September 2004


Zwischen zwei Welten: Wach und Schlaf. Kein so tolles Gefühl, wenn es fast durchgängig den ganzen Tag anhält. Dafür hatte ich heute Phasen, in den ich die Welt hätte umarmen können. Vielleicht war es auch bloß wegen der Überlagerung mit dem o.g. Problem.
Tocotronic haben ein neues Album aufgenommen, das Anfang 2005 erscheinen soll. Kante sind auf Tour und Ende Oktober in Marburg, kurze Zeit später sind dann die Aeronauten hier. Und morgen treffe ich wieder Georg.
Das kann, das muss, toll! Rien ne va plus. Erstmal schlafen.

Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger hat am Freitag ein Gesetz unterzeichnet, das erlaubt, persönliche Informationen über verurteilte Sexualstraftäter künftig im Internet zu veröffentlichen. Das neue Gesetz betrifft Personen, die wegen sexueller Gewalttaten oder Belästigung von Kindern verurteilt wurden. Ins Netz sollen unter anderem Name, Foto und gegenwärtige Adresse der Straftäter gestellt werden.

Ich bin geschockt. Das gleicht einer Hexenjagd im Mittelalter. Nicht auszudenken, welche Wege der Hass der Bevölkerung nehmen wird. Erwähnt seien hier nur unschuldig Verurteilte oder psychisch Kranke. Das vermeintlich männliche Verhalten wildgewordener Cowboys, das einem schon oft den Schock in die Glieder getrieben hat.
[Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/51514]

Mein Telefon ist mein bester Wecker. Man muss dazu sagen, dass es ein Modell aus den 50er Jahren ist, ausgestattet mit Wählscheibe und echtem Geläut. Als Doreen heute morgen um 5:30 Uhr also anrief, war ich bereits während des zweiten Klingelns am Apparat und wirkte jedenfalls so wach, dass sie nachfragte, warum ich so schnell am Telefon sei.
Da ich schon immer dem Schlafen zugeneigt war, hatte ich als Kind einen Wecker, wie ihn viele von früher kennen: Ein kleiner Hammer schlägt abwechselnd zwei metallne Halbkugeln an, der Lärm ist kaum zu überhören. Die Ausgabe, die mir meine Eltern in der frühen Jugendzeit zukommen ließen, hatte etwa die Maße von 30×30 cm. Man kann vermuten, dass die Lautstärke des Alarms proportional zur Weckergröße zunimmt. Stimmt.
Ich kann mich nur an ein einziges Mal erinnern, als meine Mutter den Wecker ausschalten musste, weil ich entweder über die Monate gelernt hatte, meine Ohren im richtigen Moment zu schließen oder in der Lage gewesen sein musste, selbst Geräusche dieser Intensität zuverlässig in meinen Träumen verstauen zu können. Mit meinem Handy und anderen Lauten gelingt mir dies heute noch in beeindruckender Weise, so dass Anrufversuche zu Schlafenszeiten meist nicht von Erfolg gekrönt sind - wenn sie auf dem mobilen Gerät erfolgen. Jedenfalls muss dies wohl das Ende der Ära dieses Wecker eingeläutet haben, in Mehrfamilienhäusern kann man ihn aus Rücksicht auf die anderen Parteien sowieso nicht einsetzen, so dass er heute noch bei meiner Oma steht und auf seine zweite Chance wartet.

Wer kann sich nicht an die Figur des Struwwelpeters erinnern, an die einzelnen Geschichten und Bilder? Hier, direkt nebenan, im “Haus der Romantik“, gastiert seit sieben Tagen eine Ausstellung, in der wir eine Stunde verbrachten. Dabei konnte man die Exponate recht ausführlich unter die Lupe nehmen, groß sind die Räumlichkeiten nicht gerade. Der untere Teil des Gebäudes ist dem Thema “Romantik in Marburg” gewidmet, der obere Teil beherbergt zur Zeit die Ausstellung über Heinrich Hoffmanns lehrreiche Lausbub-Geschichten.
Sofort kann man sich an die längst vergessen geglaubten Erzählungen erinnern, an die Bilder und an allerlei Vorkommnisse, die ein oder andere Vitrine birgt jedoch so manche Überraschung:
Der Struwwelhitler aus Großbritannien beispielsweise, als Propaganda gegen die arische Kriegsmaschinerie.
Außerdem kommt das Erzieherische auch in der Ausstellung nicht zu kurz. Denn eines hat man bereits damals geahnt und erst jetzt verstanden:

[…] gepflegtes Haar erleichtert das Vorwärtskommen.

Aus aktuellem Anlass möchte ich hier meinen Standpunkt zur Durchsetzung der Urherberrechte und dergleichen darlegen:
Es ist nicht das erste Mal, dass Bilder von Doreen ohne Einverständnis auf anderen Webseiten aufgetaucht sind. Dies führte schließlich zu einem Passus auf ihrer Webseite, der daran erinnert, bei einer geplanten kommerziellen Verwendung ihr Einverständnis einzuholen.
Mittlerweile ist sogar ein Foto auf einem Flyer und damit in einer Zeitung aufgetaucht - ohne Einverständnis. Die Gruppe all jener, die “Copyright” und “Klage” schreien, ist zur Zeit besonders aktiv. Selbstverständlich ist das sehr ärgerlich, ob aber eine gerichtliche Durchsetzung der eigenen Ansprüche der richtige Weg ist, wage ich zu bezweifeln.
Die (authorisierte oder unauthorisierte) Veröffentlichung bringt eine weite Verbreitung der Fotos mit sich. Es ist nicht davon auszugehen, dass jeder, der diese sieht, den Urheber (er)kennt. Seit einiger Zeit gestattet Doreen also die Verwendung von Bildern auf Webseiten mit einer Angabe der URL ihrer Homepage. Dies hat zur Folge, dass einem recht großen Teil der Betrachter nicht verborgen bleibt, von wem diese Fotos stammen. Würde in diesen Kreisen ein Foto ohne eine entsprechende Kennzeichung auftauchen, wäre die Herkunft des Fotos sehr bald klar - entsprechende eMails und Nachrichten bekommt Doreen laufend. Die Sache in den Druckmedien verhält sich entsprechend anders.

Eine Klage gegen den Veranstalter hätte auch bei Erfolg einen faden Beigeschmack. Jemand, der die neuen Medien so intensiv nutzt, ihnen sogar recht viel zu verdanken hat, verdingt sich mit einer solchen Klage dem spröden System und den erstarrten Strukturen, aus dem heraus Medienriesen die eigenen Kunden verklagen. Dass mit Doreens, im Internet veröffentlichten Fotos kein Geld gemacht werden kann, ist einzusehen: Sie liegen in einer viel zu geringen Auflösung vor, als dass man Abzüge oder dergleichen vermarkten könnte. Dieser Vertriebsweg ist unangegriffen, die Verbreitung und Veröffentlichung ihrer Fotos ist also eine kostenlose Werbung und eine Form von Anerkennung und Lob.
Dem Veranstalter des Festivals, der Doreens Fotos auf seinen Flyern veröffentlichte, ist nichts desto trotz in schärfster Form mitzuteilen, dass er gegen das Urheberrecht verstoßen hat. Nachdem er auf ihre eMail lange nicht geantwortet hat, kam gestern eine Entschuldigung samt Angebot, über die Vorfälle zu reden. Und endlich eine eMail-Adresse, an die man schreiben kann. Diese sucht man auf der Webseite indes vergeblich, das Kontaktformular scheint darüber hinaus nicht zu funktionieren, wie K. in der eMail andeutet.

Falsch ist, dass ich der Ansicht bin, Verstöße ohne Gegenreaktion hinzunehmen. Allerdings zeigt sich auch hier wieder, dass der Großteil der angeschriebenen Personen zu Gesprächen bereit ist und sich für ihr Verhalten entschuldigt. Man sollte sich seine Vorgehensweise also gut überlegen. Das Bemühen des juristischen Apparats ist in meinen Augen der berühmte Kanonenschuss auf Spatzen. Es lohnt sich, weitaus mehr Energie in die (kreative) Auseinandersetzung mit den neuen Möglichkeiten, die das Medium Internet seinen Benutzern bietet zu investieren. Nur Weniges ist bereits vorgedacht, das Gebahren großer Medienunternehmen sei hier unbedingt kritisch unter die Lupe zu nehmen, oftmals sind diese dem alten System verhaftet und versuchen, etablierte Strukturen in das neue Umfeld zu portieren.

Heute habe ich zum ersten Mal das Gefühl, wegen dem ich in die Oberstadt gezogen bin. Ich dachte mir, dass es irgendwann kommen würde und umso mehr genieße ich den jetzigen Zeitpunkt.
Egal aus welcher Seite der Gasse man in die Fußgängerzone tritt, begrüßen einen Musik und Menschen. Der Marktplatz macht seinem Namen alle Ehre, während auf der anderen Seite der Orgelspieler die Menschen in seinen Bann zieht, durch die offenen Fenster kann man jedes seiner Lieder genau hören. Es regnet nicht, es ist trüb. Und es fügt sich zu einem Gesamtbild zusammen, dem Sonne nicht stehen würde.
Die Croissants und die Wiener Mélange tun ein Übriges. Frankreich in Hessen. Oder: Hallo Großstadtmensch, schön dass du aufgewacht bist.
Willkommen zu Hause.

In der aktuellen Ausgabe der de:bug (#86) ist dem “Ende des Fernsehens als Broadcasting-Medium” ein recht langer Artikel gewidmet. Dem Wandel also von passivem Konsum aus den Fernsehsesseln hin zu selbstbestimmtem, aktivem Konsum.
Wie dieser in den letzten Monaten aussah und sich in Zukunft entwicklen könnte, wird vom Autor grob geschildert: Den bereits erhältlichen, aber noch spärlich verbreiteten “persönlichen Videorekordern” (PVR, auch als DVR oder TiVo bekannt), die einen “Service, um den Zuschauer zu emanzipieren” bieten, wird als ebenfalls etabliertes und dem bereits heute aktivem Konsum zugrundeliegenden Protokoll BitTorrent gegenübergestellt. Beide Techniken in Verbindung mit RSS, dem sehr verbreiteten XML-Format zum News-Austausch, ermöglichen ein Abonnement beispielsweise von Fernsehserien, deren vollständige Staffeln der TiVo eigenständig zusammensucht und für den Benutzer vorhält.
Einen Schritt in diese Richtung haben die PVRs spätestens mit der Möglichkeit der eigenständigen Programmaufnahme gemacht, die dem Benutzer- (sprich: Fernseh-)Profil des Besitzers gerecht werden soll. In einigen Fällen schätzt das Gerät die Vorlieben allerdings falsch ein, so dass es immer wieder zu lustigen Episoden kommt:

Aus unerfindlichen Gründen dachte mein TiVo, ich wäre schwul. Jedenfalls hat er immer nur Schwulenfilme aufgenommen. Ich habe dann versucht, ihn umzutrainieren, indem ich ausschließlich harte Kriegsfilme programmierte. Jetzt denkt er, ich wäre ein Nazi.

Dass dieses Szenario durchaus im Bereich des Möglichen, sogar in naher Zukunft liegt, verdeutlicht einmal mehr ein Open Source Projekt: MythTV leistet all das oben beschriebene bereits auf Basis eines Linux-Rechners mit TV-Karte und ausreichend Plattenplatz. Per Plugin gelingt sogar die Verquickung von RSS und BitTorrent.
In einer Zeit, in der RTL gegen die “Fernsehfee” zum automatischen Ausblenden der Werbeunterbrechungen klagt, ist der Medienriese bereits von der Realität überholt.

Dumm gelaufen für den Sender, der bekannt geworden ist durch seine juristischen Fachproduktionen wie “Das Familiengericht”, “Das Jugendgericht” und “Das Strafgericht”, seine medizinischen Lehrfilme wie “Dr. Stefan Frank - Der Arzt, dem die Frauen vertrauen”, seinem investigativen, kritischen Journalismus (”Exklusiv - Das Star-Magazin”) und der seinen Zuschauern sogar psychologische Beratung bietet (”Vierbeiner auf der Couch - Wenn Tiere einen Tick haben”).

Dumm gelaufen auch für das Auditorium, das dankbar für das Abnehmen der Entscheidung ist, welchen Mist man sich jetzt überhaupt anschauen sollte.

Man möge mir bitte sofort erklären, warum alles auf einmal und zum unpassendsten Zeitpunkt kommt.
Dafür habe ich mir eben endlich Blogs! und Minusvisionen bestellt, für die Busfahrt nachher wird der Freund herhalten müssen.
Ich wünsche November, Mitte bitte. Zum Sofortessen. Danke.
Weil so schön das manchmal auch sein kann, im Moment regt mich alles auf.
Gerade, als Zustimmung, stellt die Spülmaschine ihren Dienst ein: Fertig. Wir fühlen uns gleich.

Dass der Audi A6 - ein typisches Vertreterauto - in der Versicherung viel teurer ist als ein Golf, der immerhin auch nicht gerade wenig kostet, das wissen wir jetzt. Er solle sich die Anschaffung überlegen, er hätte sich auch informiert, als er sich selbständig gemacht hätte, sagte er noch zu seinem Freund. Wenig später verließ ich die Bäckerei mit Käsebrötchen und Croissants.
Der Kaffee köchelt leise vor sich hin, das Radio summt Element of Crime und draußen fällt der Regen vom Himmel in den Tag.
Gestern haben Dennis und ich während des Streichens über “das natürliche Verhalten des Mannes” (er) bzw. über das “unsinnige Hinterherhecheln bei Frauen” (ich) unterhalten, das ich genau in der Form erst letztens erlebt habe, wie die Formulierung suggeriert. Er verstehe nun, warum mir der Job in der Kneipe keinen Spaß macht und im Supermarkt wären die hübschesten Mädchen der Stadt.
Das ist ja wie im Fernsehen.

Gestern abend - nach dem ersten Streichen des Hauses in Wehrda - waren Doreen und ich zum Pizzamachen verabredet. Fertigteig aus dem Aldi, frische Pilze, Tomaten und allerlei Käse. Dreiviertel der Pizza steht noch im Ofen und wartet auf eine Wiedergeburt in der Mikrowelle, um als Frühstück zu dienen.
Heute morgen dann in den Nachrichten: Der Computer soll GEZ-pflichtig werden. Hurra also. Es ist zum Kotzen. Ich bezweifle leider nicht, dass sie damit durchkommen werden. Aber der Sinn, warum PCs (unabhängig von deren Möglichkeit zum Empfang von TV- respektive Radio-Signalen) mit Internetzugang versteuert werden müssen… Wieder ein Hinweis auf die Unfähigkeit der “Alten”, das “Neue” in “Neue Medien” nicht verstanden zu haben oder verstehen zu wollen. Das Festhalten an vermoderten Strukturen, die Zementierung des Status Quo… wozu bitte GEZ-Gebühren? Für deren Online-Angebot? Hat das denn auch einen Bildungsauftrag?
Ich würde gern wissen, ob in anderen Ländern ebenfalls eine Gebührenerhebung für die Nutzung des Internet diskutiert wird.

Auf dem Dach gegenüber verwittert eine Rakete vom letzten Silvester. Moos bildet das Kopfkissen für den ausgebrannten Kopf und im Fenster dahinter tuscheln Verkäuferinnen. Die Heizung knattert und knarrt das erste mal dieses Jahr, alles ist in dem schweren Geruch von Wärme eingeschlossen, der an die Kindertage erinnert.
Da bricht die Sonne durch die Wolken und alles ist für die Katz.

Ich wollte “The Village” nicht sehen, ich habe mich dagegen gewehrt und gesträubt. Auf ihr Drängen hin haben wir uns vor einige Zeit “Godsend” angeschaut. Ich hasse es, mich im Kino zu erschrecken, “Godsend” war also eine reichlich schlechte Wahl und Anlass für den Vorsatz, in nächster Zeit nicht mehr mit Doreen ins Kino zu gehen. Was bedeutet, dass wir fast gar nicht mehr zusammen Filme schauen, da unsere Interessenbereiche recht disjunkt sind.
Zwar konnte mich das Argument, er stamme aus der Feder des Regisseurs von “The 6th Sense” nicht überzeugen. Aber dann machte Doreen wieder das, was sie sehr gut kann: Mir ein schlechtes Gewissen. Und wer kann schon Nein sagen, wenn dich zwei große Augen mit Dackelblick flehend anschauen. Ich habe mich nur einmal erschreckt (was völlig in Ordnung geht), gegen Ende einen Kloß im Hals und nicht das Gefühl, einen schlechten Film gesehen zu haben.
Kurz: Diesmal habe ich es nicht bereut.
Von der Wahl gestern habe ich nicht viel mitbekommen, ich bin aber alles andere als geschockt über das Ergebnis. Zwei ganz amüsante (?) und in diesem Zusammenhang beruhigende Texte:

Und auch den Besuch von “Der Untergang”, in dem ich mit Doreen am Donnerstag war, habe ich nicht bereut. Wo sich der Titel herrlich passend ins Wochenende fügt.

Es rattert die Spülmaschine und im Kopf. Der Kaffee - sonst lecker - schmeckt heute widerlich und stark. Das “widerlich” kommt von zu viel Sojamilch, das “stark” von zu viel Pulver. Die Wochentag-Beschränkung ist lange gefallen, dass heute Sonntag ist, merkt man nur an geschlossenen Läden; jetzt, wo so viel fehlt.
Die Sonnenstrahlen fallen zwischen die alten Oberstadt-Häuser und werfen Schatten auf das Nachbargebäude. Die meisten Wohnungen sind leer, Semesterferien - man merkt es. Und zwischen Fachwerk und Dächern sieht man schneeweiße Wolken, die Richtung Lahnufer ziehen, hier vor der Gasse die üblichen Verdächtigen, Menschen aus Bussen, die den Marktplatz um die Ecke bestaunen und sich in eines der zahlreichen Cafés setzen. Der Sommer war viel zu kurz, irgendwo bellt ein Hund und Leo liegt auf dem Bett und träumt.

Aus aktuellem Anlass.
Eine Affinität zum Schreiben hatte ich in jungen Jahren nicht wirklich: In der Schülerzeitung war ich nie aktiv, Geschichten habe ich auch zu Hause nicht geschrieben.
Die Geschichte des Bloggens fängt ja bei vielen auf der eigenen Homepage an. Auf meiner war das in Form von News, in denen ich Veränderungen gegenüber der Vorversionen festhielt. Natürlich war und ist das keineswegs vergleichbar mit dem Schreiben eines kurzen Textes. Die Zielgruppe ist die selbe: Die Besucher der eigenen Homepage. Vermutlich (oder hoffentlich) lesen Besucher diese Texte lieber als die News ihrerzeit.
Den ersten Blog, der diesen Namen auch verdient, führte ich mit dem Dienst LiveJournal. Hier stand der Gemeinschaftssinn im Vordergrund, anfangs konnte man sich kein neues Journal anlegen, ohne von einem schon partizipierenden Nutzer eingeladen zu werden. Als diese Beschränkung fiel, ging ein lauter Aufschrei durch die Reihen der Alteingesessenen, der eine Gründung einer Community für die “Livejournal-Elite” zur Folge hatte. Die Sache mit dem Gemeinschaftssinn schien also geklappt zu haben. Schaute man sich die Mitglieder der Gruppe an (bzw. las ihre Journale, soweit möglich), hatte man allerdings kaum das Gefühl, in einer erlitären Gruppe zu sein.
Es gab vielfältige Möglichkeiten, sich die Leserschaft selbst auszuwählen; Diverse Filter konnten angewandt werden, damit Beiträge nur selektierten Personen zugänglich waren. Viele Blogs auf LiveJournal sind so konfiguriert, dass man als Außenstehender bestenfalls einen Hinweis auf den “friends only”-Status zu lesen bekommt.
Vor noch gar nicht langer Zeit kehrte ich diesem Dienst den Rücken, zu genervt war ich von den Personen, die sich dort tummelten. Am Lesen hatte ich keinen Spaß mehr, vom Schreiben ganz zu schweigen. Ich kündigte also meinen Account und blieb ein paar Wochen ohne Blog. Kurze Zeit später kam Blogs! auf den Markt und mit ihm meine Lust am Schreiben zurück. Das (für Doreen) programmierte PHP-Skript musste nach wenigen Tagen einem ausgereiften System weichen - jenem, das auch dem Blogs!-Weblog zu Grunde liegt.

Die Frage, warum ich schreibe, kann ich für mich selbst nicht vollständig beantworten. Vorbelastet - wie erwähnt - bin ich nicht, zwar habe ich irgendwann früher ein Buch schreiben wollen und bin zwei Seiten weit gekommen, aber wer kann das nicht von sich behaupten? Die Veröffentlichung von Texten gibt jedem eine recht unkomplizierte Möglichkeit, die eigene Sichtweise, Meinung und Kritik öffentlich darzustellen. Die Homepage oder externe Dienste wie das oben genannte Livejournal, blogger.de oder antville.org (nur um wenige zu nennen) , stehen auch unbedarften und weniger erfahrenen Benutzern zur Verfügung. Überdies kann man nur durch regelmäßiges Schreiben seine Formulierungen schärfen und gewinnt die Fähigkeit, sich vernünftig äußern zu können.
Schön ist, dass man sich beim Schreiben anderen Gedanken als im Alltag widmen kann. Oder dort angefangen Gedankengänge weiterverfolgen und zu Ende denken kann, die eigenen Gedanken auch nachlesen, Revue passieren und revidieren kann.
Und ohne Frage dient ein Weblog in jedweder Form ebenfalls der Selbstdarstellung.

Einen Fehler darf man beim Lesen eines Blogs nicht machen. Es zeigt nicht die Person als Ganzes, es zeigt lediglich die Seiten des Autors, die er öffentlich wissen möchte. Ein Blog erhebt nicht den Anspruch, Intimes zu verraten, nicht einmal der Wahrheitsgehalt der Texte kann garantiert werden: ein Weblog kann Geschichten erzählen wie verbergen. Alles kann, nichts muss. Und auch dies ist eine sehr angenehme Eigenart des Schreibens.
Mein Blog hat nicht die Überschrift “Tagebuch”.

Die zweite Nacht in Folge verbringst du bei deiner Freundin. Eher wohnungslos, zwischen zwei Orten, aus der einen Wohnung sozusagen aus-, aber in die andere noch nicht eingezogen.
Die letzten Male, die du in dieser Wohnung verbracht, gewohnt hast, waren Zeitpunkte in einer sehr anderen Phase deines Lebens. Als Doreen lieber außerhalb als hier schlief und du ja auch kein zu Hause hattest und den Kater zum Aufpassen. Tage also, an die man sich so gern nicht zurückerinnert, weil etwas Melancholisches mitschwingt, weil die Stimmung noch immer transportiert wird und du noch weißt, wie es damals war, welche Texte du damals auf dieser Tastatur geschrieben hast. Neulich hattest du wieder diesen Geruch in der Nase, der dich an die Zeit erinnert hat, eine Situation, die damals hätte stattfinden können. Stattgefunden hat.
Nie hast du so wenig gefühlt beim Zusammenräumen deiner Möbel, beim Abreißen der Plakate und ausräumen der Schränke, nie warst du fast froh, eine Wohnung hinter dir zu lassen, einen Zeitabschnitt, einen Ort. Gleichzeitig hast du dich selten so gefreut auf einen Umzug, auf das neue Viertel, auf die neue Wohnung.
Was außerdem endlich wieder Spaß macht: Du weißt vor lauter Arbeit nicht, wo du anfangen sollst. Der Umzug kommt zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, aber das ist immer so. Und ehe du dich versiehst ist Weihnachten.

Ich las eben in einem anderen Blog, “Daniel der Zauberer” sei der schlechteste Film aller Zeiten.
Als ich das erste Mal davon hörte, dass ein Film über Daniel Küblböck in die Kinos kommen sollte - selbst als ich das erste Mal auf der Homepage des Filmes war - hielt ich das für einen professionellen Scherz. Zu unwahrscheinlich, dass sich ein Regisseur (Ulli Lommel) mit diesem Thema auseinandersetzen würde, überdies schien mir der Inhalt weit hergeholt. Von vornherein hat man also den Eindruck, dass man sehr verliebt in Daniel sein muss, um den Film über seine gesamte Länge ertragen zu können. Da hat selbst Daniel seinen Fans zu viel zugemutet.

Was reitet also einen Regisseur, der gleichzeitig das Drehbuch geschrieben und eine Schlüsselrolle inne hat und somit für den Film vollständig verantwortlich ist, der sogar 1974 im Fassbinder-Film Effi Briest eine tragende Rolle spielte, eine solch grausame Meta-Biographie zu drehen?
Unzweifelhaft setzt sich die mit “Deutschland sucht den Superstar” begonnene Polarisierung des erreichten Teils der Gesellschaft weiter fort. Nur wenige können normal mit ihm umgehen, während der Großteil in zwei Lager gespalten ist: Das eine findet ihn schrecklich bis körperverletzend, würde sich gern revanchieren und geht nicht ins Kino. Die kleinere Gegenpartei findet Daniel grandios, einige Anhänger besuchen sogar den Film und schreiben herzzerreißende Rezensionen. Und einer von ihnen dreht sogar einen Film und setzt seinem Helden ein Denkmal, auf dem der eigene Name steht. Ob er sich damit einen Gefallen getan hat, ist im Moment nicht absehbar. Für die “Faniels” ist er ein Held und im Forum, in dem auch Daniels Papa Bewunderer hat, gibt es in naher Zukunft eine Fan-Ecke mehr.

Wenigstens in einem Punkt herrscht Einigkeit in beiden Lagern:
His life is magic

Ich kann mich genau an die Situation unter dem Tisch im Kindergarten erinnern, als ich den ersten Tag mit Brille dorthin musste und mich ebenda versteckt hielt. Seltsamerweise kann ich mich an keine Reaktion erinnern, woraus ich schließe, dass ich entweder unter dem Schutz der Erzieherinnen stand, oder die Sehhilfe nur halb so schlimm aussah, wie ich glaubte. Zu diesem Zeitpunkt schien mir die Realität nichts anhaben zu können, aber bereits wenige Wochen später musste ich mit diesem ersten Weltbild aufräumen: Ich war eingeladen auf einem Kindergeburtstag. Durch den Gesellschaftshass, den ich damals schon in Grundzügen gehabt zu haben scheine, war die Vorfreude wenig größer als gering. Unter Null fiel sie - oder besser sie wich einem Schockzustand - als nach dem Klingeln der Vater des Jugen die Tür öffnete.
Ich stand mit großen Augen vor ihm, unfähig etwas zu sagen. Nach dem Moment des Entsetzens - die Fokussierung seines Ohres hatte ich noch immer nicht aufgegeben - kam eine Art Nervenzusammenbruch, was zur Folge hatte, das meine Mutter, die mich damals gefahren hat (Gott sei Dank ist sie bis zur Tür mitgekommen), und ich unter Tränen das Geschenk abgegeben und postwendend nach Hause gefahren sind. An diesem Nachmittag hatte ich meine erste Begegnung mit einem Ring im männlichen Ohr, an die ich mich erinnern kann. Und auch hier kann ich mich an keine anschließenden negativen Reaktionen im Kindergarten erinnern. Ich habe auch nicht etwa ein Trauma davongetragen, meine Abneigung gegen Körperschmuck aller Art hat sich aber vermutlich schon damals manifestiert.
Ich hatte seitdem nur wenige so einschneidende Erlebnisse. Die Situation damals war die Begegnung mit etwas Unbekanntem, etwas Nie-Für-Möglich-Gehaltenem. 20 Jahre später hält man fast alles für möglich und kaum etwas schockiert einen wie Ohrringe 1983.

Ich werde am Montag und Dienstag umziehen und sicherlich kaum Zeit haben, hier längere Texte zu hinterlassen. Seht es mir nach. Ich muss mir außerdem angewöhnen, Einfälle und Gedanken, die mich unterwegs beschäftigen, festzuhalten. Wie oft sitze ich hier und grüble, was mich den Tag über beschäftigt hat - und mir fällt nichts ein.

Jemandem die Faszination von Tieren zu erklären, kann nicht klappen, wenn dieser jemand die Fasziation nicht ohnehin ebenfalls spürt. Man wird also nie einem Katzenhasser erklären können, was an Katzen wunderbar und einzigartig ist - er könnte es nicht nachvollziehen.
Aus keinem bösem Grund natürlich, allerdings nimmt er, wenn er Katzen gegenüber abgeneigt ist, ihre Handlungen und ihr Wesen anders wahr als der Katzenmensch. So würde ein guter Freund von mir sicher keinen Spaß daran haben, Leo minutenlang zu beobachten, wie er sich selbst den Ball wirft, mit ihm spielt, kämpft, ihn zu unterwerfen versucht. Er würde den spielenden Kater sehen, nach einem “Aha” fände er es bestenfalls langweilig.
Ich muss gestehen, dass mich Menschen weitaus weniger interessieren als Katzen. Damit meine ich natürlich nicht die Menschheit im Gesamten (selbstverständlich gibt es welche, die mir wichtig sind und/oder von denen ich fasziniert bin), aber allgemein gesehen interessieren mich vielleicht 2% der Menschen, dagegen finde ich etwa jede zweite Katze interessant. Als Christian gestern Tim im Krankenhaus besuchte und sich mit ihm über die Fähigkeit der Gesellschaft, sich mit immer abartigeren und niveauloseren Themen zu unterhalten aufregte, antwortete Tim: “Ich wandere aus!” Christians Argument, es sei ein übergreifendes Phänomen und fremdsprachige Länder ebenfalls betroffen, konterte Tim mit: “Aber dort verstehe ich die Leute nicht.”
So lustig das im Kontext klingt, könnte dies eine Erklärung sein für die Faszination der Katze. Ich kenne zu wenige Misanthropen, um diese These mit Fakten belegen zu können. Wie Leo neben mir schläft, erscheint es mir unmöglich, dass sich Katzen im Wald zusammenrotten, von getunten Spielzeugen oder obszöne Witze erzählen. Und wenn - das ist dann eben doch der Vorteil - versteht man sie nicht.

Nach den Anfeindungen gegenüber Mia wegen angeblicher “Deutschtümelei”, herausgelesen aus dem Spiel mit den Farben der deutschen Nationalflagge, ist das Thema im Munde aller, die sich für Musik mit deutschen Texten interessieren. Blumfeld kommentieren auf ihrer Homepage, Virginia Jetzt! haben mit einer Stellungnahme in der Intro reagiert, zu der sie sich durch eine Rezension ihrer aktuellen CD genötigt sagen und Telepolis sowie laut.de berichtet:

Alles begann mit einer Textzeile im Song “Liebeslieder” vom neuen Virginia Jetzt!-Album “Anfänger”: “Das ist mein Land, meine Menschen”, heißt es da. Das war - wieder einmal - zu viel für einige Musik- und Weltverbesserer. Prompt kam die Antwort: von “Issues des volkstümlichen Schlagers” und “Witt’schem ‘Wir Sind Wir’-Nationalmief” ist in einer Rezension die Rede.

Ein zweifelhaftes Hobby, alles und jedem die nationalsozialistische Tendenz anzuheften, ein absolut grober Unfug sogar, wenn man sich mit der Vergangenheit der betroffenen Band näher auseinandersetzt. Ich bin sicherlich nicht der einzige, der auf links einzuordnenden Festivals neben ihnen gezeltet hat.
Dümmlich wirre Argumentation und verbohrte Sichtweisen findet man im Streitgespräch diverser radikaler Grüppchen, die verbissen und realitätsfremd einem Ideal hinterherhecheln (”Also schloss er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf”). Nationalstolz kann eine eine gefährliche Sache sein, das krampfhafte Hineininterpretieren dieses in unpolitische Dinge (und ja, ich halte VJ! für unpolitisch) ist ebenso gefährlich, erinnert hat Ketzerei. Das in solchem Zusammenhang auch persönliche Dinge eine Rolle spielen, wird in der eher peinlich endenden Stellungnahme deutlich.
Die Kritik an Mia ist noch immer nicht verstummt, die Kritik an VJ! in meinen Augen blanker Blödsinn. Dass selbst Blumfeld Stellung beziehen, verdeutlicht die Angst vor gegen alles und jeden schießende Hirnlose in Internet-Foren oder fragwürdig gewordenen Musikmagazinen. Scheinbar kommt abhanden, was sich über vor vielen Jahrzehnten erst angeeignet wurde: Differenziertes Denken. In Zeiten, in denen Schreien populär geworden ist….

Den Samstag haben wir auf dem Pferdemarkt in Havelberg verbracht. Dieser ist dreigeteilt: Es existieren der ursprüngliche Tiermarkt, auf dem man allerlei vierbeiniges (Frettchen, Hundewelpen, Katzen, Vögel, … und eben Pferde) erstehen/tauschen kann, der “Trödelmarkt” mit einigen sonderbaren Verkaufsgegenständen (Motoren, Gynäkologiestühle, Prothesen) sowie ein “Rummel”, den wir aber gemieden haben. Dort sollen auch jene Stände mit Neuwaren angesiedelt sein. Zahlreich vertreten waren Gegenstände aus der ehemaligen DDR, namentlich FdJ-Wimpel und -Flaggen. Die Suche nach Vinyl konnte man auf wenige Stände beschränken, die meisten Kisten waren mit LPs aus Amiga-Lizenz gefüllt, deren Durchsicht ich mir aus zeitlichen Gründen erspart habe. Eine Travis-Platte samt “Sing”-Single ist schließlich doch herausgesprungen - im Tausch gegen eine Kameratasche.
Ich musste häufig an - obwohl die Lektüre des Buches schon etliche Jahre zurück liegt - Michel aus Lönneberga denken. An den Urlaub mit Martin und Andi. Passenderweise dreht sich gerade “Cash” auf dem Plattenteller und perfektioniert das Gefühl fast vollständig.

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