August 2004
Monthly Archive
Di 31 Aug 2004
In regelmäßigen Abständen muss ich Teile meines bisher gewonnenen Weltbildes revidieren. Zwar wäre schlimm, wenn man mit der sich stetig veränderten Umwelt nie im Konflikt läge oder mit dem zehn Jahre jüngeren Ich noch immer einer Meinung wäre. Trotzdem stürzen regelmäßig Weltbilder zusammen, die einem einst der Fels in der Brandung schienen und mal eben Zeitspannen im Umfang eines halben Lebens mit in die Tiefe reißen.
Wer hat sie noch nicht verloren, die Helden aus der Kindheit, die aus dem eigenen Freundeskreis stammten? Spätestens beim ersten Schulwechsel wurden Freundschaften strapaziert, das Absolvieren der Abiturprüfung sprengte die losen Bande; Bis man das realisiert, hat man das erste Studium abgebrochen. Klassentreffen meidet man, schon beim Abiball waren die Abneigungen deutlich, Seltsamkeit und Eigenheit wird einem nachgesagt, Jahre später nimmt man dies als Lob und fragt sich, ob die propagierte Stetigkeit nicht schlimmer, fataler ist, ein Schwarzes Loch.
In der eigenen Bewegung die der anderen realistisch einschätzen, ist ein schwieriges Unterfangen – jene, die einem Voraussagen und Vorhalten sind zu oft selbst stehengeblieben ohne es zu merken.
Denkt man zwei Jahre zurück, sollte man sich über manche getroffene Entscheidung die Haare raufen, den Alter Ego hassen, verabscheuen müssen. Erkennen, dass jeder Freund das Gegenteil ist, ein Andersdenkener, ein dem Gegner zuspielender, kritisierbarer Gefährte, an dem es sich zu schärfen gilt, zu reiben, den man hassen muss um ihn zu lieben. Die innigsten Freunde stürzen sich gegenseitig in Krisen, treiben sich ins Fatale und doch voran, verlangen sich Übermenschliches ab.
Ich glaube, du bist doch ein Fernsehmensch.
Mitnichten, mein Lieber. Ich bin entsetzt. Aber noch einmal werde ich mich von dir nicht in eine Panik stürzen lassen. Denn wer von uns beiden der Fernsehmensch ist, steht außer Frage. Das Problem, das ich so lange nicht wahr haben wollte, ist eines jener Natur, das man gern unter den Tisch fallen lässt, wenn der Gegenüber ein Jugendfreund ist; Wenn ein Bild fällt, dass man sich in der Kindheit Jahr um Jahr aufgebaut hat.
Du nanntest mich einen Misanthropen, ich kann mit deinem Hobby nichts anfangen. Dein Hobby heißt Mensch - im weitesten Sinne. Natürlich hast du mehr Freunde als ich. Oder das, was du Freunde nennst. Du wetterst gegen die Linke und brichst Mercedessterne ab, wenn du betrunken bist. Und betrunken bist du oft, du arbeitest in einer Kneipe und siehst dich als Rächer der Arbeiterschaft. Als ich dir erzählte, man solle sich den hässlichsten Ort zum Studieren aussuchen war dein lakonischer Kommentar: “Eine Kneipe finde ich in jeder Stadt.”
Ich mag jetzt nicht von früher reden, die Zeiten sind vorbei. Immerhin haben wir beide Streit mit dem Freundeskreis, beruhigend zu wissen, dass auch ich älter geworden bin.
“Du und ich, wir gehen immer weiter weg aufeinander zu von den anderen fort./Umso weiter wir gehen umso schneller sind wir da und wasimmer das ist, es ist mehr als ein Versteck.”
Di 31 Aug 2004
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Wer sein Studium abbricht, aus dem kann nichts werden. Wenn die Eltern enttäuscht sind über den akademischen Fehlgriff der Tochter oder des Sohnes und nicht akzeptieren können, dass ein neues Studium mehr Aussicht auf Erfolg verspricht, dann liegt das meistens daran, dass sie in die Gedanken des eigenen Kindes weit weniger involviert sind, als sie es aus der Vergangenheit gewöhnt waren.
Die Entscheidung war eine jener, die man Monate vorher hätte erkennen können - wenn man nicht auf beiden Augen blind ist, wozu ich das Talent besitze.
“Ich breche Medizin ab, ein paar Bücher habe ich schon bei Ebay eingestellt und ich bewerbe mich im Juli an der Hamburger Kunsthochschule. Ich will das alles nicht mehr.” Das würde jedenfalls ihre Arbeitseinteilung in den letzten Wochen rückwirkend entschuldigen. Trotzdem kam ich mir überfallen vor: “Überleg dir das doch erstmal gut”. Was natürlich längst passiert war. Schließlich war auch Hamburg kein Zufallsgriff und Alternativpläne gab es ebenfalls.
Als sie mich im Dezember verlassen hat, kam ich mir ähnlich überrumpelt vor. Wir wohnten seit etwa 1,5 Jahren zusammen und mir war natürlich nichts aufgefallen. Selbstverständlich war alles klar - so gesehen, hinterher.
Ihre Eltern hat sie mit ihrer Entscheidung jedenfalls ähnlich unvorbereitet getroffen, die Verwandschaftsmühlen Setzten sich in Bewegung und aus dem ersten “wenn du das nicht mehr möchtest” wurde ein “du bekommst kein Geld mehr von Opa”. Das Wochenende bei ihren Eltern war geprägt von Sätzen wie “wenn man das will, schafft man das auch”, ohne zu merken, dass genau dies der springende Punkt ist.
Ihr Opa war jedenfalls recht nett und dass wir jetzt doch wieder zusammen sind, kann kein Omen sein für das Studium; heute morgen hat sie die ersten Bücher zur Post gebracht.
Mo 30 Aug 2004
Mein lieber Scholli! Plötzlich steht man im Mediamarkt und kommt gar nicht mehr auf die Idee, Geld auszugeben. Etwas anderes außer CDs und DVDs kann man dort ja sowieso nicht kaufen, weil er zu teuer ist - ausgehend von den Warengruppen, die regelmäßig eine bestimmte Faszination auf mich ausüben. Ist das nicht ironisch?
Nun passt die Unfähigkeit, Geld in CDs zu tauschen, ganz hervorragend, bringt aber letztlich keinen Gewinn, da Schallplatten eben auch nicht billiger sind. Da die einzigen beiden Exemplare, die ich dort heute erspähen konnte, von Tupac und Sven Väth stammten, wird die Entscheidung eben vertagt.
Ein Vorteil, wenn man solche Läden kurz vor Ladenschluss aufsucht, ist die angenehme Leere. Kaum Kindergeschrei und ihrem Namen alle Ehre machende Gänge. Alle zu Hause vor der Heimwerkersendung.
Wir haben uns Gedanken gemacht, ob man Mediamarkt-Besucher mit jenen eines Baumarktes vergleichen kann. Die Lust zum Fummeln ist wohl beiden Gruppen gemeint, auch die durchwachsene Kenntnis des Gegenstandes, den es aufzubauen gilt. Rauft sich der technisch versierte Besucher im Mediamarkt ob Kundenfragen die Haare, schlägt Tim Taylor in der Gartenabteilung derweil die Hände über dem Kopf zusammen. Wenn der Fragende sich überhaupt traut und sich nicht auf sein Unwissen verlässt, später dann vom Enkel belehrt wird. Jedenfalls der Mediamarkt-Kunde.
Sympathischer sind dann die Plattenläden, in denen man hoffnungsvoll nach einem Nebenerwerb fragt, allerdings mit einer verneindenen Kopfbewegung abgewiesen wird: “Wir können uns noch keine Aushilfe leisten.” Was einen natürlich in keinster Weise weiterbringt, da Schallplatten eben auch nicht billiger sind.
So 29 Aug 2004
Passend zum Text über zukünftige Olympiadisziplinen lese ich gerade im Heise-Newsticker:
Ob Handy-Weitwurf bis 2008 olympisch wird, ist allerdings noch nicht endgültig entschieden …
Schon heute morgen fiel mir die weite Verbreitung des olypmischen Gedankens auf, als Jens sein gelöstes Softwareproblem in Sportergebnisformat präsentierte.
Jetzt, da Schumacher wieder Weltmeister ist, wird vermutlich auch Fahnenkonvoifahren eine olympische Zukunft vorausgesagt…
Dass die Olympiade fast unbemerkt an mir vorbeizieht, liegt nur teilweise an den Vorbereitungen zum Vordiplom. Die Sportverachtung, wegen der ich - übrigens neben der Abneigung gegenüber Eis und Kuchen - auch zu WM-Zeiten ungläubig beäugt werde, rettet mir die ein oder andere freie Minute. Auf mein Talent, weder mit Geld noch mit freier Zeit umgehen zu können, ist aber selbst in solchen Momenten Verlass.
So 29 Aug 2004
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Christian ist seit heute wieder in Marburg. Er hat sich bei mir beschwert, dass er diese Woche bei einem Umzug in den vierten Stock eines Altbaus helfen musste. Das Resultat waren schmerzende drei Tage Muselkater.
Der Vermietungsmarkt der Lokalzeitung bot heute eine einzige große Wohnung. Katrin und Armin haben sich - leider erfolglos - zwei Wohnungen angeschaut. In den nächsten Wochen wird sich die Situation auf dem Wohnungsmarkt noch einmal sehr verschärfen, da die ZVS, leider noch immer zuständig für Zulassungen einzelner Studiengänge, ihre Entscheidungsschreiben an die potentiellen Studenten mitte September abschickt. Erst letztes Semester haben Tageszeitungen von der miserablen Wohnungssituation in Marburg berichtet.
Zur Verbesserung des Wohnungsmarkts sowie der Situation der “Abgelehnten” jedoch würde eine frühere Benachrichtigung der Entscheidung beitragen. Kommen die Briefe mit Zulassungen und Ablehnungen bei den Empfängern an, sind die Anmeldefristen für andere Studiengänge an den Hochschulen in der Regel abgelaufen: Vor Eingang des Schreibens können nur wenige mit hervorragendem Abiturschnitt eine Wohnung in der gewünschten Stadt beziehen, die erfolgreiche Berücksichtigung ihres Erst-Studienort-Wunsches vorausgesetzt.
Mein Vormieter wechselt die Universität, weil ihm die Warterei auf besagten Brief zu viel geworden ist. Auch hat er nur wenige Monate in dieser Wohnung verbracht, ob er dort je “gelebt” hat, wage ich beinahe zu bezweifeln.
Ist die Hürde ZVS genommen und die Wohnungsproblematik in Marburg überwunden, bleibt der Gang zum nächsten Unternehmen, dass man oft und gern verflucht: Die Telekom. An Anschlussgebühren in aberwitziger Höhe, beängstigende Wartezeiten und Termine mit Vorschlagscharakter muss sich erst gewöhnt werden. Der erste Kontakt des Studienanfängers mit dem Telekommunikationsunternehmen hinterlässt mitunter tiefe Wunden. Ich kenne keinen Kommilitonen, der nicht schon einmal verzweifelt wäre, das Fehlen von Konkurrenz im Bereich Ortsnetz/Internetzugang macht die Sache noch schwieriger. Allerdings hört man aus Großstädten bereits Klagen, die gerade ein Konkurrenzunternehmen betreffen: Ein Freund aus Hannover hat gestern erst wieder einen Anschluss bei T-Com beantragt.
Etwa zwei Wochen später flattert der erste Brief der GEZ ins Haus. Ich kann beruhigen: Sie scheinen es einzig und allein auf mich abgesehen zu haben. Zwar kein Hausbesuch, aber eine Papierflut beeindruckenden Ausmaßes ist bereits auf mich zu gerollt. Ständig kommen Erinnerungsschreiben, die ich entweder ignoriere (und bei jedem meiner Freunde hat das Ignorieren Wunder gewirkt) oder unausgefüllt und -frankiert verpackt im beiliegenden Rücksendeumschlag in den nächsten Postkasten werfe. Völlig unbeeindruckt dessen liegt beim Heimkommen bereits der nächste Brief im -Kasten. Würden Adressen wie eMail-Adressen verkauft, wäre Marburg vermutlich eine Stadt sonderbaren Glanzes.
Wegen des Umzuges frage ich frühestens nächste Woche.
Sa 28 Aug 2004
Posted by niels under
Lifestyle ,
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Die Supermarkt-Kasse verlassend und Kurs nehmend Richtung Zeitungsladen ereilte mich der Gedanke Minuten später. Wenn wir gegen Mediamarkt und Konsorten wettern - die vermeintlich Schuldigen an der “Geiz ist Geil”-Welle - so ist alles, selbst die einst geliebte und jahrelang abonnierte Zeitschrift, Opfer der Bildzeitungspolitik der einfachen Schlagzeilen geworden: Die c’t wird fortwährend uninteressanter, seit Monaten lege ich sie höchstens einmal zügig durchblättert in die Schublade. Dass ich erst letztens die Jahresgebühr für mein Abo entrichtet habe, macht die Sache nicht angenehmer. Ein Herz des Supports, das c’t Abo in eines der iX umzuwandeln?
Mit der Süddeutschen Zeitung geht es mir seit ein paar Tagen ebenso, wenigstens liegts hier an der fehlenden Zeit. Das Magazin habe ich immerhin geschafft, sogar schon gestern.
Schneller ginge es mit Hörbüchern, die zunehmend beliebter werden. Zeitersparnis, da nebenbei im Internet gesurft oder Solitär gespielt werden kann, geht auf Kosten der Gedanken, die man sich beim Lesen verschiedener Bücher machen sollte. Wer Hesses “Steppenwolf” neben einer Partie Doom3 hören kann, der isst Popcorn zum Frühstück.
Wenigstens hat es heute geregnet, was dem ganzen eine zynische Note verpasst. Willkommen in meinem Sommer.
Sa 28 Aug 2004
Posted by niels under
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Warum sollte man einen Weblog selbst schreiben, wenn es wunderbare im Netz gibt?
Angestoßen durch Blogbar.de verwende ich nun WordPress, um meine Gedanken im Netz festzuhalten. Erkauft wird dies durch die nicht nahtlose Integration in meine Webseite.
Sa 28 Aug 2004
Posted by niels under
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Jetzt WLAN. Der Umzug rückt immer näher, die Freude umzuziehen auch. Immerhin ist dies mein vierter Umzug dieses Jahr. Erst zog ich aus der Gisselberger Straße zu Doreen, kurz später zu Christian, schließlich nach Wehrda in die WG, die wir jetzt auflösen.
Vor Freude könnte ich stundenlang mit meiner Mutter oder meinen Großeltern über die neue Wohnung reden, die grandiose Lage dieser in der Oberstadt und die Hoffnungen, die ich mit dieser verknüpfe. Mit Doreen kann ich diese Freude nur bedingt teilen: Sie macht mir die Wohnung madig. Sie fand die zweite, die wir angeschaut haben, schöner. Sie war tatsächlich größer, die Küche ein eigener Raum, war allerdings in einem großen Wohnblock - immer noch recht zentral - untergebracht. Neben der Sympathie für die Altbauwohnung in der Oberstadt war auch die charmante Lage in der kleinen Gasse, die Wettergasse und Marktplatz verbindet, ausschlaggebend. Ich freue mich außerordentlich auf die Schlüsselübergabe und den Wechsel des Wohnortes.
Obwohl ich heute also kaum über mein neues Schlupfloch gesprochen habe, war der Tag mit Mama, Oma und Opa ein sehr schöner. Die Hecke wurde geschnitten, Pizza bestellt und nun liege ich neben Doreen im Bett vor dem Anne-Frank-Themenabend und schreibe.
In der neuen Wohnung werde ich kein Fernsehen haben. Sie ist zu klein für den großen Fernseher, den ich seit zwei Jahren in Marburg besitze. Der Grund ist aber, dass ich einen Satelliten-Receiver bräuchte, um die TV-Karte im Computer benutzen zu können. Nachdem ich das Jahr 2001 und Teile von 2002 fernsehlos verbracht habe, freue ich mich darauf sogar.
Ich hoffe, ich kann recht zügig umziehen in etwa drei Wochen. Und ich hoffe, ich bin dann sehr bald wieder online. Und muss zum Abschicken nicht immer aufstehen und Doreens Laptop an den Switch hängen. Jetzt WLAN.
Sa 28 Aug 2004
Posted by niels under
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Nun schreibe ich also wieder Tagebuch - ich blogge. Was ja ein Phänomen unserer Zeit ist, schließlich ist gerade erst ein Buch erschienen.
Ich habe auf dieser Homepage zwei Bereiche, in denen ich Texte veröffentliche: Jene auf der Startseite und eben diesen Weblog. Während die Texte auf der Startseite naturgemäß länger sind und keine Kommentarfunktion bietet, könnt ihr euch hier über den Inhalt sofort beschweren. Nutzt das.
Ich werde in gut zwei Wochen schon wieder umziehen, seit 3 Tagen habe ich auch endlich eine Wohnung. Diesmal ziehe ich in die Oberstadt und hoffe, dort eine Weile bleiben zu können. Weiterhin wohne ich mit niemandem mehr zusammen - das erste mal, seit ich im Sommer 2000 aus Frankfurt weggezogen bin. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass ich kein WG-Mensch bin. Recht optimistisch gehe ich also in die neue Wohnung, die den Wunsch nach Zentralität in Marburg bestmöglich erfüllt.
Da ich in Zukunft öfter schreiben und euch das auf der Startseite nicht zumuten möchte (dort soll ein Niveau gehalten werden) findet ihr hier also belanglosere Texte: Man kann ja nicht immer gegen Fernsehen und Mitbewohner wettern.
Hallo hier. Mit einem Wort: We Blog!