sehr. Und ihnen war es anscheinend auch recht, dass ich eh unterwegs war, wir haben uns sogar einen Teil des Weges begleiten können.
Di 19 Okt 2004
Gestern habe ich den Tag - genauer die letzten beiden Tage - schon früh im Bett mit einer Wärmflasche und endlich wieder einem normalen Buch (Thomas Bernhard - “Heldenplatz”) ausklingen lassen. Tagsüber unerwartet viel Besuch, seit ich in der Oberstadt wohne stehen öfters mir Bekannte vor der Tür.
Heute werde ich aufräumen, im Kopf und im Raum, gemütlich geht anders. Ein bisschen beruhigter und unberuhigter, lese morgens wieder Zeitung und trinke Kaffee.
music for the morning after: Georgette Dee - Die Jahre sind ein Buch
Die Jahre sind ein Buch, das man selber schreibt:
Die erste Seite dauert noch eine Ewigkeit,
Tag für Tag ein Wort, die Sätze werden zum Roman,
du blätterst immer schneller, bis du dann irgenwann
die letzte Zeile schreibst.Dann kannst du, wenn du mutig bist,
das Buch umdrehen und lesen, wie vorne drauf der Titel ist.Das ist dein Leben!
So 17 Okt 2004
Ich habe wieder meine High-Fidelityeske Phase. Passt nicht wirklich in den Kram…
Gestern habe ich erst mit Juna, dann mit Anne telefoniert und war anschließend mit Doreen auf ein Bier weg. Was sehr angenehm war. Schön sogar. Danach hat sie die halbe Nacht hier gesessen.
Heute kommt Nick, Christian liegt mit Magen-Darm-Grippe im Bett. Ihn werde ich morgen besuchen.
Aber erstmal bis morgen schaffen.
Do 14 Okt 2004
Mein Handy spinnt. Vermutlich vorsätzlich, da ich pünktlich zum Ablauf der Vertragslaufzeit ständig die SIM-Karte neu einsetzen muss, um zwei Minuten Empfang zu haben. Danach verliert es wieder zuverlässig den Netzanschluss. Ein bisschen Drücken und Streicheln hilft manchmal tatsächlich, aber eben nicht dauerhaft. Jedem, der mir eine SMS schickt oder mich auf dem Mobiltelefon anzurufen versucht, bitte ich um Verständnis.
Da ich mich in zwei Wochen sowieso um einen neuen Vertrag hätte kümmern müssen, habe ich das heute erledigt, um im Laufe der nächsten Woche wieder mit einem funktionierenden Telefon unterwegs zu sein.
Weiterhin habe ich damit begonnen, mich von meinem überflüssigen Netzwerkequipment zu trennen. Heute zum Verkauft:
19″ Rack-Switch von Hewlett-Packard.
Di 12 Okt 2004
15:15 Uhr. Das Telefon klingelt. “Hallo?”
Nach einem Piepen verrät die mechanische, weibliche Stimme: “Hier ist ihre T-Net-Box.”
Dumpf erinnere ich mich an die Worte des T-Punkt-Mitarbeiters, der die Vorteile des Anrufbeantworters im Netz erläuterte. Natürlich bin ich darauf hereingefallen und versuche jetzt verzweifelt, das automatische Menü mit meinem Pulswahl-Telefon zu überreden, die aktuellen Nachrichten vorzulesen - erfolglos.
16:15 Uhr. Es klingelt wieder. Das Piepen auf der anderen Seite kommt mir bekannt vor, als die weibliche Stimme einsetzt. Mein Handy, das beim Drücken der Tasten tonwahlähnliche Geräusche abgibt, wird von der automatisierten Gegenseite ebensowenig beachtet wie meine laeienhaften Imitationsversuche durch pfeifen und zischen. Ich lege auf.
19.15 Uhr. Beim letzten Anruf für diesen Tag bekommt die Dame keine Gelegenheit, ihr Anliegen vorzutragen. Zwischenzeitlich habe ich die Hotline der Telekom erreicht - entgegen aller Befürchtungen wurde ich von keinem Auswahlmenü begrüßt - und die Löschung des Anrufbeantworters beantragt. Eine nicht ganz so freundliche Dame hat mir schließlich die höchstens 24 Stunden dauernde Löschung bestätigt und versprochen, dass die T-Net-Box heute bestimmt nicht mehr anruft.
20.15 Uhr. Christian ist am Telefon, der Mailserver funktioniere nicht. Ich gebe zu bedenken, ich sei in Kommunikationsfragen der falsche Gesprächspartner. Und pfeiffe in den Hörer.
Mo 11 Okt 2004
Heute beginnen die Einführungsveranstaltungen für alle neuen Erstsemester-Studenten, die sogenannten Orientierungs-Einheiten. Traditionell werden die “Neuen” mit den elementarsten Dingen zuerst vertraut gemacht: morgens dem Stundenplan, abends der Kneipenkultur und Mittags eben der Mensa. Diese platzt während der gesamten Öffnungszeit der Essensausgabe aus allen Nähten, glücklicherweise werden die Treppen abseits des Haupteingangs erst während des Semesters bekannt und bieten so zumindest in den ersten Wochen eine noch angenehme Alternative, in den Speisesaal zu gelangen.
Am Nebentisch sitzen Philipp, Agathe und ihre neuen Freunde. Der Redner macht sich bereits mit seinen Zuhörern bekannt, die ihn teilweise durch das komplette Studium begleiten werden. Sind Personen in der zugelosten Gruppe noch so unsympathisch, kommen sie einem im Laufe der Zeit leider niemals völlig abhanden. Spätestens beim Einkaufen im Hauptstudium wird man feststellen, dass der größte Idiot nur um die Ecke wohnt, im Seminar in einer Bank mit ihm zu sitzen ist dagegen noch angenehm.
Beim ersten gemeinsamen Mensabesuch hat man ihm noch zugehört, fasziniert gelauscht sogar, seine Geschichen waren ja noch neu. Auch das Mädchen, neben dem man damals gesessen hat, deren Jungs-Frisur einem in Erinnerung blieb und von der man nichts als den Namen wusste, weil dieser mit Faserstift auf einem am Pullover befestigten Faserklebestreifen gemalt war, hat sich über die Jahre nicht verändert.
Wie ich mich so in Gedanken verloren fortträume, vergesse ich darüber beinahe das Essen. In die Realität bringen mich die fünf Mediziner, die sich an meinen Tisch gesetzt haben.
“Und wo schläfst du?”
“Bei Mareike oder Steffi, ich habe ja noch keine Wohnung.”
“Ich auch nicht.”
Mo 11 Okt 2004
Gestern war Ingo da. Aus Köln. Nach einer SMS “Ich komme in drei Stunden”. Ich saß gerade beim Essen, auswärts mit dem Auto, was sich als dümmste Idee der letzten Woche erwiesen hat. In Marburg tobte der Elisabeth-Markt und auf den Parkplätzen das Chaos, aber scheinbar übten sich Marburger Ordnungshüter in Toleranz.
Auf dem Weg nach Hause - Stunden später - treffen wir eine seltsam grinsende Alex, die sich scheinbar freut, uns zu sehen. Wir auch, schnell weiter. Die Stadt läuft über, auch abends noch. Wenigstens haben wir einen Parkplatz und biegen nach einer handvoll Minuten in die Schutz bietende Gasse. Neben dem angefeuerten Ofen, der leise knackend eine gemütliche Athmosphäre verteilt, essen wir Pizzabrot und Baguettes.
Die Batterien meines Discman haben gestern sehr früh aufgegeben, mir blieb nichts als den Menschen zu lauschen. Von “H&M” war die Rede, Jungs selbstredend und vor dem Aufzug begegnete uns ein Mann, der erst auf die schließende Tür zulief, den Aufzug verpasste und beim nächsten jedem den Vortritt ließ.
Obwohl das Wochenende gut war, bereue ich es ein kleines bisschen, nicht auf der Buchmesse in Frankfurt gewesen zu sein, am Samstag morgen oder wann anders.
