A sad state

Ich bin in den letzten beiden Jahren den Großteil der Wochentage jeweils vierzig bis fünfzig Kilometer Fahrrad gefahren. In den letzten drei Wochen bin ich zehn Kilometer gefahren – insgesamt. Das ist nicht nicht anstrengend. Das auszuhalten ist Arbeit.

Jaguar E-Type

In diesen Tagen habe ich Freunde getroffen, erfolgreich, unterwegs und gestresst. Sie saßen vor mir, erzählten mir von den Berufen und verschmolzen etwas mit ihrem Hintergrund. Zehn Stunden arbeiten täglich, »mehr Ringe als Augen und die unterlaufen« (Kettcar). Alles bestens, man könne sich etwas leisten und sie meinten es wörtlich. Mit jedem Satz verschmolzen sie noch etwas mehr.

Kutsche

Ich habe die Sorge, mich in Teig zu verwandeln. Ein aufgeschwemmtes Gesicht, weiche Beine und einen Bauch, für den man eine Entschuldigung braucht. Schlimmstenfalls würde mir alles egal. Ich muss dringend einmal raus, »Ich bin wie diese Kügelchen, ich würde gern rollen, muss aber verharren, und bin damit nicht wirklich glücklich.«

Brei

12 Gedanken zu „A sad state

  1. Grad heute leide ich auch hundserbärmlich, strahlender Sonnenschein, kaum Wind und Temperaturen um die 17 Grad, meine drückende Arbeitslast der letzten Wochen liegt soweit hinter mir – eigentlich die optimalen Bedingungen, um eine große Tour in die Eifel zu fahren. Stattdessen hocke ich zuhause, mache Termine mit Kinder- und Tierärzten – und vielleicht verkaufe ich nachher noch das Bastelprojekt, dann hätte es wenigstens noch was gutes, so ausgebremst zu sein. Ansonsten sage ich mir, so schlecht war die Kilometerbilanz dieses Jahr auch wieder nicht, und die Saison wird nicht im März entschieden. Vielleicht lade ich schonmal die Akkus für eine Abendrunde…

    Kurzum: Ich fühle mit Dir!

  2. Ich wünsche gute Besserung allen Beteiligten. Ja, die Sonne scheint hier auch, nachher noch einmal raus, aber eben immer nur zu Fuß. Die Dampfnudel mit Honig bleibt außer Reichweite, die noch schneebedeckten Berge auch.

    Kaum Aussicht, dass sich was ändert.
    Also habe ich mir eine feste Rolle bestellt.

    1. Also habe ich mir eine feste Rolle bestellt.

      Das ist, wenn sich dauerhaft keine Änderung abzeichnet, wahrscheinlich das beste, was man tun kann, um nicht irgendwann völlig am Rad zu drehen. Es ist ja nicht nur eine Kopfsache, ab einem gewissen Maß an Gewöhnung ans Kurbeln melden sich auch die Beine mit einem diffusen Ziehen, wenn ihnen die Bewegung vorenthalten wird.

      1. Ich werde unausgeglichen. Und ich habe wirklich Angst, wenn ich im September wieder regelmäßig aufs Rad steige, dass ich einfach herunterfalle oder an der Isar jämmerlich versage.

        Die Rolle ist für die nächsten sechs Monate meine Garantie, die Möglichkeit zu haben, zwischendurch zumindest mal kurz zu fahren. Schön ist es nicht. Aber nicht zu fahren ist noch unschöner.

        1. Schwer zu sagen, ob diese Sorge begründet ist. Ich war ja neulich wieder mit meinem gelegentlichen Mitfahrer aus Neuss auf Achse, der seit unserer letzten gemeinsamen Ausfahrt im November gar nicht mehr gefahren war und die Wochen davor nach dem Knacken der 300-Kilometer-Marke auch nicht mehr viel gemacht hatte. Der ist vor zwei Wochen wirklich sehr gut mitgekommen, und da ich vom Vortag noch Vaalserberg (NL) und Signal de Botragne (B) in den Beinen hatte, wäre ich auch kaum in der Lage gewesen, ihm ernsthaft wegzufahren.

          Ist halt die Frage ob ein Fahrer wie er (der anno 2013 bei Ausfahrten mit irgendwelchen Vereinsfahrern auch einen Schnitt von über 40 auf 120 km mitgehen konnte) es als jämmerliches Versagen betrachtet, wenn der Puls paarmal in den roten Bereich geht, wenn es darum geht, mit einem Rumgondler von meinem Kaliber eine 100-km-Sonntagsrunde runterzukurbeln. Wenn man seine Form von vor anderthalb Jahren zugrundelegt, könnte man es schon so sehen, aber mit dem gleichen Recht könnte man auch sagen, erstaunlich, wie viel noch geht nach der Pause (und mit 15 Kilogramm mehr auf den Rippen).

          1. 15 kg mehr auf den Rippen ist ein No-Go.
            Und ich will mich nicht ständig entschuldigen mit der Tatsache, dass ich älter geworden bin.

            Aber Du hast natürlich recht. Ich weiß selbst nicht, wie begründet die Sorge ist. Übrigens weiß ich bis heute nicht, wie ich in einer solchen Gruppe auf 120 km mithalten könnte. Da ich stets allein fahre, bin ich von einem 40er Schnitt sowas von weit weg, dass ich mir nichtmal vorstellen kann, den in einer Gruppe zu erreichen (aber wie gesagt, da kenne ich die Mechanismen nicht und wie viel Windschatten wirklich bringt).

            Ich will irgendwie Sport machen. Und ich will den Sport machen, den ich nach wirklich langer Suche und nach etlichen Fehlschlägen gefunden habe. Denn dann irgendwann… von hier an die Küste. Das wäre schön.

            Aber weil Rolle fahren total langweilig ist, habe ich mir ein paar gute Podcasts gehört und bei Zwift.com um einen Invite gebeten. (Falls Du einen rumliegen hast…)

  3. Dem Alter muss man in der einen oder anderen Form eh Tribut zollen, aber als Ausrede taugt es in der Tat schlecht, da kann ich (als lahmer, alter Sack) Dir nur vollumfänglich beipflichten. ;-)

    Vielleicht wäre ein halbwegs regelmäßiger Gruppenritt eine gute Ergänzung zum Training auf der Rolle bei ansonsten knappem Zeitbudget? Ab und zu die hiesige Donnerstagabend-Winterrunde (und paarmal auch die Sonntagsrunde) mitzufahren, war eine gute Abwechslung zum mühseligen Kilometerschrubben im Solo-Betrieb. Nicht dass es unbedingt weniger anstrengend gewesen wäre (einmal hatte ich selbst im Lutschmodus wirklich Mühe, dranzubleiben), es hat aber eine andere Dynamik, und so ein jour fixe kann ja auch disziplinieren, wenigstens zu dem Termin ein Zeitfenster zu schaffen. In einer großen Stadt wie München müsste sich doch das eine oder andere Grüppchen fürs regemäßige Rollen finden, oder?

    1. Ich habe mal danach gesucht, aber bei den hiesigen Radsportvereinen habe ich mich bereits auf ihren Webseiten nicht willkommen gefühlt. Ich bin jetzt in einer Münchner Rennrad-Gruppe sowohl auf Facebook als auch auf Strava, außerdem gibt es im rennrad-news-Forum einen Thread, in dem sich Fahrwillige verabreden.

      Ja. Man müsste mal.

      1. Ein Verein erschiene mir auch als der sicherste Weg, der Sache ihren Spaß auszutreiben. Mein gelegentlicher Mitfahrer ist manchmal mit Vereinsfahrern unterwegs und sagt, das sei ein Mikrokosmos für sich mit ganz eigenem Mindset (sehr wohlwollend formuliert).

        Hier in Dü-Dorf bewährt sich Facebook als Verabredungsplattform ganz gut, die Wintertrainingsgruppe war ein echter Gewinn, und fast bedaure ich, dass ich nicht öfter dabeisein konnte. Ich drück Dir die Daumen, dass sich in M was findet, was Dir bisschen Abwechslung zur Rolle bringt.

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