Christian ist seit heute wieder in Marburg. Er hat sich bei mir beschwert, dass er diese Woche bei einem Umzug in den vierten Stock eines Altbaus helfen musste. Das Resultat waren schmerzende drei Tage Muselkater.
Der Vermietungsmarkt der Lokalzeitung bot heute eine einzige große Wohnung. Katrin und Armin haben sich - leider erfolglos - zwei Wohnungen angeschaut. In den nächsten Wochen wird sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt noch einmal sehr verschärfen, da die ZVS, leider noch immer zuständig für Zulassungen einzelner Studiengänge, ihre Entscheidungsschreiben an die potentiellen Studenten mitte September abschickt. Erst letztes Semester haben Tageszeitungen von der miserablen Wohnungssituation in Marburg berichtet.
Zur Verbesserung des Wohnungsmarkts sowie der Situation der “Abgelehnten” jedoch würde eine frühere Benachrichtigung der Entscheidung beitragen. Kommen die Briefe mit Zulassungen und Ablehnungen bei den Empfängern an, sind die Anmeldefristen für andere Studiengänge an den Hochschulen in der Regel abgelaufen: Vor Eingang des Schreibens können nur wenige mit hervorragendem Abiturschnitt eine Wohnung in der gewünschten Stadt beziehen, die erfolgreiche Berücksichtigung ihres Erst-Studienort-Wunsches vorausgesetzt.
Mein Vormieter wechselt die Universität, weil ihm die Warterei auf besagten Brief zu viel geworden ist. Auch hat er nur wenige Monate in dieser Wohnung verbracht, ob er dort je “gelebt” hat, wage ich beinahe zu bezweifeln.
Ist die Hürde ZVS genommen und die Wohnungsproblematik in Marburg überwunden, bleibt der Gang zum nächsten Unternehmen, dass man oft und gern verflucht: Die Telekom. An Anschlussgebühren in aberwitziger Höhe, beängstigende Wartezeiten und Termine mit Vorschlagscharakter muss sich erst gewöhnt werden. Der erste Kontakt des Studienanfängers mit dem Telekommunikationsunternehmen hinterlässt mitunter tiefe Wunden. Ich kenne keinen Kommilitonen, der nicht schon einmal verzweifelt wäre, das Fehlen von Konkurrenz im Bereich Ortsnetz/Internetzugang macht die Sache noch schwieriger. Allerdings hört man aus Großstädten bereits Klagen, die gerade ein Konkurrenzunternehmen betreffen: Ein Freund aus Hannover hat gestern erst wieder einen Anschluss bei T-Com beantragt.
Etwa zwei Wochen später flattert der erste Brief der GEZ ins Haus. Ich kann beruhigen: Sie scheinen es einzig und allein auf mich abgesehen zu haben. Zwar kein Hausbesuch, aber eine Papierflut beeindruckenden Ausmaßes ist bereits auf mich zu gerollt. Ständig kommen Erinnerungsschreiben, die ich entweder ignoriere (und bei jedem meiner Freunde hat das Ignorieren Wunder gewirkt) oder unausgefüllt und -frankiert verpackt im beiliegenden Rücksendeumschlag in den nächsten Postkasten werfe. Völlig unbeeindruckt dessen liegt beim Heimkommen bereits der nächste Brief im -Kasten. Würden Adressen wie eMail-Adressen verkauft, wäre Marburg vermutlich eine Stadt sonderbaren Glanzes.
Wegen des Umzuges frage ich frühestens nächste Woche.