Aquila Nera – #transalp13

Das hatte ich mir anders vorgestellt, nämlich folgendermaßen: Wir fahren abends in die Stadt ein, die uns empfängt wie verlorene Söhne. Später – nach dem Essen – sitzen wir entweder im Bett oder in der Lobby neben dem WLAN und schreiben in unsere Blogs, welche Absurditäten, welche Bilder und Gemeinheiten die zurückliegende Strecke bereithielt.

Frühstück am Tegernsee

Reifenwechsel

Die Sache mit der Triumphfahrt gestern verlief anders: Obwohl wir einen schönen geteerten (! – hier sollte sich die selbstgerechte Radlhauptstadt ein Beispiel nehmen) Radweg neben dem Inn fanden, der uns bis zum ersten Etappenziel brachte, bleibt Hall in Tirol eben Hall in Tirol: Auf den ersten Blick eine Wildweststadt, an den Rändern einer Straße errichtet, bestenfalls Durchgangsstadt, und von eben jener Straße aus gesehen eine furchtbar hässliche. Wir hatten am Ende dieser Staubpromenade unser Quartier, da uns am Morgen das gebuchte Hotel kurzfristig absagte und dann ist man ja nicht sonderlich wählerisch, weil hinter Hall die Auffahrt zur Ellbögenstrecke und zum Brenner beginnt, es also ziemlich gute Gründe gibt, genau diese nicht mehr fahren zu wollen nach einem Tag im Sattel. Und dort war sogar ein funktionierender Internetzugang. Draußen. Auf dem Bürgersteig. Aber da waren eben auch die einhundertsechzig Kilometer seit München und die zehn Kilo Gepäck auf dem Rücken. Und dann waren da eben diese drei Betten. Naja, und so kam das dann…

Achensee

Café

Gestern hat Don drüben bereits über den ersten Tag gebloggt (es gibt dort sogar ein Foto von meinen Beinen!), heute liegt er im Bett und ich in der Lobby in einem zu großen Ohrensessel. Das Internet ist langsam, aber immerhin da, und wäre es nicht gelogen, würde ich schreiben: wie wir. 

Räder

Der erste Anstieg nach dem Frühstück, die Rampe zur Ellbögenstrecke, war rückblickend die schlimmste Steigung des Tages. Von der Ellbögenstrecke wusste ich, wie schön sie ist, doch in meiner automobilen Erinnerung erschien sie mir deutlich länger als heute auf dem Rad. Vom Brenner erinnerte ich nur seine Trostlosigkeit; es ist der hässlichste Pass, den ich kenne. Und schön war er dann nicht, doch irgendwann sind einem beim Aufstieg die Autos egal, die sich heute bereits kilometerweit vor dem Sattel stauten.

Anstieg

Brenner

Hat man die Kuppe und die Outlet-Geschäfte endlich passiert und hält sich nach einem Kilometer rechts, kommt man auf die alte Bahntrasse, die Italien nach dem Rückbau der alten Gleise in einen geteerten (! – München, nimm das!) Radweg umgebaut hat, auf dem man mit Rückenwind ins Tal rollen kann: Vorbei an zerfallenden Bahnwärterhäuschen, durch zwei beleuchtete Eisenbahntunnel, beinahe hinab bis nach Sterzing. Und weil mit der Buchung alles geklappt hat, schlafen wir heute Nacht im ersten Hause am Platz.

Tunnel auf der alten Bahnstrecke

Kuchen

Sterzing

Morgen dann geht es hinauf auf den Jaufenpass, direkt nach dem Frühstück, auf einen Apfelstrudel am Gipfel, und hinab nach Meran. Zeitnah zu lesen/zu schauen drüben im Rebellmarkt, hier auf den Gipfeln oder eben weiter bei Twitter.

49 Gedanken zu „Aquila Nera – #transalp13

  1. Mal eine technische Frage: Wie fährt sich so eine Steigungsstrecke eigentlich mit Rucksack? Ich bin im Flachland bisweilen mit Gepäck auf dem Rücken unterwegs, ohne dass mich das groß stört – aber bei so einer bergigen Strecke hätte ich doch Sorgen, dass es weit mehr scheuert an den Schultern, weil man (respektive: ich) beim Klettern doch nicht so stoisch und ruhig auf dem Sitz verharrt, sondern mehr mit dem ganzen Körper arbeitet.

  2. Problemlos. Es kommt wohl auch auf den Rucksack an. Meiner sitzt recht fest, scheuern tut da jedenfalls nichts. Man merkt die zehn Kilogramm durchaus etwas und mich würde interessieren, wie ich Brenner und Jaufenpass ohne Rucksack gefahren wäre.

  3. Hm, komischweise hatte ich kürzlich mit dem recht straff sitzenden Teil ein wenig Beschwer, aber dazu mag auch die große Hitze ihr Teil beigetragen haben. Mit der Windstopperjacke über dem dünnen Trikot (oder vergleichbarer textiler Polsterung) war die gleiche Zuladung nie ein Problem.

    Vielleicht hättest Du ohne Rucksack ja einen Bremsfallschirm gebraucht. ;-)

  4. Ich spürte meinen Rücken auf dem Jaufenpass, auf dem Brenner gings. Aber ich hatte schon die Tage vorher Beschwerden, die nicht dieser Tour zuzurechnen sind.

    Vielleicht tauch drüben bei Don in den nächsten Tagen ja ein Foto von mir von vorn auf, dann wirst du sehen, wie ich beladen ausschaue. Die Schultergurte waren in Höhe der Brust durch einen Gurt miteinander verbunden. Das hilft glaube ich sehr.

  5. Ja, kann gut sein, dass ich das leichtsinnigerweise versäumt hatte, die Gurte da oben zusammenzuzurren.

    Und was den Rücken angeht, da kann immer wieder mal was zwicken und zwacken, solange man Rennrad fährt (und ansonsten hauptsächlich im Sitzen arbeitet). Am Tegernsee hatte ich die Umstellung vom Rad mit der MTB-Kurbel auf den Halbcarbonhobel auch im Rücken gemerkt, obwohl ich hätte schwören können, dass wir die Sitzposition am zweiten Rad 1:1 hingekriegt haben. Mein früheres Schlechtwetterrad habe ich sogar verkauft, weil das lange Oberrohr eine zu gestreckte Position erforderte, mit der ich gerade an kalten Tagen ziemliche Mühe hatte. Aber was langweile ich Dich mit mit Alte-Männer-Geschichten, Du bist ja noch jung! ;-)

    Ansonsten rumort in mir die ganze Zeit die unbeantwortbare Frage, ob ich in der Lage gewesen wäre, Eure Tour mitzufahren…

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